Halden im Ruhrgebiet

Ob Berge oder Landschaftsbauwerke: Sie sind ein Überbleibsel längst vergangener Tage – die Berghalden im Ruhrgebiet. Nachdem der einst wertvolle Rohstoff, die Steinkohle, abgetragen wurde und die Zechen wieder geschlossen werden mussten, blieben sie. Was macht man heute mit den einst künstlich aufgeworfenen Hügeln, die im Grunde genommen aus dem für den Bergbau wertlosen Material bestehen?


[ruhr-guide] Einige der Halden begrünen sich von selber, andere Halde Hanielwerden gezielt der Renaturierung unterzogen und gestaltet. Sie alle geben letztlich dem einstigen "Kohlen"-Pott ein spannendes Gesicht. Es ist überraschend, was einen alles auf einer Halde erwartet. Natur, Kunst, Theater oder auch eine besinnliche Wanderung auf einem angelegten Kreuzweg gehören zum neuen Erleben der Halden. Mit einer Höhe von 148 Metern zählt die Halde Großes Holz in Bergkamen zu den höchsten Bergen im Ruhrgebiet und bietet damit eine umwerfende Fernsicht. Schon seit Beginn ihrer Aufschüttung wurde die Halde nicht bloß als Deponie konzipiert, an Naherholung dachte man bereits in den 70er Jahren.

Halde mit Amphitheater

Die Halde Haniel in Bottrop stellt heute vielen Familien im Ruhrgebiet ein begehrtes Ausflugsziel dar. Die weitgehend begrünte Fläche hat einiges zu bieten. Auf der ehemaligen Berghalde des Steinkohlabbaus befindet sich heute in 126 m Höhe ein Theater, welches als modernes Amphitheater angelegt ist. Mit seinen zahlreichen Kulturveranstaltungen lockt die ehemalige Ablagestätte zahlreiche Besucher an. Auch der neu angelegte Kreuzweg, der in 15 Stationen hoch zum Gipfelkreuz führt ist in dieser Form einzigartig und kann zu einem besonderen Erlebnis werden.

Auf der steil terrassierten Halde der ehemaligen Zeche Prosper in Bottrop Tetraeder Bottropfindet der Besucher abgesehen von einer beeindruckenden Landschaft aus dunklem Gestein die wohl ungewöhnlichste Pyramide im Ruhrgebiet: der Tetraeder. Mit seinen 60 Metern Kantenlänge und einer Höhe von 58 Metern oberhalb des Haldengipfels ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Noch beeindruckender ist allerdings der Blick, den man von hier aus über das Ruhrgebiet hat! Das "Haldenereignis Emscherblick" wurde von dem Architekten Prof. Dipl-Ing. Wolfgang Christ entworfen. Erbaut wurde der Tetraeder im Jahr 1993. Verbaut wurden 210 T Stahl und Rohre in einer Länge von 1,5 km. Zum Gipfel der Halde führt die "Direttissima" mit 387 Stufen oder eine kleine Straße, die sich in Serpentinen die Halde an der Beckstraße hinaufschlängelt.

Die Halde Rheinelbe liegt an der Stadtgrenze von Gelsenkirchen-Ückendorf und Bochum-Wattenscheid. Natur und Kultur werden hier rund um die Halde bis zu ihrem Gipfel mit der schon aus der Ferne sichtbaren Himmelsleiter aus mächtigen Betonblöcken verwirklicht. Bei einem Spaziergang oder einer Radtour kann man eine Menge entdecken und natürlich den weiten Blick über das Revier genießen. Nicht kultiviert sondern natürlich gewachsen ist dagegen die Natur auf der Halde Rheinelbe und wirkt bisweilen urwaldartig und wüst. Dazwischen finden sich immer wieder Skulpturen, die wie zufällig vergessene Relikte aus der Blütezeit von Kohle und Stahl wirken.

Ein Drache in Herten

Die Halde Hoheward liegt Halde Hohewardzwischen den Städten Recklinghausen und Herten. Das 45 Meter hohe Horizontobservatorium auf der Haldenkuppe ist das Wahrzeichen fürs nördliche Ruhrgebiet. Die Halde ist Bestandteil des Landschaftspark Hoheward einem Gemeinschaftsprojekt der angrenzenden Städte. Viele Projekte sind bisher verwirklicht worden: Die Drachenbrücke, die den Stadtteilpark in Recklinghausen- Hochlarmark mit der Halde verbindet, das spektakuläre Horizont- observatorium sowie die Sonnenuhr mit Obelisk auf dem Haldenplateau. Die Ost- und Nordflanke der Halde sind bereits als Erholungsgebiet freigegeben und renaturiert worden.

Die Halde Rungenberg ist durch den Abbau der Zeche Hugo entstanden. Heute ist sie größtenteils wieder begrünt und lädt zum Spazieren gehen und Wandern ein. Das Besondere ist jedoch das sie schon während des Abbaus künstlerisch angelegt wurde. Ihre Form, die einer Pyramide, wurde schon während der Schüttung so geplant. Jedoch ist diese durch ein Tal auseinandergerissen. Wer Nachts hier vorbei kommt, kann sich dank der Beleuchtung an einer ganzen Pyramide erfreuen. Die Strahlen zweier Spiegelscheinwerfer ergänzen sie optisch zu einer vollendeten Pyramide. Dadurch, dass sich die Strahlen kreuzen bilden sie am nächtlichen Himmel eine zweite Pyramide.Halde Schurenbach Heute ist auch die Halde Rungeberg eine Landmarke mit dem Skulpturen-Ensemble von Hermann EsRichter und Klaus Noculak, die eine dreiteilige Konzeption bestehend aus Licht, Materie und Natur entworfen haben.

Von der Halde Schurenbach in Essen geht im Gegensatz zu der Halde Haniel ein Reiz von einer ganz anderen Seite aus. Weniger begrünt, eher einer Mondlandschaft gleichend wurde am höchsten Punkt dieser Berghalde die "Bramme für das Ruhrgebiet" von dem amerikanischen Künstler Richard Serra aufgestellt. Mit seiner Größe ist das Kunstwerk von weither sichtbar und strahlt eine ganz eigene Atmosphäre des Ruhrgebiets aus.

(kt)

Fotos: Halde Haniel: Pressestelle Stadt Bottrop
Halde Hoheward: Pierre Jaquet
Halde Hoheward: Sarah Bauer
Halde Schurenbach: www.ruhrgebiet-industriekultur.de

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