Von Flözen, Stollen und Schächten im Muttental

Damals war es der Sage nach ein Schweinehirte, der zufällig glühende "Steine" in seiner Feuerstelle fand, ganz in der Nähe von Witten, womöglich im Muttental. Dort wo die Erdgeschichte die Steinkohleflöze an die Erde treten ließ, führt heute der Bergbauwanderweg entlang. Vorbei an ehemaligen Zechen und Überbleibseln der ersten Generation des Bergbaus im Ruhrgebiet. Ein Wanderführer, erschienen im Klartext-Verlag, erzählt an verschiedenen Stationen die Bergbaugeschichte.


[ruhr-guide] Vielen Von Flözen,Stollen und Schächten im Muttentalwird das Muttental, in der Nähe von Witten, ein Begriff sein. Als Naherholungsgebiet ist es ein beliebtes Ausflugsziel. Das waldreiche Gebiet mit sanften Wiesentälern und zahlreiche Bächen, lädt zum Wandern ein. Die Landschaft erinnert so gar nicht mehr an die Zeit als der Bergbau und die hier arbeitenden Menschen die Gegend prägten. Oder doch? Folgt man dem Bergbauwanderweg durch das Tal, lassen sich immer wieder Spuren aus dieser Zeit entdecken. Stolleneingänge und Tageseinrichtungen der ehemaligen Zechen sind stumme Zeugen vergangenen Arbeitslebens.

Vergangene Arbeitswelt verständlich erzählt

Wie dieses Arbeitsleben aussah, das fragte sich auch Buchautor Gerhard Koetter. Auf einem Spaziergang erläuterte er Bekannten das eine oder andere Relikt jener Zeit. Doch bald schon stieß er an seine Grenzen. Einerseits stellte er fest, dass es gar nicht so einfach ist, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären, andererseits tauchten Fragen auf, auf die auch er keine Antwort wusste: "Warum wurde ein Stollen oder ein Schacht gerade an einer bestimmten Stelle in die Erde getrieben? Wie lagen Kohlenschichten in der Erde? Und wie baute man sie ab?" Der von ihm verfasste Wanderführer beantwortet diese und noch weitere Fragen. Auch dem Laien wird so die Arbeits- und Lebenswelt von damals verständlich und lebendig vor Augen geführt.

Technische und geologische Aspekte

Entlang des Bergbauwanderwegs erinnern rund 50 Stationen an die unterschiedlichen Phasen der 450-jährigen Bergbaugeschichte. An Originalschauplätzen sind die alten Stolleneingänge erhalten oder restauriert worden. Über ehemaligen Schächten wurden unterschiedliche Fördereinrichtungen wieder aufgebaut. Es gibt aber auch Orte, an denen sämtliche Spuren der Geschichte verschwunden sind. Das Buch setzt nicht auf einen systematischen oder chronologischen Aufbau. Eher soll Außenstehenden und interessierten Laien ein Einblick in die vergangene Zeit gewährt werden, wobei technische und geologische Aspekte verstärkt berücksichtigt sind. Damit es nicht zu abstrakt wird, veranschaulichen Zeichnungen sowohl Arbeitsabläufe als auch Struktur der Erdschichten sowie den Aufbau der Stollen und Flöze. An markanten Punkten wird aber auch daran erinnert, wie schwer und verlustreich das Leben der Bergleute war.

Fazit: Auch wenn alles über Tage besichtigt werden kann, geht es doch hinab in die Tiefen der Bergbaugeschichte. Das Buch ermöglicht einen beschwingten Wandertag mit ein wenig Erd-, Bergbau- und Sozialgeschichte.

Gerhard Koetter
Von Flözen, Stollen und Schächten im Muttental
Ein Wanderführer durch die Bergbaugeschichte an der Ruhr

Essen 2007, Klartext-Verlag, 63 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Zeichnungen, Zeittafel und Erklärung bergmännischer Fachausdrücke, ISBN: 978-3-89861-612-6, € 6,95

(sk)

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