Das Ruhrgebiet läuft

Sicher, im Ruhrgebiet ist Fußball das sportliche Aushängeschild Nummer eins. Was gleichermaßen nicht bedeutet, dass nicht auch durchaus andere Sportarten neben der wichtigsten Nebensache der Welt existieren können. Die noch dazu einen ebenfalls bemerkenswerten Stellenwert im Pott haben können, wie sowohl die große Anhängerschaft wie auch die ebenfalls zahlreichen Wettbewerbe rund ums Laufen im Pott beweisen. Da dürfte für jedes Alter und jede Ambition etwas dabei sein.


Raus in die Natur – wo immer es möglich ist

Wer nicht von hier ist, wird das Ruhrgebiet vermutlich nicht zwingend mit demRaus in die Natur „Raus ins Grüne“-Motto in Verbindung bringen, das ansonsten so selbstverständlich zum Laufen dazugehört. Eine Fehleinschätzung, denn so dicht besiedelt das Ruhrgebiet auch sein mag, grüne Flecken gibt es überall – sie sind nur möglicherweise nicht in der direkten Umgebung zu finden, was der Erfahrungsbericht von Bloggerin Anne Schüssler bestätigt.

Andererseits ist der Pott auch nicht ausschließlich Industrie und Städte und Autobahnen, vielmehr ist hier viel Abwechslung geboten. Weshalb die Metropolregion für Outdoor-Sportler fast jeglicher Disziplinen ein lohnenswertes Ziel ist, selbst zum Surfen muss es nicht bis ans Meer gehen und das Radfahrer hier voll auf ihre Kosten kommen, dürfte ebenfalls als bekannt vorausgesetzt werden können. Sogar ein Alpen-Ausflug ist im Bereich des Möglichen, allerdings kann die Gemeinde im Westen der Metropole Ruhr nur bedingt mit Bergen punkten, dafür aber mit Rad- und Wanderweg-durchzogenen Wäldern.

Damit ist Alpen gleichermaßen typisch und atypisch für die topografischen Bedingungen, die das Ruhrgebiet für Läufer jedweder Disziplinen bereithält: Die Verstädterung der Metropolregion ist gewissermaßen ihr Markenzeichen, was es leicht macht, bei den Laufausflügen Stadtgrenzen zu überschreiten. Auf der anderen Seite ist hier auch nicht alles Stadt und Industrie, jenseits des städtischen Ballungsraums gibt es immer noch genug Naturlandschaften zu erlaufen – die vier Kreise Wesel, Recklinghausen, Unna und Ennepe-Ruhr, die dem Regionalverband Ruhr einen erfreulich hohen Anteil an Waldgebieten bescheren. Das ist vor allen Dingen ein Grund zur Freude, weil dadurch ein abwechslungsreiches Profil für Läufer geboten ist – vom Laufen im städtischen Umfeld bis hin zur Querfeldein-Tour ist im Ruhrgebiet so ziemlich alles möglich. Ein jeder Sportler kann hier also ganz nach seinen persönlichen Ambitionen fündig und glücklich werden.

Dabei sollte aber nicht vergessen werden: Unterschiedliches Terrain stellt ebenso unterschiedliche Bedingungen sowohl an die individuellen körperlichen Voraussetzungen wie auch an das Laufwerkzeug, das zu Gelände und Einsatzzweck passen sollte. Es geht schließlich nicht (nur) darum, beim Absolvieren der Lieblingsrunde möglichst gut auszusehen, sondern in erster Linie darum, die Laufziele möglichst sicher und unbeschadet zu erreichen. Schließlich dreht sich das Hobby Laufen immer noch unter anderem um den Gesundheitsaspekt.

Fortlaufende Tradition – und darüber hinaus

Ganz unabhängig von den regional sehr unterschiedlichen „äußeren Bedingungen“ und der Vormachtstellung des Fußballs hat sich im Ruhrgebiet eine fest verankerte Lauftradition entwickeln können. Ein Blick auf die Marathon-Veranstaltungen im beziehungsweise durch den Pott macht das deutlich.

Innogy Marathon – Rund um den Baldeneysee

Rund um den Baldeneysee – oder wie dieInnogy Marathon – Rund um den Baldeneysee Veranstaltung inzwischen heißt: der „innogy-Marathon – Rund um den Baldeneysee“ – etwa wird seit 1963 in Essen ausgetragen. Ohne Unterbrechungen, komplett von der TUSEM Essen getragen und ausgerichtet. Es ist aber nicht allein der Status des ältesten deutschen Marathons, der seit seiner Entstehung ununterbrochen stattfindet, der zu seiner überregionalen Bekanntheit beigetragen hat. Ein Übriges werden zudem die Atmosphäre und das Umfeld getan haben. Start ist am 8. Oktober 2017, wer sich die Anstrengungen des Marathons ersparen, aber nicht auf die Teilnahme verzichten möchte, kann sich an der etwas kürzeren „Seerunde“ versuchen – oder dem einfach so einen Besuch abstatten, zu Entspannungszwecken beispielsweise, denn dafür ist das Naherholungsgebiet Baldeneysee ebenfalls wie geschaffen.

VIVAWEST-Marathon

Damit konkurriert der Essener Laufevent mindestens in puncto Bekanntheit auf Augenhöhe mit dem VIVAWEST-Marathon, der seines Zeichens die Fortführung des einstigen Ruhrmarathons darstellt. Interessierte sollten nicht verwirrt sein, wenn die diesjährige Veranstaltung als fünfjähriges Jubiläum gefeiert wird, weil es unter der aktuellen Bezeichnung natürlich absolut richtig ist.

Unverändert wird auch in diesem Jahr der Weg wieder mitten durch das Revier gehen, verändert wurde allerdings die Streckenführung, die nun mit der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop und der Zeche Zollverein in Essen zwei gänzlich neue Ruhrpott-Highlights entlang des Weges bietet. Los geht es schon am 21. Mai 2017, erwartet werden auf den Straßen zwischen Gelsenkirchen, Essen, Bottrop und Gladbeck mehr als 8.000 Teilnehmer.

Rhein-Ruhr-Marathon

Ebenfalls traditionsbehaftet ist der Duisburger Rhein-Ruhr-Marathon, der in diesem Jahr zum 34. Mal stattfindet – mit dem Frankfurt-Marathon und dem Berlin-Marathon teilt sich der Lauf die Ehre, zu den ältesten Stadtmarathons der gesamten Republik zu gehören. Daneben ist der Rhein-Ruhr-Marathon inzwischen fester Bestandteil des Dextro Energy Revier Cups. Unter dem Motto „Der Pott läuft“ reiht sich Duisburg gemeinsam mit Bochum (Stadtwerke Halbmarathon, 3. September 2017) und Dortmund (Sparkassen Phoenix-Halbmarathon, 3. Oktober 2017) in eine Halbmarathon-Serie ein, die mittlerweile ebenfalls schon zum fünften Mal ausgetragen wird.

Startschuss für den Auftakt in Duisburg ist der 11. Juni 2017, gerechnet wird auch in diesem Jahr mit einem Teilnehmerfeld in einer Größenordnung von rund 6.000 Läufern.

TorTour de Ruhr

Weniger traditionell geht es bei der TorTour de Ruhr zu, denn die ist ausschließlich für Extremläufer geeignet. Wobei die Idee grundsätzlich für alle Freunde des Reviers ihren Reiz hat, immerhin geht es erstmal „nur“ darum, beim Laufen die Ruhr zu genießen. Nur eben auf deren gesamter Länge zwischen ihrer Quelle und ihrer Rheinmündung. Und das am Stück. Das sind in der längsten Variante nicht zu unterschätzende 230 Kilometer von Winterberg bis Duisburg. Andererseits dürfte auch der Bambini-Lauf mit 100 Kilometern immer noch alles andere als ein Kindergeburtstag werden, selbst wenn die Umschreibung das suggeriert.

Der Ultralauf findet alle zwei Jahre statt, Wagemutige und Ausdauernde haben deshalb erst im kommenden Jahr wieder die Gelegenheit, ihre Zähigkeit unter Beweis zu stellen. Aus gutem Grund steht die Veranstaltung nicht jedem interessierten Läufer offen und ist eher als privater Event zu verstehen. Die übliche Anmeldung ist hier also nicht möglich, für den Start braucht es entweder die Einladung durch die Veranstalter oder eine Empfehlung (durch ehemalige oder bereits eingeladene Teilnehmer). Daneben ist außerdem ein ärztliches Attest notwendig, denn diese Art von Ultralauf findet jenseits der Anstrengungen des „normalen“ Laufens statt. Ein Abenteuer und Erlebnis ist es für die „TorTouristen“ aber allemal.

Treppenhauslauf Essen

Übrigens, ebenfalls geeignet für Laufsportler auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, allerdings eher unter der Rubrik „Spaß-Veranstaltung“ ist der Treppenhauslauf in Essen. Der ist in jeder Hinsicht weit entfernt von Extremläufen wie der TorTour, unterschätzen sollten potenzielle Starter die 256 Stufen (das entspricht immerhin noch 68 Höhenmetern) allerdings auch nicht. Pluspunkt, neben der Aussicht von den Weststadttürmen, ist die Aussicht auf ein prominentes Starterfeld. Etagenkletterer sollten sich daher den 10. Juni im Kalender markieren.

Der Weg ist das Ziel – Trailrunning im Pott

Jetzt fühlt sich sicher nicht jeder Läufer zu Extremstleistungen berufen, sondern stellt stattdessen lieber den Spaßfaktor in den Mittelpunkt. Der lässt sich ja mitunter schon auf vergleichsweise kurzen Strecken finden, am besten auf solchen, die in ausreichendem Maße Abwechslung versprechen. Aus der Suche nach eben dieser Abwechslung ist schon vor Jahren das Trailrunning entstanden, das sich auch im Ruhrgebiet weiterhin wachsender Beliebtheit erfreut.

auch nicht, denn Trailrunner Der Weg ist das Zielfinden zwischen Stadtumfeld, alten Industrieparks und natürlicher Landschaft unzählige Möglichkeiten, um sich auszutoben und die Umgebung zu erkunden. Urban Trails, die nur bedingt in die freie Natur führen, sondern vielmehr auch innerhalb der Stadt absolviert werden können, sind dabei sogar wettbewerbsfähig – wenngleich der sportliche Vergleich bei solchen Veranstaltungen eher zweitrangig ist. Im Vordergrund stehen bei den in diesem Jahr erstmalig angebotenen Trail-Events das Mitmachen an sich und die erlaufenen Sehenswürdigkeiten.

Das Ruhrgebiet ist bei der Urban Trail Serie Deutschland überaus präsent – im Grunde genommen fällt nur die Auftaktveranstaltung durch Berlin-Spandau aus dem geografischen Rahmen, ansonsten sind mit Bochum (18. Juni 2017), Oberhausen (9. Juli 2017) und Dortmund (17. September 2017) nur Städte aus dem Revier vertreten. Die Teilnehmer können sich dabei auf Laufstrecken der ungewöhnlicheren Art freuen, in Bochum beispielsweise geht es nicht nur an der „Starlight Express“-Arena vorbei, sondern mitten hindurch. Mit ähnlichen Highlights kann auch in den anderen Städten gerechnet werden. Allerdings ist das Stadterlebnis der besonderen Art nur einem begrenzten Teilnehmerfeld zugänglich. Wer das Ruhrgebiet laufend und aus einer gänzlich neuen Perspektive kennenlernen möchte, sollte die Anmeldung nicht zu lange hinauszögern.

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