dance in motion - Theater Hagen

Mit der Premiere von "dance in motion" hat das Theater Hagen nicht nur eine, sondern gleich drei wunderbare Inszenierungen auf die Bühne gebracht. "Klassisches Ballett" wäre an dieser Stelle die falsche Beschreibung, nennen wir es angenehm frisch und überraschend. Die drei Choreografien von Ricardo Fernando scheinen kaum einen Zusammenhang zu haben, was den Abend interessant und niemals langwierig werden lässt. In den Pausen kann man sich sammeln und wird somit nicht von den Reizen überflutet.

Archiv: 20.05.2011 [ruhr-guide] Eine Stadtszene, Passanten und dazu typische Straßenmusik. Ein Gewimmel und Gewusel Motion Trio, Bildrechte: theaterhagenzu flotten Akkordeonklängen. In der Stadt ist man tolerant, gewöhnt an Skandale. Männer tanzen mit Männern? Partner tauschen im Wechsel der Musik? Nicht der Rede wert im bewegten Stadtbild. Lustig geht es zu, wenn alle bei einer Zugfahrt durchgerüttelt werden. Am Ende tobt auch noch ein Kampf auf der Bühne. Die beeindruckende Musik des Motion-Trios ist wechselhaft und lebendig. Manchmal fröhlich, dann wieder ein bisschen melancholisch.


Der wunderbare Mandarin

Eine zeitlose Geschichte über die Großstadt und die dort herrschende Gefühlskälte. Eine Prostituierte wird von drei Der wunderbare Mandarin, Bildrechte: theaterhagen Strolchen gezwungen, Männer anzulocken, die daraufhin ausgeraubt werden sollen. Die ersten beiden Freier sind mittellos, doch der dritte ist der rätselhafte Mandarin. Sehr wohlhabend, doch nur noch eine Hülle. Maschinenhaft mutet die Gier nach dem Mädchen an, die ihm schließlich zum Verhängnis wird. Die drei Strolche wollen ihn ermorden, doch kann jemand, der nicht mehr richtig lebt, der kaum noch Mensch ist, sterben? Die Tanzpantomime "Der wunderbare Mandarin" wurde 1918 von Bèla Bartòk komponiert und 1926 in Köln uraufgeführt. Dort verursachte es einen riesigen Skandal und wurde bereits nach dem ersten Spieltag wieder abgesetzt. Die Handlung sei zu anrüchig hieß es. Ihn selbst verwunderten die Reaktionen, nie sollte es in die Richtung der Pornografie gehen, sondern ins Parabelhafte. Er bemühte sich sehr um weitere Aufführungen des Stückes, was zu seiner Lebzeit allerdings nicht mehr geschah. Der Zuschauer hat es mit einer Szenerie zu tun, die er aus dem Amsterdamer oder Hamburger Rotlichtvierteln kennen mag. Ein beleuchtetes Schaufenster mit einer posierenden Prostituierten und vorbeilaufenden Passanten. Ohne Probleme lässt sich das Stück in unsere Zeit adaptieren, nur der Titel und die Bezeichnung der Zuhälter als "Strolche" erinnert daran, dass das Stück fast 100 Jahre alt ist.

Der Fluss des Lebens

Nach dem Motto: Das Beste kommt zum Schluss, werden bei "dance in motion" beim dritten Teil alle Register gezückt. Der Fluss des Lebens, Bildrechte: theaterhagenZugegebenermaßen ist das Geschmackssache, aber eine Choreografie im Wasser ist etwas besonderes. Zu der Musik von Philip Glass tanzt das Hagener Ensemble auf einer Wasserschicht und lässt es wie das natürlichste der Welt erscheinen. Leichtes plätschern, dann spritzt das Wasser hoch hinauf, die Tänzer gleiten übers Wasser oder werfen sich hinein. Ein Tanz mit dem lebensspendendem Element, sprudelnd und frisch. Aber Wasser ist nicht nur unten, auch von obend rieselt es sanft herab, später prasselt es in großen Tropfen auf die Oberfläche. Spätestens wenn die Sonne sich vom Tag verabschiedet und die Kulisse in ein warmes Orange taucht, sitzt keiner mehr im Theater sondern draußen am Flussufer. Die Nacht bricht herein und die Musik wird leiser und leiser, bis nur noch das beruhigende Plätschern des Wassers zu hören ist. Die perfekte Wahl der Musik soll nicht unerwähnt bleiben. Die Kompositionen von Philip Glass, von Kritikern als "minimal music" bezeichnet, weisen zwar Wiederholungen auf, doch immer mit kleinen Änderungen. Als Charakterisierung für den Fluss des Lebens ist "Trio Concero" sehr gut, da es eine Atmosphäre der Stetigkeit, aber auch der Bewegung erzeugt.

Eine abwechslungsreiche Darbietung, die Lust auf Ballett macht. Schon das Plakat zieht den Blick an. Ein Mann mit schwarzem Kleid und Anzugschuhen in graziöser Verrenkung. "dance in motion" - Tanz in Bewegung - Verändert, anders, mit neuen Ideen und natürlich: Bewegend.

Termine

Mi 06.07.2011, 19:30 – 21:30

Preis

Normalpreis von 13,50 bis 33,70 Euro

theaterhagen
Elberfelder Str. 65
58095 Hagen

(eh)

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