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Projekt Ewald

Von der Industrielandschaft zum Landschaftspark und Lebensraum: Was in vielen anderen Städten des Ruhrgebiets schon realisiert wurde, entstand auch in Herten-Süd mit dem Landschaftspark Emscherbruch. Neben zwei Halden und verschiedenen Promenaden ist es vor allem das Gelände um die ehemalige Zeche Ewald, welches das Gebiet zukunftsfähig macht. Ewald zählt seit Jahresbeginn 2011 auch zu einem Ankerpunkt der Route der Industriekultur!


[ruhr-guide] Die Bauzäune sind verschwunden. Neu verlegte Pflastersteine und Parkboxen lassen das alte Gelände in neuem Glanz erstrahlen, ohne dass die Ursprünglichkeit der Industriebauten verloren geht. Zwei Fördertürme und ein Malakoffturm, das ehemalige Verwaltungsgebäude sowie die Lohn- und Lichthalle samt Waschkauen, Wohnhäuser und Direktorenvillen bieten dem Besucher hier im nördlichen Ruhrgebiet das typische Gesicht des Reviers. Doch inzwischen ist das 50 Hektar große Areal der ehemaligen Zeche Ewald 1/2/7 größtenteils aufgeräumt. Was als Zukunftsstandort Ewald Einwohner, Touristen und Unternehmen anzieht, entwickelt sich wie viele Gegenden im Ruhrgebiet, vor allem seit RUHR.2010, von der grauen Vergangenheit hin zu einem echten Kultur- und Zukunftsobjekt. Und dennoch bleibt Ewald unmittelbarer Zeitzeuge der Bergwerkshistorie Hertens.

Die Geschichte des Bergbaus in Herten

Neben den Zechen Schlägel & Eisen im Norden der Stadt und dem Bergwerk Westerholt war die Zeche Ewald der Arbeitgeber in Herten und den angrenzenden Gebieten. Ab 1877 wurde hier Kohle gefördert, einige Jahre später, ab 1884 war der Schacht 1 mit 624 Metern der tiefste Schacht im Ruhrgebiet. Die typische Bebauung mit Wohnraum erfolgte rund um die Zeche Ewald erst sehr viel später, so dass die Arbeiter anfangs einen langen Anfahrtsweg auf sich nehmen mussten. Neben dem Schacht 1 waren ab 1892 Schacht 2, die Doppelschachtanlage Ewald 3/4 in Gelsenkirchen-Resse sowie Schacht 5 im Hertener Katzenbusch nach und nach förderbereit. Als die Förderanforderungen im Zweiten Weltkrieg anstiegen, wurden 1941 unter Tage die Abteufarbeiten für Schacht 7 gestartet, die übertägigen Arbeiten an Schacht 7 wurden erst 1949 fortgesetzt. 1955 war der Durchschlag zu Ewald 3/4 erfolgt und Schacht 7 wurde mit seinem für das Zechengelände zum Aushängeschild gewordenen Doppelbock-Fördergerüst und dem langgestreckten Bau zum Zentralschacht des gesamten Bergwerks.

Von der Kohle zur Zukunft

1969 ging wie die meisten Zechen im Ruhrgebiet auch die Zeche Ewald in die neu gegründeten RAG über, bekam das Kohlefeld der Zeche Bismarck in Gelsenkirchen zugesprochen und wurde 1974 mit der Zeche Recklinghausen vereint. Bis zur letzten Förderschicht am 28. April 2000 wurde die Zeche Ewald noch mit Schlägel & Eisen und mit der Zeche Hugo in Gelsenkirchen-Buer vereint. Große Teile des ehemaligen Zechengeländes sind inzwischen abgerissen, eindrucksvolle Industriezeugen sind aber nach wie vor die drei historischen Fördertürme, die als Landmarke vom Kohlestandort Herten zeugen. Seit Jahresbeginn 2011 ist die Zeche Ewald als Ankerpunkt auf der bekannten Route der Industriekultur verzeichnet. Die positive touristische Entwicklung zusammen mit dem inzwischen weit fortgeschrittenen Ausbau des Landschaftsparks Hoheward lassen den Standort zu einem besonderen Ort der Industriekultur im Ruhrgebiet werden. So ist die Auszeichnung als Ankerpunkt beinahe eine logische Folge.

Zeche Ewald ist vielseitig und innovativ

Seit 2007 ist das Gelände erschlossen und saniert. 37.000 qm Straßenfläche, 400.000 cbm Boden und 16.000 qm Platzfläche wurden bis dahin bewegt. Doch nicht nur für Firmen und Unternehmen wurde gebaut. Auch die Begrünung kam nicht zu kurz. 604 Bäume und 19.565 Stauden wurden gepflanzt, was noch einmal die Dimension des Projekts verdeutlicht. Beschleunigte Genehmigungsverfahren, Unterstützung in Technologiefragen und Finanzierungsprogramme machen den Standort Zeche Ewald zu einem attraktiven Standort für zukunftsorientierte Betriebe. So ist das inzwischen auf Ewald angesiedelte Wasserstoffkompetenzzentrum H2Herten Vorreiter in NRW für die anwendungsorientierte Wasserstofftechnologie. Doch auch Raum für Kultur, Veranstaltungen und Bildung ist gegeben.

Panik auf der Zeche

Welchen Bekanntheitsgrad ein Ort erreicht hat, zeigt sich meist anhand der dort erscheinenden Prominenz. Und diese kam Mitte Februar ganz persönlich vorbei. Udo Lindenberg besuchte die Zeche Ewald. Mit Hut, Jackett und violettem Schal inspizierte er Ewald und die Halde Hoheward, da er schon viel Interessantes über den Standort gehört hatte. Der geheimgehaltene Besuch beeindruckte den Panik-Meister und ebenfalls die ahnungslose Spaziergänger, die ihren Augen kaum trauten. "Echt geiles Gelände!", befand Lindenberg, der sicher noch einmal vorbeischauen wird - an einem sich rasant entwickelnden Ort der Kultur und Zukunft.

Projekt Ewald/Zeche Ewald

Über den Knöchel 76 45699 Herten

Tel.: 02366 / 50 36 10

Anfahrt:
Der Landschaftspark Emscherbruch liegt verkehrsgünstig an den Autobahnen A 2 (Ausfahrt Herten), A 42 (Ausfahrt Herne-Wanne) und A 43 (Ausfahrt Recklinghausen-Hochlarmark).

(sl) (sb)

Bildquelle:
Sarah Bauer (Bild 1)
RAG Montan Immobilien, Stephan Conrad, 2011 (Bild 4)