Die Kokerei Hansa in Dortmund

Die Kokerei Hansa in Dortmund, die in Hochzeiten bis zu 5000 t Koks am Tag produzierte, wurde zwar erst 1992 stillgelegt. Dennoch hat die Natur längst den ihr einst genommenen Platz zurück erobert und erweckt den Eindruck immer schon hier gewesen zu sein. Tote Industriekolosse und wuchernde Natur bilden zusammen einen beeindruckenden Maschinendschungel.


[ruhr-guide] Ein technisierter Dschungel - Die Kokerei Hansa in Dortmundes würde nicht wundern, wenn plötzlich ein riesiges Maschinenwesen auf staksigen Metallbeinen aus dem Buschwerk brechen würde. Aber nichts dergleichen. Friedlich schlafen die maschinellen Kolosse, während sich die Botanik höchstlebendig wieder ausbreitet. Stück für Stück, nicht hektisch über Nacht, aber gnadenlos konsequent, Meter um Meter.

Relikte der Vergangenheit

Die Kokerei Hansa wurde in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts als Ersatz für mehrere kleine Kokereien gebaut, die Zwänge der Rationalisierung, damals wie heute. Beeindruckende Zeugen der zunehmenden Überdimensionierung des industriellen Wettlaufs schlafen hier, der immer schneller immer größere Maschinen verlangte und dessen stetig steigernde Rhythmus die Welt des 19. und 20. Jahrhunderts bestimmte.
Früher wurde das Kokereigelände mit den einschüchternd großen Türmen und den Felsklippen gleichenden Steinwänden oft als "verbotene Stadt" bezeichnet. Das verwundert nicht, betrachtet man das komplex-durchdachte Zusammenspiel der einzelnen Bauelemente. Jeder Teil ist durch Treppen, Brücken, Förderbänder oder Rohre mit einem anderen Teil verbunden. Das vielschichtige Nebeneinander verschiedenster Maschinen formt sich zu einem unüberblickbaren schroffen Moloch.

Natur und Industrie müssen keine Gegensätze sein

Der Wiedereinzug der Natur mildert das düstere Bild. Wie eine seit Ewigkeiten verlassene Urwaldstadt, so scheint es, harrt die Kokerei ihrer Wiederentdeckung. Auf dem ganzen Gelände haben sich Pflanzen, Büsche, Sträucher und Bäume ausgebreitet, kein Meter ohne unkontrollierten Wildwuchs. Zwischen Rohren und ausrangierten Maschinen macht sich neues Leben breit. Es hat etwas Versöhnliches, das die Maschinen die früher das Ruhrgebiet verpesteten und zu seinem schlechten Image beigetragen haben, nun zu Rückzugsorten bedrohter Natur werden und das Ruhrgebiet zunehmend als Naturgebiet ausweisen.

Die Nachfahren der einstigen Schlotbarone werden sich ins Fäustchen lachen, wenn sie in naher Zukunft für sich in Anspruch nehmen können, die letzten Überlebensräume für Schwalbenschwänze und Zaunkönige installiert zu haben. Heute ist die Kokerei Hansa auch Sitz der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur des Landes NRW. Als "begehbare Großskulptur" will die Stiftung die besondere Ästhetik dieses einmaligen Ortes erhalten. Das besonders Schöne an dieser Anlage ist das Unperfekte. Gerade die Tatsachen, dass die Natur sich hier ungehemmt über Jahre ausbreiten konnte und die Anlage nicht glänzend perfekt hergerichtet wurde, machen den besonderen Charme und stillen Zauber der Kokerei aus.

Regelmäßige Führungen leiten nicht nur durch die imposante Kompressorenhalle, sondern bahnen sich auch einen Weg durch die grüne Wildnis und erklimmen sogar auch den Kohlenturm, der einen weiten Panoramablick über Dortmund ermöglicht.

Moderner "Führungs"-Stil

Der Audioguide, den Sie am Infopunkt kostenlos erhalten können, ermöglicht Ihnen auf Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch auch außerhalb der Führungszeiten an acht Stationen Informationen über die Kokerei Hansa zu bekommen. Dabei wird neben dem Entstehungsprozess der Steinkohle zu hochwertigem Koks auch geschichtliches Wissen vermittelt. Für Kinder gibt es sogar einen ganz besonderen Audioguide namens Kokskrümel Karlchen Koks, der die Kleinen, auf eine Reise durch "seine" Kokerei Hansa mitnimmt.

Kokerei Hansa Dortmund

Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur
des Landes NRW
Emscherallee 11
44369 Dortmund
Tel: 02 31 - 93 11 22 33
www.industriedenkmal-stiftung.de

Öffnungszeiten
April - Oktober: Di – So & an Feiertagen 10 - 18 Uhr
November - März: Di - So 10- 16 Uhr
(Stand: Sep. 2013, Angaben ohne Gewähr)

Foto: Anneke Wardenbach, Stadt Dortmund

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