Grundlagen des populären Films: Filmwissen Western

Die unendlichen Weiten der Prärie. Ein stimmungsvoller Sonnenuntergang taucht das weite Land in ein rötliches Licht. Der einsame Cowboy reitet in die Ferne, weit und breit nur er, sein Pferd und das große Abenteuer. Selten hat ein Filmgenre derart typische Optiken entwickelt, wie es Western über die glanzvollen Jahre seiner Hochzeit geschafft hat. Helden und Ikonen sind ebenso aus ihnen hervorgegangen, wie romantische Bilder und stereotypische Figurencharakteristika, die bis ins heutige Filmgeschehen nachwirken. Der Kulturkritiker Georg Seeßlen hat sich für sein Werk "Grundlagen des populären Films: Filmwissen Western" eindringlich mit dem Gerne beschäftigt und erzählt von dessen Anfängen, über seine stärkste Epoche und die späteren dynamischen Veränderungen, die den heutigen Neowestern hervorbrachten.


[ruhr-guide] Das 292 Seiten starke Buch ist im Schüren Verlag erschienen und für jeden Westernfreund aber auch interessierte Neueinsteiger und Filminteressierte eine "Pflichtlektüre". Georg Seeßlen schafft mit seinem Buch über den Western und seine Grundlagen Beachtliches: Er nimmt sich diesem Filmwissen Western Bildquelle: Schüren Verlagbreiten Feld an, analysiert es und bringt in einem jederzeit gut leserlichen Schreibstil die enorme Anzahl der Fakten auf den Punkt. Neben seinem gesamten Filmwissen ordnet er darüber hinaus diverse politische und gesellschaftliche wie historische Kontexte zu, so dass dem Leser neben den Filmen auch alle zusammenhängenden Hintergründe offenbart werden. Kurz und bündig: Wer sich für den Western interessiert, sollte schleunigst zu Seeßlens "Grundlagen des populären Films: Filmwissen Western" greifen. Übrigens können auch Freunde des Detektivfilms aufatmen: Der Schüren Verlag hat diesem ebenso einen eigenen Band gewindet, wie dem Western: "Grundlagen des populären Films: Detektive" bietet alles zu Sherlock Holmes, Agatha Christie, Hammett und Chandler. Doch kehren wir zurück in den Wilden Westen!

Wurzeln und Anfänge: The Great Train Robbery

Nachdem auf den ersten 18 Seiten historische Informationen über die USA und ihre (Gründungs-)Geschichte gegeben werden, die als Wissensgrundlagen sowohl für den Inhalt der Filme als auch deren typischen Figuren und Handlungsmuster wichtig sind, steigt der Autor schnell in das Thema ein. Seeßlen schildert die Anfänge und geht auf die ersten Werke der Stummfilmzeit ein, die als erste Western klassifiziert werden können. Scheinbar mühelos gelingen dem Autor die Passagen der Anfänge. Wo andere trocken und schnöde werden, bleibt dieser Text interessant, informativ und schlüssig. Nicht zuletzt ist dies auf das umfassende Wissen Seeßlens zurückzuführen, der für annähernd jede Erklärung einen Beispieltitel nennen kann. So wird alles Genannte umgehend an praktischen Beispielen belegt und festgemacht. Der Leser erfährt nicht bloss, er erlebt den Western. Dies liegt auch an der Einbeziehung relevanter historischer Entwicklungen innerhalb der Filmwirtschaft, die sowohl Hollywood als auch die Filme nachdrücklich beeinflussten.

Der klassische Western und seine Hochzeit

Waren es in den Anfängen noch tonlose Stummfilme, hat sich mit der Zeit Stil und Typ des Westerns verändert. Das Filmgeschäft entwickelte sich rasch, Hollywood stieg zum Zentrum der amerikanischen Filmwirtschaft auf und sowohl Techniken als auch Strukturen der Filme wurden durch diese rapide Entwicklungen geprägt. Bald war der Kinofilm etabliert, technische Neuerungen sorgten für Ton und später für Farbe. Dies ebnete den Weg für den Western und läuteten seine Hochzeit ein. Eine Entwicklung, die Seeßlen jederzeit nachvollziehbar beschriebt und sowohl auf die inhaltlichen Veränderungen eingeht als auch die Etablierung wichtiger Persönlichkeiten (John Ford, John Wayne etc.) nicht aussen vor lässt. Die Stärke des Buches liegt eben in dieser umfasenden Betrachtungsweise, die nahezu alle nennenswerten Elemente aufzählt und erklärt, die zum Verständnis des Western-Mythos nützlich sind. So sind die Kapitel in Epochen gegliedert (bsp: Kapitel 4: "Die vierziger Jahre"), welche die Zeitspanne von Beginn an bis heute sinnvoll gliedern. In Unterkategorien sind die erwähnenswerten Gegebenheiten speziell erläutert, so dass einerseits jedes Vorkommnis in die Chronologie passt, aber ihm auch genügend Entfaltungsraum gegeben wird.

Heute: Veränderung und Variation

Neben dem Teil über den klassischen Western entwickelt Seeßlen eine detaillierte Betrachtung der neueren Ära, die durch Vermischung und Genre-Mixes das klassisch Vorhandene variiert und so Neues schafft. Sehr interessant sind die Beobachtungen zu Crossover-Vorkommnissen wie dem Western-Horror oder der komödiantischen Aufarbeitung diverser Motive als Parodien. Das Buch lässt keine Entwicklung unerwähnt und stellt sich im Laufe des Lesens als sehr aufwendig recherchierter Wissensbrunnen heraus. "Grundlagen des populären Films: Filmwissen Western" basiert zwar rein auf Text und ist daher enorm leseintensiv, für den Aufwand wird jedoch viel Information und umfangreiches Wissen geboten. Seeßlen arbeitet akribisch und genau, so das selbst für hartgesottene Westernkenner ein Kauf Sinn macht. Alle anderen Filminteressierten werden sich an den grundierten Beobachtungen erfreuen und durch die Lektüre Vieles aus der Welt des Westerns erfahren.

(mo)

Bildquelle: Schüren Verlag

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