Naturgebiete im Münsterland

Der Mensch hat viel und oft in die Natur eingegriffen, sie verändert und schließlich zerstört. Im Münsterland wird dem seit einigen Jahren entschieden entgegengewirkt. Die NABU-Naturschutzstation Münsterland fördert zusammen mit dem Land Nordrhein-Westfalen spannende Projekte zur Renaturierung. So weiden wieder Wildpferde und Auerochsen zusammen in den Emsauen und die vom Aussterben bedrohten Bentheimer Landschafe streifen durch eine einzigartige Heidelandschaft.


[ruhr-guide] Raus aus der Stadt - ab ins Grüne! Oft Naturgebiete im Münsterlandbraucht man die Natur um abzuschalten und sich selbst ein wenig zu erholen. Wie eine Oase erscheint einem dann das saftige Grün, die Blumenfelder und der Laubwald. Doch das alles ist gar nicht so selbstverständlich, wie wir es oft annehmen. Dass unsere wunderbare Umwelt so erhalten bleibt und auch wieder regeneriert wird, bedarf viel Fürsprache, Pflege und Menschen, die sich für ihren Schutz einsetzen. Wir stellen Ihnen hier einige sehr schöne Naturschutzgebiete im Münsterland vor!

Die Emsauen

Das Beweidungsprojekt "Erlebte Emslandschaft" ist das momentane Highlight unter den vielen schönen Naturgebieten im Münsterland. Seit 1990 kauft das Land Nordrhein-Westfalen die Gebiete der Emsauen zwischen Telgte und Handorf auf und setzt so mit der NABU-Naturschutzstation Münsterland das Emsauenschutzkonzept in die Tat um. Weidelandschaften sind heute sehr selten geworden, waren aber früher in den Emsauen der dominierende Landschaftstyp. Grünland, Staudenflure, eingestreute Gebüschgruppen und Altbäume sind hier zu finden. Um diesen Landschaftstyp im Emstal wieder zu fördern, wird von der NABU-Naturschutzstation Münsterland der Einsatz robuster Weidetierrassen als "Landschaftspfleger und -gestalter" sowie zur Entwicklung einer für Erholungssuchende und Naturliebhaber attraktiven Landschaft erprobt.

In drei Emsauenarealen, Emsaue Pöhlen, Emsaue Lauheide und Emsaue Vadrup, zwischen Telgte und Handorf wird das Naturgebiete im MünsterlandBeweidungsprojekt sowohl von der NABU-Natur- schutzstation Münsterland e.V. mit tatkräftiger Unterstützung freiwilliger Helfer als auch von vielen Partnern umgesetzt. In den weitläufigen Naturgebieten weiden nun ganzjährig Auerochsen und Konikpferde gemeinsam. Sie helfen durch das Beweiden der Grünlandflächen und Gewässerufern dabei, dass die Flächen nicht verbuschen und sich vielfältige Lebensräume entwickeln können. Die bei der Begradigung der Ems abgetrennten Altarme werden außerdem wieder an den Fluß angebunden.

Um die Wildtiere auch einmal hautnah erleben zu können, bietet die NABU-Naturschutzstation regelmäßig Führungen durch das Naturgebiet an. Wer eher spontan vorbei kommt oder gar mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat aber auch Glück. Denn entlang der Fläche Vadrup führt parallel der Emsauen-Radweg entlang. Außerdem gibt es auf allen drei Gebieten hohe Aussichtstürme, wovon man gute Chancen hat die Tiere zu erblicken.

Die Klatenberge

Sie scheint da zu liegen wie in der Lüneburger Heide: die Wacholderheide in den Klatenbergen bei Telgte ist die letzte ihrer Art im Kreis Warendorf. Geologisch stellen die Klatenberge einen Teil eines Dünenzuges entlang der Ems dar, der seit der Konikpferde im Münsterlandletzten Eiszeit zu einer markanten Erhebung in der sonst flachen Landschaft aufwehte. Heute sind die Klatenberge größtenteils mit Kiefern bewachsen. Doch mitten in diesen Wäldern stößt man unvermutet auf schönste Wacholderheide. Schon fast in Vergessenheit geraten ist sie jedoch ein wichtiger Rückzugsraum vieler seltener und auf Trockenheit und Wärme angewiesener Tiere.

Um diesen Lebensraum zu bewahren investiert der NABU-Naturschutzstation Münsterland viel Arbeit in die Pflege der Heidelandschaft. Mit einem schönen Spaziergang durch den Wald können auch Sie die Klatenberge erleben und den wohltuenden Geruch der Heide einatmen. Denn so wussten auch schon unsere Vorfahren, dass Heide für die Gesundheit gut ist.

Vorbergs Hügel

Das zweitgrößte Naturschutzgebiet im Stadtgebiet Münster liegt etwas nördlich von Nienberge in den Altenberger Hohenrücken. Dieser sanfte Gebirgsstreifen ist geologisch durch aufgefaltete Kreideschichten entstanden. Aus diesem Grund ist das Erdsubstrat sehr kalkhaltig, was seltene Tier- und Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet anzieht. Obwohl in dem Gebiet eine ausgeprägte Landwirtschaft betrieben wurde, gibt es heute ein abwechslungsreiches Bild von Wiesen, Äckern und Wäldern. Es wachsen gerade die für unsere Breiten typischen Waldmeister-Buchenwälder und Eichen-Hainbuchenwälder.

Bereits in den 80er Jahren hat sich der NABU schon dem Schutz des Vorbergs-Hügel angenommen und seit 1999 hat die NABU-Naturschutzstation Münsterland e.V. im Auftrag der Stadt Münster die Betreuung des Naturschutzgebietes übernommen. Ein Ausflug zum Vorbergs-Hügel lohnt sich. Die reizvolle Landschaft in dem sonst eher flachen Münsterland sticht ins Auge. Zudem sind viele Vogelarten wie z. B. Nachtigallen, Feldlerchen und auch Rebhühner zu bestaunen und vor allen Dingen zu belauschen. Laubfrösche gibt es ebenfalls. Und haben Sie gewusst: mit 90 Dezibel können Frösche so laut werden wie ein vorbeifahrender LKW.

Bockholter Berge

Bei Greven-Gimbte gelegen geht die NABU-Naturschutzstation Münsterland einem besonderen Projekt nach. Reste der ehemaligen Heidelandschaft mit beeindruckenden Wacholderbeständen, dazu offene HeidelandschaftSandmagerrasen und alte knorrige, weit ausladende Eichen geben ein stimmungsvolles Bild und lebendiges Zeugnis der historischen Kulturlandschaft im Schutzgebiet der Bockholter Berge. Eindrucksvoll ist auch der tief in den Sand eingeschnittene Gellenbach, der mit seinen zahlreichen Windungen den Norden des Schutzgebietes durchfließt. Durch Aufforstungen bereits um 1900 litt das Gebiet stark. Heute droht die Heidelandschaft zu verschwinden.

Dennoch lebt in dem Gebiet eine seltene und an die kargen Bedingungen der offenen Sandlandschaft angepasste Tier- und Pflanzenwelt, die es zu schützen gilt. Die NABU-Naturschutzstation Münsterland setzt dabei auf die Hilfe von Tieren: Schafe! Sie gelten als beste Heidepfleger. Bentheimer Landschafe, eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse, streift durch die Landschaft der Bockholter Berge und fühlt sich dort anscheinend pudelwohl. Dank finanzieller Unterstützung konnte die NABU-Naturschutzstation Münsterland zunächst eine 50-köpfige Schafherde ansiedeln. Eine besonders schöne und persönliche Art das Schafbeweidungsprojekt zu unterstützen ist der Erwerb einer Schafpatenschaft. Das Tolle daran ist: Das Geld (60 € pro Tier) ist gleich doppelt sinnvoll angelegt! Einmal für den Erhalt seltener Lebensräume und zusätzlich zur Rettung einer gefährdeten Haustierrasse.

Für weitere Informationen rund um den Naturschutz, Aktivitäten und Führungen durch die Emsauen:

NABU-Naturschutzstation Münsterland e.V.
Zumsandestr. 15
48145 Münster
www.nabu-naturschutzstation-muensterland.de

(kt)

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