Antifa-Kultur in Recklinghausen

Recklinghausen, sonst nicht unbedingt wegen seiner kulturellen Vielfalt bekannt und momentan mal wieder wegen seiner Provinzialität in der Presse – es sei hier an Rausschmiss von Frank Castorf bei den Ruhrfestspielen erinnert – war mitten im Juni Schauplatz gleich mehrerer Festivals.

Den Anfang machte am Freitag dem Antifa-Kultur in Recklinghausen16.7. das "Get Up Stand Up"-Festival auf dem ehrwürdigen Rathausplatz. Veranstaltet wurde das Konzert vom Kinder- und Jugendparlament in Recklinghausen. Das war vermutlich auch der Grund, dass das Festival schon mittags begann; hier hätte man den Event doch besser auf einen Samstag verlegen sollen. Dies ist aber auch der einzige Kritikpunkt, der vorzubringen wäre. Die Bands waren gut, wobei sich besonders Alpha Boy School und Rantanplan hervortaten. Während erste – übrigens nach einer Waisenschule auf Jamaika benannt – druckvollen Ska spielten und das Publikum neben eigenen Songs auch mit manchen Klassiker wie "Sally Brown" oder "Skinhead Girl" zum Tanzen brachten, kochte die Stimmung bei Rantanplan mit ihrer Mischung aus Punk und Ska über. Pogo auf dem Recklinghäuser Marktplatz – das man das noch erleben darf!

Die Veranstaltung war übrigens sehr gut organisiert und hat in erster Linie zwischen 300 und 400 Punks, OI-Skins und Rudeboys angezogen. Dementsprechend bunt war der Platz bevölkert. Insgesamt ging das Festival äußerst friedlich über die Bühne – abgesehen von den üblichen zerschlagenen Flaschen. Sehr positiv übrigens die Zurückhaltung der Polizei, die entsprechend deeskalierend wirkte.

Am Samstag, 17.7., fand dann "Rythm against Fascism"-Festival in Recklinghausenim Recklinghäuser Stadtgarten das "Rythm against Fascism"-Festival statt. Auch hier eine sehr peacige Stimmung. Auf der Bühne standen Bands wie Dorian Gray, Kiosk oder Rag Bag. Allerdings hätte die Veranstaltung etwas besser besucht sein können, dementsprechend leer war es vor der Bühne, während die Wiesen gut bevölkert waren. Zum einen mag die Unwetterwarnung viele Besucher abgehalten haben, wobei es doch erst am frühen Abend regnete.

Zum anderen fand zeitgleich das Bauernhof-Festival in Marl Bauernhof-Festival in Marl statt: der Klassiker der alternativen Festivals im Ruhrgebiet. Ging es früher über drei Tage, ist das Konzert nun nur noch auf einen Tag beschränkt. Und das mit gutem Grund. Früher in den 80ern und frühen 90ern verwandelte sich das Gelände am Notweg regelmäßig über mehrere Tage in einen angenehm rechtsfreien Raum, in dem Hippies und Punks, Psychos und OI-Skins miteinander feierten. Später dann kam immer mehr Gesocks, die Gewalt nahm zu und viele Punks kamen sogar aus Hamburg mit ihren Bauwagen - und wollten so schnell auch nicht wieder fahren. So zogen die Bewohner des Hofes vor Jahren die Notbremse und stellten das Festival ein. Die Neuauflage fand nun schon als wesentlich kleinere Veranstaltung zum zweiten Mal erfolgreich und friedlich in Marl statt.

Insgesamt ein sehr ereignisreiches Wochenende in Recklinghausen. Man kann nur hoffen, dass alle drei Festivals auch in den nächsten Jahren stattfinden werden – allerdings sollten sich die Verantwortlichen in Zukunft ein wenig Gedanken über eine terminliche Entzerrung machen!

(pk)

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