Traumzeit Festival 2013 - Nachbericht

Soeben ist das diesjährige Traumzeit Festival im Landschaftspark Duisburg-Nord zum wiederholten Male reibungslos und schön wie immer über die Bühnen gegangen. Auf insgesamt vier Bühnen zeigten 40 Künstler, was man mit Musik alles machen kann. Von extravagant-abgedreht bis hin zu romantisch-verklärt war alles mit dabei.


[ruhr-guide] Das Traumzeit Festival bietet seit 1997 Musik fürAlex Clare verschiedene Sinne – Augen und Ohren. Nachdem es 2012 leider ausfallen musste, pulsierten 2013 Rhythmus und Klänge der Veranstaltung wieder durch das gesamte Gelände des Landschaftsparks Duisburg Nord. In Verbindung mit der Kulisse aus Stahlkonstruktionen, Kesseln und Schornsteinen, die nachts durch die spektakuläre Lichtinszenierung des englischen Künstlers Jonathan Park in Szene gesetzt wurde, ergab sich eine einmalige Atmosphäre. Dafür wurde die gesamte Bandbreite des Industriedenkmals genutzt: Kraftzentrale, Gießhalle, Gebläsehalle, Pumpenhalle und Gasometerbühne. Die zentralen Paradigmen des Festivals sind Wandel und Grenzüberschreitung.

Traumzeit Festival: Anything goes

Ein festgelegtes Genre gibt es beim Traumzeit Festival im Landschaftspark Duisburg Nord nicht.Gerade der Mix und das Miteinander verschiedener Künstler und Musikrichtungen machen das Festival am Hochofen aus. Ob ambitionierter Pop, Werke von Singer/Songwritern, Indie-Rock oder Elektronik – alles geht, nichts muss. Die Idee, die dahinter steht ist die Offenheit der Kunst. Ebenso wichtig ist die Leidenschaft für die Musik. Kein Schubladendenken, sondern Mut zum experimentieren. Hier sollen neue Fusionen verschiedener Musikrichtungen eingegangen und Neugier auf das Andere geweckt werden.

Vielseitiges Line Up: 3 Tage, 4 Spielorte, 40 Bands

Insgesamt traten an den drei Tagen des Festivals 40 Bands anSebastian Lind vier Spielorten auf. Von Pop, über Indie-Rock, Neo-Folk und Electro bis hin zu Jazz wird eine große Bandbreite an Musik zu hören sein. Alex Clare, Editors, Thees Uhlmann, Get Well Soon und viele mehr – hier war für jeden Musikliebhaber etwas dabei.

Highlights waren natürlich die drei Hauptacts 2013: Editors, Cat Power und Alex Clare. Zugegeben leider nicht ganz so faszinierend und traumhaft wie in den letzten Jahren, aber wohl wirtschaftlich besser gelungen sind eben jene Konzerte, der diesjährigen Headliner. Keine Frage, die Großen lieferten genau das ab, was man von ihnen erwartete: großes! Mit viel Nebel, starken Synthesizern und ordentlich Bass – und einer wahrhaft einzigartigen Stimme gaben die Editors am Freitag schon mal einen guten Start vor. Die Kraftzentrale war fast ausverkauft, so dass eine wirklich spannend erwartungsfreudige Stimmung in der Luft lag.

Editors, Cat Power und Alex Clare

Sonntag verwandelte Alex Clare die Kraftzentrale in ein wahres Lauschvergnügen. Smart und charmant, wie Briten eben nun mal so sind, genoss er seinen Auftritt wohl fast genauso wie seine Zuhörer. Dennoch ging in der Kraftzentrale die zauberhafte Nah-Dran-AtmosphäreEditors auf dem Traumzeit Festival der letzten Jahre etwas fliegen. Wo 2011 noch Künstler wie Caribou ohne Podest in mitten aller Zuschauer spielten oder Helge Schneider wild über eine kleine Bühne und zwei Klaviere sprang, fühlte man sich nun doch wirklich auf einem Konzert – nur eben mit schöner Industriekulisse. Auch eine tolle Atmosphäre – keine Frage, aber leider doch wie ein unabhängiger Auftritt ebenjener Künstler.

Ex-Tomte-Sänger Thees Uhlmann schaffte es die Gießhalle nicht wie ein einzelnes Konzert wirken zu lassen, sondern erzählte frei über seine eigenen Erfahrungen mit diesem Festival und dem Ruhrpott an sich. Gerne käme er immer wieder hier her, da die Menschen im Pott einfach großartig herzlich seien. So war es auch kein Wunder, dass er trotz niedriger Temperaturen Wärme in die Gießhalle brachte. Die Besucher ließen sich zum Tanzen, Klatschen und Singen ohne Hemmungen anstecken.

Traumzeit Festival mit Ausnahmekünstlern

Lukas Graham oder Sebastian Lind The Kytemen Orchestradagegen überzeugten auf kleinerer Bühne in der Gieß- und Gebläsehalle auch ohne große Lichtshow durch viel Talent und Charme. Zwei Ausnahmekünstler, die man im Hinterkopf behalten sollte. Zum Schmusen und Träumen war dann auch Robert Sexsmith dabei, der völlig allein, aber keinesfalls verloren auf der Bühne stand und seine Lieder eins nach dem anderen in den Raum klingen ließ – wunderschön. Bloß mit einer Gitarre bewaffnet und einem Comic seinerselbst auf die Wand projeziert, hatte man hier zwar nicht viel Action, aber konnte sich die traumhafte Kulisse der Gebläsehalle einmal in Ruhe anschauen. Man sank immer mehr in seinen Sitz und verlor sich leicht in seinen Gedanken.

Zu guter Letzt musste man, aber doch noch einmal aufwachen, um sich den Abschluss des Traumzeit Festivals, den die Shout Out Louds bestritten, nicht entgehen zu lassen. Eine Band, die wirklich besser hätte nicht passen können. Mit bunten Lichtern in Szene gesetzt, einem charmismatisch-schüchternen Frontmann und einen leicht lockeren Sound entließen sie ihre Zuhörer in die Nacht.

Schräg und schön wie immer

Doch das Traumzeit wäre nicht das Traumzeit, wenn nicht auch hier wieder eine Show der Extravaganz geboten worden wäre. So waren The Kytemen Orchestra die wohl musikalisch schrillste und optisch abgefahrenste Band der letzten drei Tage. Man wusste nicht recht, ob das, was sie taten wirklich so durchgeplant war, oder eben doch. In Plastikoutfits und mit viel Blasmusik rockten sie noch am letzten Tag die kleine Bühne vorm Gasometer. Rundum: wieder ein recht gelungenes Festival – bunt, schräg, träumerisch. Schön, dass es wieder da ist! Auf bald in 2014!

Fotocredit: Anna-Lisa Konrad

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