Halden im Ruhrgebiet

Ob Berge oder Landschaftsbauwerke: Sie sind ein Überbleibsel längst vergangener Tage – die Berghalden im Ruhrgebiet. Nachdem der einst wertvolle Rohstoff, die Steinkohle, abgetragen wurde und die Zechen wieder geschlossen werden mussten, blieben sie. Was macht man heute mit den einst künstlich aufgeworfenen Hügeln, die im Grunde genommen aus dem für den Bergbau wertlosen Material bestehen?


[ruhr-guide] Einige der Halden begrünen sich von selber, andere Halde Hanielwerden gezielt der Renaturierung unterzogen und gestaltet. Sie alle geben letztlich dem einstigen "Kohlen"-Pott ein spannendes Gesicht. Es ist überraschend, was einen alles auf einer Halde erwartet. Natur, Kunst, Theater oder auch eine besinnliche Wanderung auf einem angelegten Kreuzweg gehören zum neuen Erleben der Halden.

Die höchste Halde des Ruhrgebiets ist die Halde Oberscholven. Die Halde überragt die Umgebung um 140 m und ist damit die höchste künstliche Erhebung im Ruhrgebiet. Die höchste Stelle wird von einem 8 m hohem Gipfelkreuz markiert. Das besondere an dieser Halde ist, dass sich im inneren ein Trinkwassertbehälter befindet. Von dort aus kann das Wasser mit einem Druck von ca. 6 Bar durch die Erhöhung der Halde in die Umgebung verteilt werden. das Trinkwasserreservoir besteht aus 15 Röhren mit 66 m Länge und einem Speichervermögen von 36.000 Kubikmetern. Normalerweise ist diese Halde für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Jedoch gibt es einige Ausnahmen wie zum Beispiel den Tag der offenen Tür von Gelsenwasser, mit Wanderungen durchgeführt von der Volkshochschule und die traditionelle Mai-Andacht der Gemeinde St. Josef.

Mit einer Höhe von 148 Metern zählt die Halde Großes Holz in Bergkamen zu den höchsten Bergen im Ruhrgebiet und bietet damit eine umwerfende Fernsicht. Schon seit Beginn ihrer Aufschüttung wurde die Halde nicht bloß als Deponie konzipiert, an Naherholung dachte man bereits in den 70er Jahren.

Bei Moers liegt die Halde Rheinpreußen und sie ist für ihre besonders Das Geleucht auf der Halde Rheinpreußenauffälige Landmarke bekannt. Das sogenannte Geleucht. Das Geleucht ist einer typischen Grubenlampe nachempfunden, nur dass das Geleucht um einiges größer ist. Wenn es dunkel wird, strahlt das Geleucht über den Gipfel der Halde und ist auch von Weitem noch zu sehen. Die Berghalde Rheinpreußen ist ca. 103 m hoch und bietet den Besuchern ein schönes Naturerlebnis, da die Halde vollständig begrünt und naturbelassen ist.

Die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn ist 120 Meter hoch und zählt zu den brennenden Halden. Das bedeutet, die Halde brennt innen noch. Es ist weniger ein brennen als viel mehr ein schwelen. Bemerkbar macht es sich nur durch exakte Temperatur- und Gasmessungen, also für den Normalbürger nicht wahrzunehmen. Auf dieser Halde gibt es eine Skulptur in Form eines Hauses, das jedoch nur aus Stahlstreben besteht. Dort finden Veranstaltungen statt, wie zum Beispiel Festivals. Man kann es aber auch für private Zwecke nutzen. Für sportliche gibt es auch Einiges zu entdecken. Wer es sich zutraut, kann den Aufstieg auch auf die Himmelstreppe wagen. Mit 359 Stufen hat es diese in sich! Außerdem gibt es verschieden schwierige Pfade, so kann jeder seinen Weg wählen, je nach dem was er sich zutraut. Es kann auch passieren, dass man ab und zu einem Gleitschirmflieger begegnet. Für sie ist die Halde auch ein beliebter Treffpunkt.

Halde mit Amphitheater

Die Halde Haniel in Bottrop stellt heute vielen Familien im Ruhrgebiet ein begehrtes Ausflugsziel dar. Die weitgehend begrünte Fläche hat einiges zu bieten. Auf der ehemaligen Berghalde des Steinkohlabbaus befindet sich heute in 126 m Höhe ein Theater, welches als modernes Amphitheater angelegt ist. Mit seinen zahlreichen Kulturveranstaltungen lockt die ehemalige Ablagestätte zahlreiche Besucher an. Auch der neu angelegte Kreuzweg, der in 15 Stationen hoch zum Gipfelkreuz führt ist in dieser Form einzigartig und kann zu einem besonderen Erlebnis werden.

Auf der steil terrassierten Halde der ehemaligen Zeche Prosper in Bottrop Tetraeder Bottropfindet der Besucher abgesehen von einer beeindruckenden Landschaft aus dunklem Gestein die wohl ungewöhnlichste Pyramide im Ruhrgebiet: der Tetraeder. Mit seinen 60 Metern Kantenlänge und einer Höhe von 58 Metern oberhalb des Haldengipfels ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Noch beeindruckender ist allerdings der Blick, den man von hier aus über das Ruhrgebiet hat! Das "Haldenereignis Emscherblick" wurde von dem Architekten Prof. Dipl-Ing. Wolfgang Christ entworfen. Erbaut wurde der Tetraeder im Jahr 1993. Verbaut wurden 210 T Stahl und Rohre in einer Länge von 1,5 km. Zum Gipfel der Halde führt die "Direttissima" mit 387 Stufen oder eine kleine Straße, die sich in Serpentinen die Halde an der Beckstraße hinaufschlängelt.

Die Halde Rheinelbe liegt an der Stadtgrenze von Gelsenkirchen-Ückendorf und Bochum-Wattenscheid. Natur und Kultur werden hier rund um die Halde bis zu ihrem Gipfel mit der schon aus der Ferne sichtbaren Himmelsleiter aus mächtigen Betonblöcken verwirklicht. Bei einem Spaziergang oder einer Radtour kann man eine Menge entdecken und natürlich den weiten Blick über das Revier genießen. Nicht kultiviert sondern natürlich gewachsen ist dagegen die Natur auf der Halde Rheinelbe und wirkt bisweilen urwaldartig und wüst. Dazwischen finden sich immer wieder Skulpturen, die wie zufällig vergessene Relikte aus der Blütezeit von Kohle und Stahl wirken.

Ein Drache in Herten

Die Halde Hoheward liegt Halde Hohewardzwischen den Städten Recklinghausen und Herten. Das 45 Meter hohe Horizontobservatorium auf der Haldenkuppe ist das Wahrzeichen fürs nördliche Ruhrgebiet. Die Halde ist Bestandteil des Landschaftspark Hoheward einem Gemeinschaftsprojekt der angrenzenden Städte. Viele Projekte sind bisher verwirklicht worden: Die Drachenbrücke, die den Stadtteilpark in Recklinghausen- Hochlarmark mit der Halde verbindet, das spektakuläre Horizont- observatorium sowie die Sonnenuhr mit Obelisk auf dem Haldenplateau. Die Ost- und Nordflanke der Halde sind bereits als Erholungsgebiet freigegeben und renaturiert worden.

Die Halde Hoppenbruch ist die kleinere Schwesterhalde der Halde Hoheward, ist aber nicht minder interessant als ihre große Schwester. Auf ihr tront ein gigantisches Windrad und versorgt ca. 800 Haushalte mit Strom. Passend zu dem Windrad gibt es dort unterhalb einen kleinen Skulpturenpark zum Thema Wind und Windenergie. Die Halde Hoppenbruch ist auch ein prima Ort für Mountainbikefans. Die Strecke ist in verschiedene Abschnitte mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden unterteilt. Somit kann sich jeder Mountainbiker seine Lieblingsstrecke aussuchen! Die Mountainbikestrecke ist ca. 4,4 km lang und es müssen ungefähr 104 Höhenmeter erklommen werden, wenn man die Strecke von unten nach oben abradeln möchte. Die Halde ist üppig begrünt durch Renaturierung als Naturerholungsgebiet.

Die Halde Rungenberg ist durch den Abbau der Zeche Hugo entstanden. Heute ist sie größtenteils wieder begrünt und lädt zum Spazieren gehen und Wandern ein. Das Besondere ist jedoch das sie schon während des Abbaus künstlerisch angelegt wurde. Ihre Form, die einer Pyramide gleicht, wurde schon während der Schüttung so geplant. Jedoch ist diese durch ein Tal auseinandergerissen. Wer Nachts hier vorbei kommt, kann sich dank der Beleuchtung an einer ganzen Pyramide erfreuen. Die Strahlen zweier Spiegelscheinwerfer ergänzen sie optisch zu einer vollendeten Pyramide. Dadurch, dass sich die Strahlen kreuzen bilden sie am nächtlichen Himmel eine zweite Pyramide.Halde Schurenbach Heute ist auch die Halde Rungeberg eine Landmarke mit dem Skulpturen-Ensemble von Hermann EsRichter und Klaus Noculak, die eine dreiteilige Konzeption bestehend aus Licht, Materie und Natur entworfen haben.

Von der Halde Schurenbach in Essen geht im Gegensatz zu der Halde Haniel ein Reiz von einer ganz anderen Seite aus. Weniger begrünt, eher einer Mondlandschaft gleichend wurde am höchsten Punkt dieser Berghalde die "Bramme für das Ruhrgebiet" von dem amerikanischen Künstler Richard Serra aufgestellt. Mit seiner Größe ist das Kunstwerk von weither sichtbar und strahlt eine ganz eigene Atmosphäre des Ruhrgebiets aus.

Fotos: Halde Haniel: Pressestelle Stadt Bottrop
Halde Hoheward: Pierre Jaquet
Halde Hoheward: Sarah Bauer
Halde Schurenbach: www.ruhrgebiet-industriekultur.de

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