Tag des offenen Denkmals 2016

Über 470 geschichtliche Bauten und Denkmäler in Westfalen öffnen ihre Türen: Es ist wieder Tag des offenen Denkmals! Jedes Jahr im Spätsommer findet der Aktionstag auf bundesweiter Ebene statt und bietet den Besuchern hautnah "Geschichte zum Anfassen". Das Besondere: Es handelt sich oft um sonst nicht zugängliche Bauwerke. Das diesjährige Motto dreht sich rund um gemeinsames Engagement für den Denkmalschutz und will darauf aufmerksam machen, wie man sich als Bürger für den Erhalt historischer Bauten in seiner Region einsetzen kann. Den 11. September vormerken! Ausstellungen im Kulturhistorischen Museum Haus Kemnade!


Archiv: 05.09.2016 [ruhr-guide] Am zweiten Sonntag im September findet jedes Jahr der Tag des offenen DenkmalsPlakat des Tag des offenen Denkmals, Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn statt. Etwa vier Millionen Geschichts- und Architekturinteressierte nutzen den bundesweit stattfindenden Veranstaltungstag, um Gebäude und Denkmäler zu erkunden, die sonst nicht oder nur zum Teil für Publikumsverkehr geöffnet sind. Die rund 470 Denkmäler werden dabei von professionellen Denkmalpflegern präsentiert, die als Archäologen, Restauratoren oder Handwerker Einblicke in ihre Aufgaben und Tätigkeiten geben. Dabei wird das gemeinsame Ziel der Sensibilisierung der Öffentlichkeit für kulturelles Erbe, Geschichte und Denkmalpflege verfolgt.

Ausstellungen im Kulturhistorischen Museum Haus Kemnade

Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals finden die Premieren zweier Ausstellungen im Kulturhistorischen Museum Haus Kemnade statt: Die Augsburger Puppenkiste wird an diesem Tag im Museum zu Gast sein. Mit dabei sind bekannte Gesichter wie Jim Knopf, Urmel und die Bremer Stadtmusikanten. Für künstlerische Abwechslung sorgt der Kunstverein Bochum e.V. mit seiner Ausstellung "Gemischtes Doppel".

Entstehung des Tags des offenen Denkmals

Im Jahr 1984 hatte der damalige französische Kulturminister Jack Lang die Idee, die "Journées Portes ouvertes monuments historiques" ins Leben zu rufen. Die Aktion war ein voller Erfolg, weshalb sie sich der Europarat 1991 zum Vorbild nahm und die offiziellen „European Heritage Days“ begründete. An diesen beteiligen sich heute alle 50 Länder der europäischen Kulturkonvention. Deutschlands Beitrag ist seit 1993 der Tag des offenen Denkmals, der seitdem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert wird. Um das Gelingen zu sichern, ziehen viele Initiatoren gemeinsam an einem Strang, so z. B. Städte, Vereine, Bürgerinitiativen oder Privateigentümer von Denkmälern. Es wirken aber auch viele Großinitiatoren, wie beispielsweise die Kultusministerkonferenz und die Deutsche Bischofskonferenz, mit.

Seit 1999 gibt es ein vorgegebenes, bundesweites Thema am Tag des offenen Denkmals. Dieses ist aber keineswegs zwingend! So drehen sich zumeist rund die Hälfte der Denkmäler um das Motto. So können dieses Jahr historische Sehenswürdigkeiten erkundet werden, die ohne den Einsatz der Bürger vielleicht schon längst abgerissen worden wären.

Thema 2016: Gemeinsam Denkmale erhalten

2016 dreht sich alles um Initiativen, Vereine und Gruppen, die sich für den Denkmalschutz einsetzen. Am Tag des offenen Denkmals werden die Denkmäler teilweise extra für Besucher und nur den Tag des Denkmals hergerichtet. Viele werden das Jahr über sonst nicht genutzt, aber die Geschichten, die dieses Gebäude erzählen können, sind einzigartig und für die jüngeren Generationen völlig neu. Denn nicht nur für die Generationen, die diese „alte Welt“ miterlebt haben, ist es interessant, vergangene Zeiten aufleben zu lassen.

Das Thema des diesjährigen Tags des Denkmals 2016 ermuntert zur AuseinandersetzungTechnik ist das neue Thema, Foto: Robert Gerstl mit dem historischen Wert der deutschen Denkmäler. Am Tag des Denkmals soll nicht nur ein altes Gebäude besichtigt werden. Der Zusammenhang der Geschichte soll verdeutlicht werden, denn ganze Regionen wie auch unser schönes Ruhrgebiet ist von vielen Denkmälern, deren heutiges Bestehen wir dem Engagement unserer Mitmenschen zu verdanken haben, durchzogen. Denkmalensembles und Einzeldenkmale bilden unsere Vergangenheit, die durch den Einsatz vieler Bürger immer noch lebendig und greifbar ist. Die geschichtliche Bedeutung vieler Denkmäler wie der Zeche Zollverein wird durch die Ernennung zum UNESCO-Welterbe deutlich gemacht. Anhand von historischen Kulturbauten können wir die Entwicklung verschiedener Aspekte wie Bauweisen, Kunstverständnis, aber auch Kulturbewusstsein des jeweiligen Landes verfolgen.

Unser kulturelles und wirtschaftliches Wissen wurde über die Jahre weiter gegeben, was sich in unserem kulturellen Erbe auch spiegelt. Die große soziale Entwicklung ist auch ein Grund für die heutige Vielzahl an Gewerben und Berufen. Der schnelle Wandel durch die Industrialisierung prägte Landstriche und Lebensbedingungen. Doch wenn historische Bauten abgerissen werden, um modernen Gebäuden Platz zu machen, geht dann nicht auch ein Teil unserer Geschichte verloren? Auf diese Gefahr will der Tag des offenen Denkmals dieses Jahr aufmerksam machen und lädt nicht nur zum Sightseeing der besonderen Art, sondern auch zur Beschäftigung mit dem Erhalt historischer Bauten ein.

Denkmal des Tages

Auf der Webseite des Tages des offenen Denkmals wird täglich ein besonderes Denkmal vorgestellt. Unter anderem werden die Geschichte des Denkmals, Adresse, Öffnungszeiten und, falls vorhanden, Führungszeiten angegeben. Dadurch kann man sich bei Interesse optimal auf den 11. September einstimmen.

Auch das Ruhrgebiet hat viel zum Tag des offenen Denkmals 2016 beizusteuern. Interessiert man sich für alte SakralbautenDas Handwerk ist eine Kunst für sich. Foto: ML Preiss, ist z. B. die Christuskirche in Bochum Langendreer zu empfehlen. Die bis auf das Jahr 800 zurückgehende Kirche wurde 1944 zerstört, wiederaufgebaut und beherbergt das älteste mittelalterliche Uhrwerk und Geläut in Nordrhein-Westfalen. Wer sich für alte Eisenwerke begeistern kann, der ist z. B. im ehemaligen Hochofenwerk Phoenix-West in Dortmund gut aufgehoben. Das Eisenwerk, das als „schnellstes Eisenwerk Europas“ galt, kann nur am Tag des Denkmals besichtigt und erforscht werden. Sie können sich eher für historische Architektur begeistern? Dann sind Sie auf dem alten Hafenamt in Dortmund genau richtig. Im 1898/99 erbauten Hafenamt im Stil der niederländischen Renaissance ist das Thema Industrie und Technik allgegenwärtig. Wenn man sich aber eher im Freien zu Hause fühlt, ist man mit einer Führung durch den Botanischen Garten Rombergpark gut beraten. Hier findet sich sehr altes „lebendiges“ Holz aus der Entstehungszeit des Parks, wie z. B. eine Platane aus dem Jahr 1822.

Wie finde ich die Denkmäler?

Bei der so großen Anzahl von 470 offenen Denkmälern in Denkmal-Appganz Deutschland kann man schon mal schnell den Überblick verlieren. Damit man die Bauten und Angebote ausfindig machen kann, für die man sich am meisten interessiert, bietet die Website www.tag-des-offenen-denkmals.de die Möglichkeit, sich über das Angebot in einem bestimmten Gebiet zu informieren, z. B. im eigenen Bundesland oder in einer bestimmten Stadt. Anhand einer Übersichtskarte kann man sich einen Merkzettel erstellen und ausdrucken. Wer ein Smartphone besitzt, kann sich aber auch auf der Seite eine kostenlose „Denkmal-App“ herunterladen. So kann man spontan nach interessanten Denkmälern in der Umgebung schauen.

Der Tag des offenen Denkmals ist – wie der Name verrät – nur ein einziger Tag. Ein Tag, an dem es exklusiv Dinge zu sehen gibt, die sonst nicht zugänglich sind. Hier kann man viel lernen und sich mit auf eine Zeitreise nehmen lassen – das sollte man auf keinen Fall verpassen!

Tag des offenen Denkmals 2016

11. September 2016
bundesweit

Fotos:
Plakat und Bild 4: © Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Foto 2: Robert Gerstl
Foto 3: ML Preiss

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