1. Tag der Trinkhallen

Trinkhallen und Büdchen gehören zu den kulturellen Besonderheiten des Ruhrgebiets und doch vergessen viele, wie wichtig sie noch immer für das Leben im Ruhrpott sind. Um diese Plätze der Tradition und Geschichte besonders zu würdigen wird, dieses Jahr das erste mal der Tag der Trinkhallen gefeiert.


Archiv: 19.08.2016 [ruhr-guide] Die Tageszeitung lesen, nach dem Feierabend mit Kollegen ein Bier trinken, Abends noch schnell was zum Knabbern besorgen oder für die Kinder eine gemischte Tüte Süßwaren mitbringen Tag der Trinkhallen, c_Simon_Albersmeier_006und dabei den neuesten Tratsch aus der Nachbarschaft bequatschen. Das geht im Büdchen an der Ecke doch am Besten. Dass die im Ruhrgebiet ansässigen Trinkhallen ein fester Bestandteil des Alltags geworden sind ist unbestreitbar – um diesen einzigartigen Ort des Zusammenkommens besonders zu würdigen, wurde das Jahr 2016 vom 1. Kioskclub zum Jahr der Trinkhallen ernannt.

Veranstaltungen rund um die Bude

Um dem ''Mythos Bude'' auf die Spur zu kommen wird neben Touren und Sonderausstellungen ein einmaliges und neues Veranstaltungskonzept angeboten: der 1. Tag der Trinkhallen! Am 20. August 2016 werden dazu Kioske, Büdchen und Trinkhallen in kleine Eventlocations für Musiker, Künstler, Tanz, Theater, Lesungen und vieles mehr umgewandelt. Und das Beste ist: der Eintritt ist für alle Besucher frei! Kioskbesitzer im ganzen Ruhrgebiet können dafür ihr Geschäft zu Verfügung stellen. Die Anmeldung ist online bis zum 19. August möglich. Unter den Anmeldungen, die bis zum 17. April eingehen, werden die 50 außergewöhnlichsten Buden als Veranstaltungsort für ein besonderes Kulturprogramm ausgesucht. Alle teilnehmenden Buden bekommen ein Erkennungszeichen, um sich als Veranstaltungsort kenntlich zu machen, werden auf der Veranstaltungswebsite mit Foto vertreten und können so neue Kunden anwerben. Auch die Anmeldung dafür ist kostenlos. Außerdem werden Sammelalben mit Tauschbildern für Kunden zur Verfügung gestellt. Kioskbesitzern sind natürlich in ihrer eigenen Inszenierung keine Grenzen gesetzt. Kostüme, Gesangseinlagen, Anekdoten und das Ausstellen von Sammelstücken sind erwünscht!

Ein Stück Geschichte

Trinkhallen spielen nicht ohne Grund eine wichtige Rolle in der Geschichte des Ruhrpotts. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sind sie nicht mehr wegzudenken. Damals sollte in den verzierten pavillonartigen Buden die Volksgesundheit durch den Verkauf von Mineralwasser angehoben werden, denn Leitungswasser war in den Industriestädten nicht trinkbar. Der 1.Tag der Trinkhallen, c_Simon_Albersmeier_003Seitdem hat sich das Angebot immer mehr gewandelt und ausgeweitet. Von Heilwässern, über Tee und Kaffee zu alltägliche Bedarfsgegenstände und schließlich auch Alkohol, wurde immer mehr verkauft. Ihren Höhepunkt hatten die Trinkhallen in den 60er Jahren. Zu dieser Zeit würde das Sortiment durch Luxusgüter wie Süßigkeiten und Zeitschriften ergänzt. Nach dem Rückzug der Schwerindustrie verloren sie jedoch etwas an Bedeutung, blieben aber bis zur Änderung der Ladenschlussgesetze 1996 die einzigen Geschäfte, die nach 18.30 Uhr noch geöffnet hatten. Doch eins hat sich nicht verändert: die Trinkhallen bleiben ungezwungene, persönliche Treffpunkte, in denen die ganze Nachbarschaft zusammenkommen kann, um sich auszutauschen.

Ein Tag im Büdchen

Obwohl die traditionellen Buden ab und zu den Besitzer wechseln, geben sie dem Umfeld ein Gefühl von Stabilität und Zusammenhalt. So hat jede der 8000 verbliebenen Buden ihre eigene Geschichte und ist für viele ein Ort schöner Kindheitserinnerungen. Gerade aus diesen Gründen ist es wichtig, lokale Trinkhallen zu unterstützen, denn trotz ihrer Popularität ist die Konkurrenz groß. Deswegen kommt eine Veranstaltung wie der 1. Tag der Trinkhallen gerade richtig. Da jede Halle mit ihren kontaktfreudigen Besitzern ihren eigenen Charme hat, bieten sie den perfekten Ort für das abwechslungsreiche Kulturprogramm. So ist bestimmt für jeden was dabei, um einen Tag im Büdchen zu verbringen.

1. Tag der Trinkhallen

20. August 2016
Eintritt: frei
Das ausführliche Programm und weitere Informationen, sowie das Anmeldungsformular finden Sie unter: www.tagdertrinkhallen.ruhr.

Fotos: Simon Albersmeier

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