Nordic-Walking im Ruhrgebiet

Nordic-Walking ist momentan die Trendsportart Nr. 1 in Deutschland und breitet sich auch im Ruhrgebiet immer weiter aus. Kaum eine andere Sportart hat in den letzten Jahren so viele Menschen in Bewegung gebracht. Ein ausführlicher Bericht und ein Interview mit dem Centerleiter des DNV Nordic Fitness Center im Vest Recklinghausen Wolfgang Prohl.


[ruhr-guide] Obwohl Nordic-Walking ist momentan DIE TrendsportartNordic Walking erst in den letzten Jahren in das Bewußtsein der Massen vorgedrungen ist, die Sportart an sich ist schon viel älter. Erstmals versuchten in den 30er Jahren Skilangläufer im Sommer ihre Kondition mit dem Stocklauf zu verbessern. 50 Jahre später übten sich die Amerikaner im Pole Walking, aber erst nach der Entwicklung des modernen Stockes mit seinem Schlaufensystem durch die Firma Exel wurde die Sportart Nordic Walking 1997 in Finnland der Öffentlichkeit präsentiert.

Seitdem breitete sich der neue Fitnesssport rasend schnell aus: Anfang 2005 gab es in Deutschland schon über 2 Millionen Nordic Walker, über 10 Millionen überlegten zu diesem Zeitpunkt, die Sportart auszuprobieren. Nordic Walking kann bei geringen Investitionen an Zeit und Geld überall im Ruhrgebiet ausgeübt werden – und das, im Gegensatz beispielsweise zum Jogging, bei fast allen körperlichen Voraussetzungen und Einschränkungen.

Auf die Technik kommt es an

Beim Nordic Walking ist es mit der richtigen Technik möglich, ca. 90 % aller Muskeln im Körper zu trainieren und somit wesentlich mehr Energie zu verbrauchen als beim normalen Walking, also auch schneller Gewicht zu reduzieren. Die Mobilität des Körpers wird deutlich gesteigert und Verspannungen im Schulter und Nackenbereich gelockert. Beim Nordic Walking werden darüber hinaus Herz und Immunsystem gestärkt und die Sauerstoffzufuhr des Körpers verbessert. Und das auch noch gelenkschonend: die Belastung der unteren Wirbelsäule wird um ca. 8-10 % reduziert! Daher ist die Sportart besonders auch für Menschen mit Rückenleiden oder Knieproblemen geeignet und wird in der Rehabilitation und der Prävention eingesetzt. Viele Krankenkassen beteiligen sich bis zu 80 % an den Gebühren eines Nordic Walking Kurses. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die seelische Entspannung und das bewußte Naturerlebnis.

Die Ausrüstung

Die Beim Nordic Walking ist es mit der richtigen Technik möglich, ca. 90 % aller Muskeln im Körper zu trainierenAusrüstung ist im Vergleich zu anderen Sportarten vergleichsweise günstig: benötigt werden zum Anfang nur Turn- oder Wanderschuhe, wetterfeste Kleidung und Nordic Walking Stöcke. Diese sollten einen möglichst hohen Carbonanteil haben bzw. Vollcarbonstöcke sein, da Carbon wesentlich besser dämpft als Aluminium. Auch sind Stöcke aus diesem Material stabiler. Ungeeignet dagegen sind Teleskopstöcke, die man vom Wandern her kennt, da diese zu instabil sind. Die Stocklänge berechnet sich dabei nach folgender Formel: 0,66 mal Körpergröße. Stöcke werden mit unterschiedlichen Schlaufensystemen angeboten. Während die Stöcke der Firma Exel eher fortgeschrittenen Ansprüchen genügen, sind die Schlaufen von Leki einsteigerfreundlicher. Wer länger dabei bleibt, kann sich natürlich auch besondere Walkingschuhe zulegen oder mit Pulsuhr laufen.

Der Nordic Walking Park in der Haard

In nördlichen Ruhrgebiet hat sich besonders das Nordic Fitness Team e.V. aus Haltern verdient gemacht. Auf die Initiative dieses Vereines hin wurde in der Haard der Nordic Walking Park eingerichtet. Die Haard ist neben der Hohen Mark das größte geschlossene Waldgebiet im nördlichen Ruhrgebiet und bietet Naturgenuss pur! Dabei ist der Verein ungewöhnlich organisiert: Angestrebt wird keine hohe Mitgliederzahl, sondern alle 14 Vereinsmitglieder sind auch als Trainer usw. aktiv. Seit der Gründung im März 2003 hat das Nordic Fitness Center im Vest Recklinghausen des Deutschen Nordic Walking / Nordic Inline Verbandes (DNV) schon über 4.000 Teilnehmer in seinen Kursen an die Trendsportart herangeführt. Von Montags bis Freitags treffen sich die Teilnehmer an der Stadtmühle in Haltern am See. Ein Grundkurs mit 6-maligem Training zum Erlernen der Grundtechnik kostet dabei nur 45 Euro. Aber auch Gruppen können einen Trainer des Nordic Fitness Teams mieten, ab 6 Personen kostet dies 10 Euro pro Person a 90 Minuten. Auch ein Personaltraining und Jahreskarten sind im Angebot. Weitere Informationen finden Sie auf der folgenden Website: www.nordic-fitness.com

Manche Leser werden sich nun die Frage stellen, warum überhaupt ein Kurs – das sieht doch gar nicht so schwer aus. Dachten wir auch... Also haben wir uns einmal für Sie einen gestrafften Intensivkurs in der Westruper Heide angeschaut, von der richtigen Technik bis hin zu Koordinationsübungen wie dem Massai-Walk war alles dabei. Und wir müssen zugegeben: Es sieht wesentlich leichter aus, als die richtige Technik tatsächlich umzusetzen!

Wir haben bei Wolfgang Prohl, dem Centerleiter des DNV Nordic Fitness Center im Vest/Münsterland, nachgefragt:

Herr Prohl, Nordic Walking boomt, überall sieht man Menschen mit Stöcken laufen. Was fasziniert die Menschen an dieser Sportart?
Nordic Wolfgang Prohl, der Centerleiter des DNV Nordic Fitness Center im Vest/MünsterlandWalking ist ein Bewegungskonzept ohne Wettbewerb. Nordic Walking macht den Einstieg in Bewegung einfach. Zwei passgenaue (Carbon)Stöcke mit der nordischen Schlaufe und los geht es. So macht ein (Ganzkörper) Training Spaß. Das verstehen die Menschen.

Ist dabei ein Kurs wirklich sinnvoll?
Kurse sind für diejenigen sinnvoll, die Nordic Walking lernen und ihr ganzes Bewegungspotential ausschöpfen wollen. Kurse sind ein Angebot, keine Pflichtübung. Das gemeinsame Lernen in der Gruppe hilft. Der Mensch ist eben ein soziales Wesen und kein Einzelgänger.

Kann der Nordic Walking Novize nicht einfach so los laufen?
Gehen mit Stöcken kann jeder. Der Weg von der Stütze zum Trainingsgerät ist das Ziel. Hierfür hat der Deutsche Nordic Walking und Inline Skating Verband (DNV) eine bestimmte Technik, die ALFA-Technik 247, und eine bestimmte Methodik, die 7-Step-Methode, entwickelt.

Können Sie einmal die richtige Technik des Nordic Walking beschreiben?
Bilder sagen mehr als Worte. Stellen Sie sich eine schnürende Katze und geschmeidige raumgreifende Bewegungen vor. Richten Sie sich auf. Aktivieren Sie Ihre Zehenhebermuskulatur. Führen Sie die Stöcke in der Diagonaltechnik mit langem Arm vor und hinter dem Körper in einem Stockwinkel von 60 Grad. Schließen Sie die Hand vor dem Körper in Bauchnabelhöhe vollständig. Lassen Sie die Hand hinter dem Körper in Bauchnabelhöhe vollständig los. Aktivieren Sie Ihre Oberkörperrumpfmuskulatur und schieben Sie Ihren gesamten Körper mit den Stöcken. Die Bewegungsumfänge im Oberkörper bestimmen die Schrittlänge.

Welche Tipps können Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Lassen Sie los! Entspannen Sie sich regelmäßig mit Nordic Walking, hören Sie auf Ihren Körper und genießen Sie die Natur. Passen Sie Ihre Bewegungen, Stöcke, Schuhe und Kleidung der Jahreszeit und den Bodenverhältnissen an. Lassen Sie sich qualifiziert beraten und vertrauen Sie auf hochwertiges Material.

Den meisten Menschen ist nur Nordic Waking bekannt, allerdings verbergen sich hinter dem Oberbegriff Nordic Fitness noch andere Sportarten...
Nordic Fitness ist der Sammelbegriff für die Disziplinen Nordic Walking, Nordic Inline Skating, Nordic Snowshoeing/Schneeschuhlaufen und Nordic Skiing. Alle Disziplinen erschließen sich über die Nordic Walking Grundtechnik.

Wie ist die Idee zum Nordic Walking Park entstanden und welche Schwierigkeiten galt es bei der Umsetzung zu überwinden?
Die Nordic In der Haard lädt ein Nordic Walking Park einWalking Park Idee entstand im Januar 2003 anläßlich der Nordic Walking Ausbildung von Hardy Kleinefeld und Wolfgang Prohl in Bad Neuenahr. Die Idee reifte zum Tourismus-Konzept und wurde im November 2004 erstmalig dem kommunalen Führungsteam der Stadt Haltern am See vorgestellt. Die praktische Einweisung und Begutachtung eines Umsetzungskonzeptes erfolgte in Nieheim/Ostwestfalen. Am 23.02.2005 fand die konstituierende Sitzung der kommunalen Steuerungsgruppe unter Federführung des RVR (Ruhr Grün) statt. Teilnehmer waren die Bürgermeister der Städte Haltern am See, Datteln, Oer-Erkenschwick und Marl, der Kreis Recklinghausen/Untere Landschaftsbehörde, das Forstamt Recklinghausen, der Sauerländische Gebirgsverein und das Nordic Fitness Team e.V.. Problematisch waren von Anfang an die unterschiedlichen Interessenslagen in ökologischer, touristischer und wirtschaftlicher Hinsicht sowie die Eigentumsverhältnisse an den Parkflächen.

Als Kernprobleme kristallisierten sich nach mehreren Sitzungen der Steuerungs- und Arbeitsgruppe die ökologische Verträglichkeit des europaweit einheitlichen Beschilderungssystems in und zum Park sowie die Finanzierung heraus. In Folge der sensiblen Moderation und zielgerichteten Verhandlungsführung des RVR Ruhr Grün, Herr Wipf, konnten alle Eingaben der Träger öffentlicher Belange in Rekordzeit geklärt und der Haard-Walking-Park in Rekordzeit am 01.09.2005 eröffnet werden. Der Haard-Walking-Park mit seinen 7 profilierten Geländestrecken auf über 5.500 ha steht mithin für ein starkes Miteinander und ein exponiertes Private Public Partnership (ppp) Tourismusprojekt der 4 Haard-Anreiner-Städte im Verbund mit dem Kreis Recklinghausen, dem größten Landschaftsverband Deutschlands (RVR) und zwei privaten gemeinnützigen Vereinen (SGV, DNV Sektion Haltern am See).

Welche Ziele hat sich das Nordic Fitness Center im Vest/Münsterland für die Zukunft gesetzt?
Ziele des Nordic Fitness Center im Vest/Münsterland und des Parkbetreibers, des Nordic Fitness Team e.V., sind in erster Linie die weitere touristische Profilierung (u.a. über eine Zubringerbeschilderung) und der Ausbau des Haard-Walking-Parks im Naturpark Hohe Mark. Die Vernetzung des Parks mit den Tourismus-Agenturen der 4 Haard-Anreiner-Städte, mit den regionalen Tagungs-, Wellness- und Restaurationseinrichtungen sowie die überregionale Anbindung an den bundesweiten Binnentourismus einschließlich der Benelux-Länder. Die Marke Haard-Walking-Park wird als unverwechselbares (Bewegungs-) Kennzeichen und Gütesiegel der Region kontinuierlich weiterentwickelt.

Herr Prohl, wir danken Ihnen für das Gespräch!

(pk)

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