Das Ruhrgebiet – Vom Industriestandort zum Kulturstandort

Ruhrgebiet? Ist das nicht dieser dreckige Kohlenpott? Nein! Das ist dieses Ballungsgebiet in Nordrhein-Westfalen, das unheimlich viel zu bieten hat: Kunst und Kultur, Bildung und Forschung, einen ausgeprägten Dienstleistungssektor und richtig genialen Fußball! Und vor allem auch: viel Natur! Glauben Sie nicht? Dann besuchen Sie das Ruhrgebiet!


[ruhr-guide] 150 Jahre Montanindustrie Viel Natur im Ruhrgebiet: die Steverauenhaben ihre Spuren hinterlassen; in der Landschaft, in der Wirtschaft und in den Köpfen der Menschen. Doch das Ruhrgebiet hat sich durch einen Strukturwandel verändert und zeigt stolz dieses neue Image, zum Beispiel durch Projekte wie RUHR.2010.

Wirtschaft

Haben die Menschen im Ruhrgebiet 150 Jahre hauptsächlich von der Montanindustrie gelebt, so ist dies ab den 1960er Jahren nicht mehr möglich. Die Zechen werden nach und nach geschlossen und die Arbeitsstellen fallen weg. Doch das Revier hat durch einen Strukturwandel seinen Fokus auf neue wirtschaftliche Möglichkeiten lenken können. Mit 229.000 Beschäftigten in 127 Kliniken und 9000 Arztpraxen hat das Ruhrgebiet mittlerweile eine besonders dichte medizinische Versorgung. Doch nicht nur quantitaiv ist das Revier auf diesem Gebiet gut versorgt. Dank stetiger Forschung ist die Medizin hier auf dem höchsten Niveau und kann sich in ihrer Qualität mit internationalem Standard messen.

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Logistikbranche, deren Logistikvolumen mit 8,3% das stärkste im Land aufweist und sogar den europäischen Durchschnitt übertrifft. Dank der zentralen Lage und seiner guten Infrastruktur schätzen Logistiker das Ruhrgebiet. Ob per Schiene, Straße oder Wasser, innerhalb von drei Stunden lassen sich 60 Mio. Konsumenten erreichen. Da wundert es nicht, dass hier ca. 3000 Logistikunternehmen und -einrichtungen mit 160.000 Angestellten angesiedelt sind.

Energie ist stets ein wichtiges Thema im Revier gewesen. Auch nach dem Ende der Steinkohle ist das Ruhrgebiet in Bezug auf Energieversorgung und Energietechnik führend in Deutschland. Mit RWE und E.ON Ruhrgas haben hier weltweit agierende Unternehmen ihren Standort. Auch der Bereich der erneuerbaren Energien hat Einzug ins Ruhrgebiet gehalten. So beteiligen sich mittlerweile Unternehmen aus dem Revier international an Forschung, Entwicklung und Produktion erneuerbarer Energien. Besonders die Forschung erhält einen immer höheren Wert. An mehreren Universitäten und Fachhochschulen – wie u. a. der TU Dortmund und verschiedenen Standorten der Fachhochschule Ruhr-West – wird in diversen Energiesektoren Grundlagenforschung und angewandte Forschung auf hohem Niveau betrieben. Wichtig dabei ist die Kooperation mit Industrieunternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Zudem treffen sich hier regelmäßig auf internationalen Fachmessen renommierte Experten. So findet seit 2001 mit der E-world energy & water die wichtigste integrierte europäische Energiemesse in Essen statt.

Bildungsstandort Ruhrgebiet

Mit der Ruhr-Universität Bochum Ruhr-Uni Bochum, der botanische Gartenwird 1962 die erste Universität des Ruhrgebietes gegründet. Die Universität Dortmund folgt 1968, und im Jahr 1972 die Gesamthochschulen Duisburg und Essen. In den folgenden 50 Jahren baut sich eine dichte, junge Bildungslandschaft im Revier auf. Hierzu gehören u. a. die Privatuniversität Witten/Herdecke und die Folkwang-Hochschule für Tanz, Musik und Theater. Im Jahr 1974 wird die Fernuniversität Hagen gegründet; sie ist bis heute die einzige staatliche Fernuniversität Deutschlands und mit 70.000 Studierenden auch die größte Universität. Ebenfalls hier steht die erste Hochschule für Gesundheit – bundesweit. Das Ruhrgebiet hat sich somit zu einem leistungsfähigen Bildungs- und Forschungsstandpunkt entwickelt und hat heute mit ca. 600 Studiengängen an fünf Universitäten, 15 Fachhochschulen und einer Kunsthochschule die dichteste Hochschullandschaft Europas.

Vom Industriestandort zum Kulturstandort ...

Die Montanindustrie ist nicht nur historisch fest mit dem Ruhrgebiet verbunden. Tetraeder BottropAn vielen Stellen finden sich auch heute noch Zeugen dieser bedeutenden Ära. Um besondere Gebäude zu erhalten, werden sie geschützt und neu genutzt. So beherbergen einige von ihnen heute Museen oder Büros. Auch verlassene, brachliegende Industrieflächen werden im Ruhrgebiet neu genutzt, zum Beispiel um neuen Wohnraum zu schaffen oder große Einkaufszentren zu errichten.

Als letzte Zeche Essens schließt 1986 die Zeche Zollverein ihre Tore. Bei ihrer Inbetriebnahme 1932 gilt sie als die modernste Schachtanlage Europas. Im Jahr 2001 erklärt die UNESCO sie zum Weltkulturerbe, wodurch sie heute zu den wichtigsten Kulturdenkmälern des Ruhrgebiets zählt. Derzeit beherbergt die Zeche Zollverein Ausstellungen, Museen, Ateliers und die Schule für Management und Design und ist ein absoluter Publikumsmagnet.

Haufenweise werden während des Steinkohleabbaus im Ruhrgebiet Bergehalden aufgeschüttet. Diese ragen heute noch hoch in die Landschaft, deren Bild sie weitläufig verändert haben. So auch die Halde Beckstraße, die zwischen 1969 und 1993 als Bergehalde der ehemaligen Zeche Prosper aufgeschüttet worden ist. Seit 1995 thront auf ihrem Gipfel das „Haldenereignis Emscherblick“. Der von Wolfgang Christ entworfene, begehbare Tetraeder ist eine Landmarke der IBA Emscherpark. Die filigrane Konstruktion beinhaltet ein mathematisches Spiel, indem es die Grundform des Berges widerspiegelt und zur Pyramide erhöht. Wie die Halde ist das Tetraeder aus mehreren Ebenen – hier einzelnen Tetraedern – aufgeschichtet. Auf der 60 m hohen Halde bietet die 50 m aufragende Konstruktion aus Stahlrohren von seinen drei in unterschiedlicher Höhe platzierten Aussichtsplattformen einen herrlichen Blick über das Ruhrgebiet, der u. a. bis zum Gasometer Oberhausen reicht. Nachts wird das Tetraeder durch die Installation Fraktal von LIT Fischer eindrucksvoll erleuchtet.

Auf der Route der Industriekultur durch das Revier

Viele der Industriedenkmäler sind heute durch die Route der Industriekultur verbunden. Diese bildet ein Netz aus 400 km Straße, entlang Muttental bei Wittender bedeutendsten Kulturstätten des Ruhrgebiets. Hierzu gehören 25 Ankerpunkte, die Highlights, wie zum Beispiel die Jahrhunderthalle in Bochum, der Maximilianpark in Hamm und die Zeche Nachtigall im Muttental in Witten. Hinzu kommen 16 Panoramen, darunter mehrere ehemalige Bergehalden wie die Halde Rheinpreußen und die Halde Rheinelbe, sowie die 13 schönsten Siedlungen, u. a. die Margarethenhöhe in Essen.
Eine weitere Route, die entlang der Industriekultur des Ruhrgebiets aber auch durch die reiche Natur führt, ist der RuhrtalRadweg. Dieser verläuft 230 km von Winterberg nach Duisburg an der Ruhr entlang, wobei er viele Städte mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten passiert.

Neben Kohle und Stahl spielen gerade in Dortmund schon früh Kunst und Kultur eine besondere Rolle; die Kunst des Brauens und die Bier-Kultur. Doch auch die Bierindustrie leidet unter den Schließungen der Zechen und den damit verbundenen Entlassungen in den 1980er Jahren, denn die Menschen im Ruhrgebiet trinken daraufhin weniger Bier. So gibt es im Jahr 2000 nur noch zwei Brauereien – zur Hochzeit 1840 gibt es in der Stadt 74 Brauereibetriebe, nach der Umstellung auf das beliebte helle untergärige Bier, das durch die Verwendung moderner Kühlanlagen teurer in der Herstellung ist, 1895 immerhin noch 28. Als die Brinkhoff's Brauerei 2005 ihre Pforten schließt, bleibt als letzte ihrer Art in Dortmund nur die Actien Brauerei.
Zwischenzeitlich ist die „Dortmunder Union“ die umsatzstärkste Brauerei der Stadt. Deren Gär- und Lagerhochhaus, in den Jahren 1926 bis 1927 erbaut, beherbergt derzeit wieder eine klassischere Form von Kunst und Kultur. Heute erinnert nur noch das 1968 montierte neun Meter hohe Dortmunder "U" auf dem Dach an die Brauerei-Vergangenheit. Unter dem Logo, nach dem das Gebäude mittlerweile umgangssprachlich benannt ist, finden sich heute das Museum Ostwall und verschiedene wechselnde Kunstausstellungen, verteilt auf sechs Etagen.

Mittlerweile beherbergt das Revier ca. 200 Museen, die in ihren Schwerpunkten so vielseitig sind wie der Pott selbst. Von Kunst über Volks-, Heimat- und Naturkunde, Historischen und Technischen Museen bis hin zu Schlossmuseen ist alles dabei. Ergänzt wird die Auswahl durch zahlreiche Kunst- und Ausstellungshallen.

Neben Museen, Theatern und Opern beleben Festivals – wie die Ruhrtriennale, die Ruhrfestspiele Recklinghausen und das Klavierfestival Ruhr– und nicht zuletzt das erfolgreichste Musical des Ruhrgebiets, Starlight Express in Bochum, die Kultur im Revier auf vielfältige Weise.

Kulturhauptstadt RUHR.2010

Mittlerweile haben Kunst und Kultur im Ruhrgebiet einen so hohen Stellenwert, dass Essen, stellvertretend für die 53 Städte des gesamten Reviers im Jahr 2010 den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ verliehen bekommen hat. Damit ist erstmals eine ganze Region als Zusammenschluss berücksichtigt worden. Präsentiert wird dieses Projekt unter dem Namen RUHR.2010. Über das gesamte Jahr verteilt zeigten die Städte nacheinander und gemeinsam verschiedene Projekte. Von Industriekultur, über Theater und Musik bis hin zur Lichtkunst waren die kulturellen Aktionen von RUHR.2010 äußerst vielseitig. Ein besonderes Highlight ist das Still-Leben Ruhrschnellweg, für den die A40 am 28. Juli 2010 einen gesamten Tag autofrei geblieben ist. An deren Stelle flanierten Fußgänger und huschten Radfahrer über die zentrale Autobahn durchs Ruhrgebiet. Zudem haben sich Vereine, Gruppen und Institutionen an ca. 20.000 Tischen auf einer Strecke von 60 km präsentiert, ausgetauscht und entspannt. Wobei man spitz hätten meinen können, dass es ja nichts Neues sei, wenn man mit dem Auto auf der A40 nicht voran kommt.

Auch nach RUHR.2010 bleiben viele Projekte bestehen. So zum Beispiel das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ (JeKi), dass Grundschulkinder musikalisch fördert, um jedem Kind im Ruhrgebiet die Chance zu geben, ein Musikinstrument zu erlernen. Denn Musik wohnt ein außergewöhnlicher Zauber inne, der die Menschen unterschiedlicher Herkunft verbindet.
Schließlich hat das Projekt RUHR.2010 entscheidend zum endgültigen Imagewandel des Ruhrgebiets, der durch den Strukturwandel angefangen hat, beigetragen.

Das Ruhrgebiet als Einkaufsparadies

Als 1964 der Ruhr-Park in Bochum als erstes Einkaufszentrum des Ruhrgebiets eröffnet hat, war das ein Meilenstein. CentrO OberhausenMit dem CentrO Oberhausen, dem Forum in Duisburg, dem Rhein-Ruhr-Zentrum in Mülheim an der Ruhr, dem Limbecker Platz in Essen, dem Ruhrpark in Bochum und der Thier Galerie in Dortmund bietet das Ruhrgebiet heute mit sechs großen Shopping-Centern eine riesige Auswahl an aktueller Mode, Schuhen, Accessoires, Büchern, neuesten Elektroartikeln – das Herz schlägt schneller, die Kreditkarte glüht ... Hier werden die geheimen Träume jedes Shopaholics wahr.

Einige der bis zu 70.000 m² großen Einkaufsparadiese mit ihren bis zu 200 Geschäften stehen auf ehemaligem Industriegelände. So befindet sich die Thier-Galerie in Dortmund, die 2011 mit 160 Shops eröffnet hat, auf dem Gelände der früheren Thier-Brauerei und das CentrO auf dem ehemaligen Gelände der Gutehoffnungshütte von Thyssen. Seit 1996 werden im größten Einkaufszentrum Europas in der „Neuen Mitte Oberhausen“ Hoffnungen auf Schnäppchen und modische Must-Haves geschürt. Zusammen mit einem Freizeit- und Vergnügungspark, einer 400 m langen von Cafés gesäumten Promenade, einem Kino, dem Sea Life Oberhausen, einer Marina und der König-Pilsener-Arena in Oberhausen bietet das ehemalige Industriegelände diverse Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und zahlreiche neue Arbeitsplätze. Dieses Projekt gehört zu den größten Stadterneuerungsprojekten auf ehemaligem Industriegelände. Mit seinen 117,5 m ist der ursprüngliche Gasspeicher heute die höchste Ausstellungshalle Europas und zieht jährlich 100.000e Besucher in den Bann seiner ungewöhnlichen Ausstellungen.

Wohnraum in der Metropole Ruhr

Im Ruhrgebiet werden zwei weitere große Stadterneuerungsprojekte auf alten Industriestandorten errichtet. So entsteht mit dem Krupp-Gürtel in Essen und dem Phoenix-See in Dortmund auch neuer Wohnraum.

Der Krupp-GürtelDer Phoenix-See in Dortmund in Essen kann als eines der größten Projekte dieser Art in der Region bezeichnet werden. Dieser wird auf dem ca. 230 Hektar großen Areal des ehemaligen Krupp Gussstahlwerks zwischen der Innenstadt und dem westlich davon liegenden Stadtteil Essen-Altendorf geschaffen. Nach der Zerstörung des Werkes im zweiten Weltkrieg werden die Reste demontiert und das Gelände liegt bis 2007 brach. Nun entsteht hier ein neues Gewerbe- und Wohngebiet, in dessen Zentrum das Hauptquartier der ThyssenKrupp AG, das seit 2010 hier angesiedelt ist, steht. Zur Erholung zieht sich westlich des 3 km langen Berthold-Beitz-Boulevards, der sich quer durch den Krupp-Gürtel schlängelt, der 23 Hektar große Krupp-Park.

Im Dortmunder Stadtteil Hörde entsteht auf 96 Hektar des ehemaligen Geländes der Heinrichshütte der 2010 künstlich angelegte Phoenix-See. Hier endet im Jahr 2001 die 160-jährige Geschichte des Hochofen- und Stahlwerkgeländes von Thyssen Krupp. Entsteht im Norden des Sees an einem Hang neuer Wohnraum mit Seeblick, so ist der neu geschaffene Naturraum um den See der Freizeit gewidmet. Hier können sportlich Aktive joggen, Rad fahren und segeln. Der dunkle Ruß vergangener Zeiten hat sich verzogen und auf grünen Wiesen kann der gestresste Großstadtmensch entspannen und durchatmen.

Das Ruhrgebiet wieder zurück zur Natur

Noch im 18. Jahrhundert ist das Gebiet rund um die Ruhr ländlich geprägt. Idyllisch und ruhig liegen die Dörfer und kleinen Städte im Tal der Ruhr. Erst durch die Industrialisierung und der damit zusammenhängenden explosionsartigen Bevölkerungszuwanderung und dem massiven Siedlungsbau entwickelt sich das Ruhrgebiet zum größten Ballungsraum Europas. Doch ebenso wie die Bildung und die Kultur wird auch die Landschaftspflege in Zeiten der Montanindustrie vernachlässigt. Erst in den Jahren nach der Krise wird – u. a. durch die IBA Emscher Park – wieder vermehrt darauf Wert gelegt, Naturräume im Revier zu schaffen und zu schützen.

Landschaftsparks als Oasen der Naherholung

So entwickelt sich im Norden Duisburgs zwischen 1990 und 1999 auf ca. 180 ha Fläche der Landschaftspark Duisburg Nord auf ehemaligem Industriegelände. Von 1901 bis 1985 hat Thyssen hier das Hüttenwerk in Meiderich zur Produktion von Roheisen genutzt. Nach dessen Ende setzen sich die Bürger der Stadt dafür ein, dass das Werk stehen bleibt. Rund um das Gebäude werden heute Industriekultur und Natur miteinander verbunden. Dabei werden die Gebäude des alten Hüttenwerks neu genutzt; Abtauchen im Gasometer und Klettern im Erzlagerbunker lockt die besonders aktiven Ruhris. Wohingegen der Hochofen mittlerweile als Aussichtsturm einen spektakulären Blick über das Revier bietet.

Ein weiteres Projekt dieser Art –Sechs-Seen-Platte in Duisburg jedoch eine Nummer größer – ist der Emscher Landschaftspark, der bis 2020 ein zusammenhängendes Parksystem ergeben soll. In Folge der Montanindustrie haben starke Besiedlung und Zerstückelung die Natur rund um die Region der Emscher verändert und zerstört. Der Fluss selbst dient zwischenzeitlich als Abwasserkloake. Auf einer ca. 300 km² großen Fläche sollen nun Natur und Landschaft wieder hergestellt und geschützt werden. In dem Projekt, das 2009 mit dem Nationalen Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur vom Bundesverkehrsministerium ausgezeichnet wird, sollen unterschiedliche, zum Teil bereits bestehende Projekte miteinander verbunden werden. So sollen sieben „Regionale Grünzüge“ im nördlichen Ruhrgebiet, die in den 1920er Jahren als in Nord-Süd-Richtung verlaufende Grünflächen zur Erholung entwickelt worden sind , bei diesem Projekt ausgebaut und durch einen neugeschaffenen Ost-West-Grünzug miteinander vernetzen werden. Im Zuge dieses Projekts wird die Emscher schließlich wieder komplett renaturiert.

Auch wenn es außerhalb des Ruhrgebiets kaum bekannt ist, verfügt das Revier über zahlreiche, teils riesige Waldflächen. So ist beispielsweise die Sechs-Seen-Platte in Duisburg das größte Naherholungsgebiet im Raum Duisburg. Auf einer Fläche von 283 Hektar erstrecken sich bewaldete Inseln und Halbinseln zwischen sechs Seen, die insgesamt 150 Hektar Wasser fassen. An das nördliche Ruhrgebiet grenzend erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 1040 km² mit dem Naturpark Hohe Mark einer der größten Naturparks Nordrhein-Westfalens. Hier finden sich neben Waldstücken und Bergen auch Wiesen und Moore.

Zoos im Ruhrgebiet

Natur in der Stadt findet sich auch in den zahlreichen Zoos des Ruhrgebiets. Auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Glückaufsegen befindet sich seit 1953 der Zoo Dortmund. Heute leben hier ca. 1500 Tiere in 230 Arten in einem Areal von 28 Hektar. Der ehemalige Ruhr-Zoo, gegründet 1949, hat 2005 als ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen neu eröffnet. In der Saison 2008/2009 ist er mit dem Parkscout-Award als bester Zoo Deutschlands ausgezeichnet worden. Hinzu kommen der Zoo in Duisburg, die Tierparks in Herne und Bochum und das SeaLife in Oberhausen, das mehr als 5000 Tiere in über 50 Becken und Aquarien beherbergt. In den Zoos und Tierparks des Ruhrgebiets finden exotische Gürteltiere, wolkenkratzerhohe Giraffen und aufgeweckte Erdmännchen ein zu Hause. Dass echte Kühe nicht lila sind, lernen Großstadtkinder allerdings selbst hier nicht. Dafür sorgen dann die kleinen, oft unbekannten Tierparks wie der im Herner Revierpark Gysenbergpark.

Fußball

Einen besonderen Anteil am neuen Image Stadion Gelsenkirchenund an der Außenwahrnehmung des Ruhrgebiets hat der Fußball. Mit Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 spielen zwei Vereine aus dem Kohlenpott dauerhaft in der Bundesliga. Treffen diese beiden Clubs aufeinander, nennt man das packende Duell – passend nach der Umgebung – „Revier-Derby“. An solchen Spieltagen merkt der Fan, dass Fußball – frei nach Bill Shankly – eine weitaus ernstere Sache ist, als eine Frage von Leben und Tod ... Auch der VfL Bochum, 1848 gegründet und somit der älteste Verein des Ruhrgebiets, spielt regelmäßig Erstklassig, ansonsten in der zweiten Bundesliga immer noch auf Profi-Niveau. Von 1971 bis 1993 haben sie sogar den Beinamen „die Unabsteigbaren“. Hinzu kommen weitere Traditionsvereine wie die SG Wattenscheid 09, Rot-Weiß Essen und der MSV Duisburg. Mit Borussia Dortmund, dem MSV Duisburg und dem FC Schalke 04 kommen gleich drei Gründungsmitglieder der Bundesliga aus dem Ruhrgebiet.

Einher mit den Fußballvereinen gehen ihre legendären Spielstätten, die jedes Wochenende tausende Besucher anlocken. Hier stehen oft historische Laufbahnen neben modernen Fußballtempeln. Leider haben in den letzten Jahren traditionelle Namen, die in direktem Zusammenhang zum Pott stehen – Ruhrstadion (Bochum), Westfalenstadion (Dortmund), Arena AufSchalke (Gelsenkirchen) – Sponsorennamen weichen müssen. Diese sind auch Stationen der Deutschen Fußballroute NRW, die 550 km von Aachen nach Bielefeld verläuft, und durch sechs Städte des Reviers führt. Sie kann sowohl mit dem Auto als auch dem Fahrrad erkundet werden. Selbst eines der wichtigsten sportlichen Großereignisse – die Fußball Weltmeisterschaft – hat seine Kreise bis ins Ruhrgebiet gezogen. So wurden 2006 einige der Spiele im Stadion in Dortmund ausgetragen, als Deutschland Ausrichter des Events war. Ebenfalls in Dortmund entsteht derzeit auch das DFB-Fußballmuseum, das ab 2014 für Besucher zugänglich sein soll. Hier sollen Historie und aktuelles Geschehen des Fußballs aufeinandertreffen.

Das neue Gesicht des ehemaligen Kohlenpotts

Das Ruhrgebiet ist heute weit mehr als der dreckige Kohlenpott, der er noch bis in die 1960er, 1970er Jahre gewesen ist. Durch einen – mehr oder weniger aufgezwungenen – Strukturwandel hat sich die ehemalige Hochburg der Montanindustrie völlig neu erfunden und aufgebaut. Statt rauchender Hochöfen stehen hier nun Universitäten, Industriegelände sind Natur- und Wohnräumen gewichen, Fördertürme ehemaliger Zechen sind heute Denkmäler der Industriekultur. Auch die Wirtschaft und die Arbeitswelt haben sich im Revier verändert. Arbeitgeber Nummer 1 ist nicht mehr die Industrie sondern der Dienstleistungssektor, besonders im medizinischen Bereich und in der Logistikbranche. Auch, wenn der Strukturwandel noch nicht völlig abgeschlossen ist und die montanindustrielle Geschichte immer fest mit dem Ruhrgebiet verwurzelt bleibt, so bietet das Ruhrgebiet doch heute wesentlich mehr Vielfalt als noch im Jahr 1950: Bildung, Kunst, Kultur, Forschung, Freizeitangebote, Fußball, Wirtschaft, Natur ...

(mg)


Fotocredit: PHOENIX See Entwicklungsgesellschaft

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