Junggesellenabschied im Ruhrgebiet

Ein alter Hochzeitsbrauch wird auch im Pott immer beliebter. Vor der Hochzeit lassen Braut und Bräutigam noch einmal die Sau raus und feiern – schön getrennt voneinander – gemeinsam mit ihren Freunden die letzte große Party vor dem Eheleben. So will es der Brauch, und so tun es in Nordrhein-Westfalen wieder mehr und mehr junge Leute.


Ursprünglich kommt die Idee des Junggesellenabschieds zwar aus den Vereinigten Staaten und aus Großbritannien, wo schon seit langem sogenannte Stag Parties für die Männer und Hen Parties für die Frauen gefeiert werden. Doch seit einigen Jahren verbreitet sich das Ganze auch in Deutschland – quasi parallel zum althergebrachten Polterabend.

Ein letztes Mal die bösen Geister rufen

Will man der Tradition nach beim Junggesellenabschied im RuhrgebietPolterabend die bösen Geister vertreiben, so könnte man meinen, dass sie beim noch ein letztes Mal gerufen werden. Berühmt berüchtigt sind die Touren, bei denen es vor allem darum geht, viel Alkohol zu trinken und noch einmal gehörig auf den Putz zu hauen. Gerade in Köln sind von Frühjahr bis Herbst an praktisch jedem Wochenende JGA-Gruppen mit lustigen T-Shirts oder gleich ganzen Kostümen in der gesamten Innenstadt anzutreffen, und auch in vielen anderen Städten nimmt ihre Zahl sukzessive zu.

Dass der Junggesellenabschied dabei nicht immer den allerbesten Ruf hat, ist schade, liegt aber daran, dass der Brauch erst so langsam wirklich Fuß fasst im Ruhrgebiet. Ging es lange Zeit vornehmlich ums Besaufen und einen zünftigen Nachtclubbesuch, so hat sich das Niveau erst in der jüngeren Vergangenheit gehoben. Auch dank professioneller Veranstalter verzieht der JGA gerade einen Wandel hin zum organisierten Programm, das mehr einem Kurzurlaub gleicht und das auch mal ein paar hundert Euro kosten darf.

Bier-Bike-Tour trifft Wellness-Nachmittag

Gerade im Ruhrgebiet, dem am dichtesten besiedelten Junggesellenabschied in KölnLebensraum in ganz Deutschland, sind die Möglichkeiten für einen actionreichen, aufregenden und trotzdem relaxten Junggesellenabschied besonders gut. Das haben auch viele Freizeit-Veranstalter ebenso wie Gastronomen und Disco-Betreiber für sich erkannt und verschließen sich nicht mehr – wie noch vor einigen Jahren – vor der Spaß suchenden und vor allem zahlungskräftigen Zielgruppe. So lassen sich beim JGA in Köln zum Beispiel typische Junggesellenabschied-Angebote wie Paintball, Tour mit dem Bier-Bike oder eine Fahrt in einer Stretch-Limousine problemlos mit einem Wellness-Tag oder Rafting auf dem Rhein kombinieren. Und am Abend respektive in der Nacht schließt sich an die zünftige Kneipen-Tour mit Kölsch-Genuss dann selbstverständlich trotzdem noch der Besuch im Nachtclub oder – ganz ohne nackte Haut geht es nun einmal nicht – im Stripclub an.

Die längste Theke der Welt als Anziehungspunkt

In anderen Städten sieht das Ganze inzwischen schon ganz ähnlich aus. Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist dank des Medienhafens und seiner Restaurants, Bars und Clubs ein beliebtes Ziel für den JGA und weiß mit ihrer Einkaufsstraße „Kö“ auch die Junggesellinnen anzulocken. Und dann gibt es da ja auch noch die Bolkerstraße mitten in der Altstadt, der der Ruf der längsten Theke der Welt vorauseilt. Auf 300 Metern Länge reihen sich 50 Bars, Kneipen und Restaurants aneinander – ein wahres Paradies für jeden Junggesellenabschied.

Wasserski, Golf und das größte Fußballstadion des Landes

Doch selbst in kleineren Städten – so man sie wirklich so nennen darf – herrscht alles andere als Langeweile beim Junggesellenabschied. In Duisburg können nicht nur Männer Wasserski auf der Wedau fahren oder die Kneipen im Innenhafen besuchen, in Essen den Ausweg aus einem Escape Room finden und im Dortmunder Sportpark gleich aus mehreren verschiedenen Action-Aktivitäten von Paintball bis zur Golf-Party wählen. Deutschlands größtes Fußballstadion, jenes der Dortmunder Borussia, lohnt darüber hinaus einen Rundgang. Und am Abend beweist dann jede noch so kleine Ruhrstadt, dass die Region weiß, wie man eine Nacht zum Tag werden lässt. Allerbeste Voraussetzungen also für einen Junggesellenabschied im Ruhrgebiet.

Fotos: shutterstock

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