Roman-Rezension: George Mann - Immorality Engine

Der dritte Fall aus dem Steampunk-Universum von Autor George Mann beschert dem Ermittlerduo der britischen Krone Sir Maurice Newbury und Miss Veronica Hobbes erneut ein kniffeliges Rätsel. Nach "Affinity Bridge" und "Osiris-Ritual" steht jetzt "Immorality Engine" in den Regalen der Buchhändler. Der Fund zweier identisch aussehender Leichen ist nur der Beginn eines Komplotts, der die Grundfeste des britischen Empire erschüttert. Anfang September ist "Immorality Engine" als kartoniertes Taschenbuch mit 432 Seiten für 16,99 Euro beim Piper Verlag erschienen.


[ruhr-guide] Als Scotland Yard die Leiche eines lange gesuchten Kriminellen findet, die meisterhaften, unter Immortality Engineseiner unverkennbaren Handschrift durchgeführten Einbrüche jedoch nicht abreißen, ist die Verwunderung groß. Newbury, Hobbes und Charles Bainbridge trauen ihren Augen kaum, als eine zweite, identisch aussehende Leiche gefunden wird. Newbury und Hobbes stossen bei ihren weiterem Ermittlungen nicht nur auf einen verschwörerischen Geheimbund, der unsagbare Experimente durchführt. Der Verlauf der Dinge führt sie zum Leibarzt von Queen Victoria, unter dessen Obhut Veronica Hobbes' hellsichtige Schwester steht. Darüber hinaus scheint der zweifelhafte Mediziner in abschweifenden Wissenschaften zu forschen. Bald überschlagen sich die Ereignisse. Es droht große Gefahr für Newbury, Hobbes, deren Schwester Amelia aber auch für das Königreich und seine Herrscherin. Die Konturen zwischen Gut und Böse verwischen ...

Steampunk in Serie

Nach wie vor ist das Steampunk-Genre ein heisses Thema in der phantastischen Literatur und anderer Bereiche der Unterhaltungskultur. Meist angesiedelt im Großbritannien des frühen 19. Jahrhunderts, handelt es sich um eine alternative Realität, in der technische Innovationen elementare Rollen spielen. Auch George Mann bescherte seinen Lesern in der "Newbury und Hobbes"-Reihe roboterähnliche Haushaltshilfen, Mensch-Maschinen-Hybriden und auch diesmal kommt wieder mehreren mechanischen Extravaganzen eine tragende Rolle zu. Zahnrädchen und metallene Konstrukte sind  in den variantenreichen Universen des Steampunk unersetzliche und stilbildende Merkmale. Die auf sechs Bände angelegte und im Original mit "The Newbury and Hobbes Investigations" betitelte Reihe nimmt mit dem dritten Roman "Immorality Engine" ordentlich an Fahrt auf. Waren die beiden vorangegangenen Abenteuer eher in sich geschlossene Fälle, bei denen nur hin und wieder das große Ganze um die Krone und deren Agieren im Fokus steht, ist nun die Existenz der gesamten Staatenordnung gefährdet. Die Queen sieht sich Terror, Verschwörungen und anderen Gefahren ausgesetzt, das Ermittler-Team in den Grundfesten seiner Überzeugungen getäuscht und verraten. Nichts ist so, wie es zunächst scheint.

Düstere Wolken über London

George Mann lenkt sein Werk in Richtung Beklemmung und Düsternis. Nicht nur, dass in “Immorality Engine” die Grundfeste der eisernen Monarchie dieses fiktiven Großbritanniens erschüttert wird, auch den einzelnen Figuren geht es an den Kragen. Während die stetige wie eiserne Herrschaft der durch Beatmungsmaschine und mechanisches Herz am Leben gehaltenen Königin Victoria durch einen verschwörerischen Terrorakt ins Wanken gebracht wird, versinkt Newbury immer tiefer im Drogensumpf aus Opium und Laudanum. Hobbes’ Kampf um das Wohl der leidenden Schwester zehrt hart an mentaler und körperlicher Kraft und selbst ein Haudegen wie Scotland Yard Inspektor Charles Bainbridge gerät in arge Bedrängnis. Mann schnürt das destruktive Geschehen immer fester zu: Victorias Entscheidungen werden erstmalig kritisch hinterfragt, ihr Handeln offenbart vermehrt fragwürdige Züge, welche die Hauptcharaktere in den unvermeidbaren Zwiespalt stürzen: Loyalität und Pflichtbewusstsein konkurrieren plötzlich mit aufgeklärter Denkweise, dem persönlichen Gewissen und Gerechtigkeitssinn. Abseits der Aufmerksamkeit von Krone und Scotland Yard spinnt ein verschwörerischer Geheimbund sein Netz auf Lügen und Intrigen. Wissenschaftler verlieren jegliche Moral, weitreichende gewaltsame Veränderungen drohen ihren Lauf zu nehmen.

"Immorality Engine" düsterer als die Vorgänger

Dass “Immorality Engine” komplexer als die Vorgänger gelungen ist, verdeutlicht sich nicht nur an den beschriebenen Inhaltsaspekten. Mann erzählt spannend, gibt in den einführenden Kapiteln einige Rätsel auf und spielt das Steampunk-Element erneut vortrefflich aus. Dann lässt er der Geschichte im Hauptteil gleich drei Teilhandlungen entwachsen, die alle Figuren involvieren. Spannende Kulissen, abgedrehte technische Gimmicks und unverkennbare Bezüge zur gesellschaftspolitischen Gegenwart unserer Realität fesseln bei der Lektüre. Der Roman endet mit appetitanregenden Ausblicken. George Mann versteht es, Spannung und Entwicklungsspielraum seiner Romanreihe zu gewährleisten. Man darf gespannt auf den nächsten Band warten, der für die zweite Hälfte 2013 angekündigt ist. Übrigens hält die Webseite des Autors georgemann.wordpress.com nicht nur aktuelle Information zu Schaffen und Werk parat, sondern auch ergänzende Kurzgeschichten aus dem Newbury und Hobbes-Universum, die kostenlos heruntergeladen werden können.

Lesen Sie auch unsere Rezension über den Vorgänger-Roman "Osiris Ritual".

(mo)

Bild: Piper Verlag

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