Die Bude. Trinkhallen im Ruhrgebiet.

Hinter dem Begriff Bude verstecken sich viele Bedeutungen: Bruchbude, Baubude, Studentenbude. Doch der aktuelle Bildband der Herner Fotografin Brigitte Kraemer befasst sich mit der "Bude" im Ruhrgebiet. Seit über einem halben Jahrhundert prägt sie als lebendiges Stück Ruhrgebietskultur das Straßenbild!


[ruhr-guide] Der aktuelle Bildband "Die Bude"Die Bude. Trinkhallen im Ruhrgebiet. der Herner Fotorafin Brigitte Kraemer, die sich über 3 Jahre mit dem Thema Kioske und Trinkhallen im Ruhrgebiet befasst hat, zeigt mit 150 Schwarz-Weiß-Aufnahmen sowie Texten von Frank Goosen, Dietmar Osses und Anne Overbeck die kleinen Verfaufsräume im ganzen Ruhrgebiet. Die Buden sind eine Institution im Revier und ein fester, konstanter Bestandteil des alltäglichen Lebens für viele Menschen im "Pott". Der Bildband erschien begleitend zur Sonderausstellung "Die Bude – Trinkhallen im Ruhrgebiet" des LWL-Industriemuseums Zeche Hannover vom März bis Juni 2009 in Bochum-Hordel: die rund 50 Fotografien von Brigitte Kraemer, die im Auftrag des Industriemuseums entstanden sind, wurden dort großflächig präsentiert.

Die Bude. Trinkhallen im Ruhrgebiet. "Ob Brigitte Kraemer Männer beim Feierabendbier zeigt oder einen Blick in die Räumlichkeiten hinter dem Budenfenster wirft: mit einprägsamer und genauer Beobachtung zeigen die Bilder das Besondere im Alltäglichen. Dabei verklärt die Fotografin das Leben an der Bude nicht zum Idyll, sondern zeigt auch Menschen, die vom Leben gezeichnet sind.", beschreibt Museumsleiter Dietmar Osses die Fotografien.

Das Phänomen "Die Bude"

DerBildband und die Ausstellung zeigen nicht nur die Fotografien zur Realität der Bude, sondern auch die Geschichte, den Mythos der Trinkhalle im Ruhrgebiet: Bereits im Mittelalter stand der Begriff Bude für einen einfachen Verkaufsstand. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert entstanden im Zuge der Industrialisierung die ersten Trinkhallen. Der Bergbau brachte die anfangs unter den Begriffen Seltersbude und Klümpkesbude laufenden Trinkhallen in das Ruhrgebiet, es entstandenen Verkaufshallen auf kleinstem Raum. Während Die Bude. Trinkhallen im Ruhrgebiet.sie nach dem Zweiten Weltkrieg oft als Existenzsicherung für Kriegsheimkehrer oder Bergmannswitwen dienten, erweiterten die Trinkhallen in der 1960ern ihr Warenangebot und entwickelten sich zu kleinen Kaufläden mit persönlichem Service und besonderen Öffnungszeiten. Besonders sympathisch und liebevoll ist das im Bildband erschiene Einzelfallbeispiel der Trinkhalle von Emmy Olschewski in Castrop-Rauxel, die über 75 Jahre existierte. Die Geschichte "Rat und Tat und Bunte Tüte" erzählt die Entwicklung einer typischen Bude aus der Sicht der Besitzerin. Hier wird für den Leser nachvollziehbar, was die Bude für die Menschen im Ruhrgebiet bis heute bedeutet.

Den besonderen Charme der Trinkhallen und Kioske im Ruhrgebiet wird in den Fotografien von Brigitte Kraemer deutlich: unaufdringlich – fast durchsichtig – entstanden in den Jahren 2006 bis 2008 Bilder, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Die Bude ist mehr als nur Verkaufsstand, sie ist Kommunikationsort mit sozialer Funktion, ein lebendiger Ort. Die Fotos blicken nicht nur auf die Besucher, sondern auch hinter das Budenfenster, in dessen Hinterzimmer sich oft der das ganze Leben der Inhaber abspielt. Die Bilder der Fotoserie sind Zeugnisse des ganz gewöhnlichen Lebens mit Texten von Frank Goosen (Bochumer Autor und Kabarettist), welche die Geschichte der Trinkhallen skizzieren. Der Bildband ist sehr gelungen: besonders interessant ist die Bilderserie für den im Ruhrgebiet Lebenden oder Aufgewachsenen. Es ist eine große Freude im Fotoverzeichnis nach Buden in der eigenen Umgebung zu suchen!

Bildband
Die Bude. Trinkhallen im Ruhrgebiet.

Fotografien von Brigitte Kraemer
Hg. Dietmar Osses
©2009 Klartext Verlag
136 Seiten, € 24,95
ISBN 978-3-8375-0061-5

(bs)

Fotos: Brigitte Kraemer

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