Tüshaus-Mühle in Dorsten-Deuten

Bei einer Führung durch das Kulturdenkmal Tüshaus-Mühle erfahren Sie viel Wissenswertes über diverse Mühlen-Funktionen. Denn hinter den Mauern des alten Gebäudes befindet sich weit mehr als nur eine einfache Walkmühle mit einem Mühlrad an der Hauswand. Johannes Böing, der selbst Müller aus Leidenschaft war und die Tüshaus-Mühle betrieb, liebt es, seinen Gästen die Geschichte der Mühle zu erzählen und die verschiedenen Maschinen vorzuführen. Auch für Kinder ist die Führung und das Verstehen der verschiedenen Mahlgänge spannend.


[ruhr-guide] Die Tüshaus-Mühle in Dorsten-Deuten liegt direkt an der Weseler Straße (B58). Naja, direkt ist, unter dem Gesichtspunkt, Wassermühle an dem Tüshaus-Mühle in Dorsten-Deutendass man sie von der Straße aus kaum erkennt, vielleicht ein wenig übertrieben. Doch findet man den kleinen Wegweiser mit der Aufschrift "Tüshaus-Mühle", so liegt nur noch ein Fußweg von einer halben Minute vor dem Museumsbesucher! Schon von außen ist die im Jahre 1615 erbaute Mühle sehr ansehnlich. Der Fußweg zum Eingang führt über eine kleine Brücke. Unter ihr befindet sich der Hammbach, der über einen kleinen Wasserfall in den Mühlenteich fließt. An dieser Hauswand ist sinnvoller Weise auch das Mühlrad zu sehen. Schräg gegenüber des Mühlenbetriebs steht das ca. 200 Jahre alte Backhaus, in dem zu seltenen Anlässen auch noch Brot gebacken wird.

Geschichte der Tüshaus-Mühle

Hier am Rande des Naherholungsgebiets Üfter Mark kann man bei einer Führung durch die Tüshaus Mühle den wirtschaftlichen Wandel der vergangenen 300 Jahre nachvollziehen. Wo anders im Ruhrgebiet ist das kaum möglich, denn wo gibt es schon einen Betrieb in einem ca. 390 Jahre alten Gebäude? Die vielen Mühl-Maschinen haben folglicherweise auch schon ihre Jahre auf dem Buckel.
Im Jahr 1615 begann die lange Geschichte der Tüshaus-Mühle: Auf alten Fundamenten wurde zunächst eine Walkmühle errichtet. Die Tüshaus Mühle in Dorsten-DeutenDamals gehörte das Gebäude den Herren von Lembeck, die die Mühle an den Unternehmer "Tuschhaus" verpachteten. Das Hammerwerk der Mühle diente zu diesen Zeiten dazu, Schafwolle zu walken um sie dann in Form von Filzstoff an Kunden in Wesel, Recklinghausen, Münster oder Dülmen weiterzuverkaufen. Die Wolle gewannen die Müller Kleine Pecklen und Lüer von Schafen, die auf der umliegenden Heidelandschaft gehalten wurden. Bis zum Jahr 1880 waren die Betreiber der Tüshaus-Mühle somit im Textilgewerbe tätig. Doch nach der Umwandlung der Schafwiesen in Ackerland und Weiden ging es mit der Filzstoff-Produktion zu Ende.

Nachdem Müller Heinrich Tüshaus die Mühle pachtete, erweiterte er im Jahr 1752 die Technik um ein weiteres Mühlrad. Somit war es der Müllerfamilie möglich, sich auf die Produktion von Öl zu spezialisieren. Das besondere Mahlwerk für Ölsaaten verarbeitete fortan Raps- und Leinsamen, die von den Feldern der Umgegend gewonnen werden konnten. Auch Getreide konnte gemahlen werden, nachdem Heinrich Tüshaus 1890 im Dachgeschoss zwei weitere Mahlgänge einbaute.
Auch als im Jahr 1900 die elektrische Energie immer wichtiger wurde, ließ sich die Tüshaus-Mühle nicht unterkriegen. Mit einem Generator, der eine Leistung von 22 kVA erbrachte, wurde die Mühle modernisiert. Der Strom wurde für die Beleuchtung der Mühle und aber auch für die Versorgung des damaligen Gutshofs und der Brennerei genutzt.

Die Tüshaus-Mühle heute

Seit 1970 wird die Mühle nur noch beim sogenannten Mühlenfest in Betrieb genommen. Dieses findet ein Mal in zwei Jahren statt und Haupteingang der Tüshaus-Mühle in Dorsten-Deutenversetzt alle Besucher in vergangene Zeiten, in denen das gemahlene Getreide noch für das Brotbacken im Backhaus nebenan genutzt wurde. Doch die Tüshaus-Mühle begrüßt öfter als alle zwei Jahre ihre Gäste. Von Ende April bis Anfang Oktober führt der ehemalige Müller Johannes Böing alle interessierten jeweils am ersten und letzten Wochenende im Monat durch seine Mühle. Samstags von 11 – 17 Uhr und sonntags von 14 - 17 Uhr erklärt er Ihnen, wie die Mühle funktioniert. Um eine telefonische Anmeldung wird gebeten.
Einen besseren Museumsführer kann man sich wahrlich nicht vorstellen, denn Johannes Böing ist im Müllerhaus nebenan geboren und hat schon als Kind seinem Vater bei der Arbeit als Müller zusehen dürfen. Später arbeitete er dann selber fast 10 Jahre in der Mühle. Sie können also sicher sein, dass er Ihnen alle möglichen Fragen rund um die Tüshaus-Mühle beantworten kann.

Tüshaus-Mühle in Dorsten-Deuten

Weseler Straße 433 (B 58)
46286 Dorsten-Deuten
Tel.: 02362 / 631 44

Öffnungszeiten:
Von Ende April bis Anfang Oktober; jeweils am ersten und letzten Wochenende im Monat: Samstag von 11-17 Uhr und Sonntag von 14-17 Uhr.
Der Eintritt ist frei!


(jk)

Fotos: Iris Klahn

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