Klavier-Festival Ruhr 2017

Das Ruhrgebiet stand kurz vor einem umwälzenden Prozess, dem sagenumwobenen Strukturwandel. Alles sollte anders werden, nichts würde mehr sein wie zuvor. In den Wirren jener Jahre, genauer gesagt im Jahr 1988, sagten sich drei Männer, dass das Ruhrgebiet etwas braucht, das der Zukunft neue Impulse verleiht. Das Klavier-Festival Ruhr war ihr erstes Projekt. Vom 5. Mai bis zum 20. Juli 2017 wird es wieder in über 20 Städten stattfinden.


[ruhr-guide] Die drei honorigen Herren waren niemand Klavier-Festival Ruhrgeringeres als der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, Rudolf von Bennigsen-Foerder, deutscher Industriemanager und langjähriger Vorstandsvorsitzender der VEBA AG und Franz Kardinal Hengsbach, der erste Bischof von Essen. Das Ruhrgebiet hatte seinen Ruf als ersten Industriestandort zu verlieren. Zeit, dem Pott ein neues Image zu verleihen. Mit Hilfe von Initiativen sollten "neues Bewusstsein und damit auch neue kulturelle Identifikations-möglichkeiten für die Menschen im Revier" geschaffen werden, schreibt Franz Xaver Ohnesorg, Intendant des Klavier-Festivals Ruhr und Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhrgebiet. So entstand die Idee des Klavier-Festivals Ruhr, das seither einmal im Jahr im Ruhrgebiet stattfindet und vielen Menschen diese Kunst zugänglich macht.

Jungen Menschen die Liebe zur Klaviermusik vermitteln

Ganz wichtig ist den Initiatoren die Nachwuchsförderung. Das geschieht in sehr unterschiedlichen Formen, denen doch eins gemein ist: Jungen Menschen die Liebe zur Klaviermusik zu vermitteln. Alljährlich werden beispielsweise Debütanten eingeladen, die bereits internationale Wettbewerbe gewonnen haben. In diesem Jahr wird der Kanadier Jan Lisiecki uns wieder beehren. Andere Projekte sind die "großen Klavierschulen der Gegenwart" vorzustellen oder die besten Studierenden deutscher und internationaler Musikschulen einzuladen. Mit den sogenannten Familien-Konzerten werden mit Stücken wie "Karneval der Tiere" oder auch Max Kruses Geschichte "Tausend Stiefel" Kids für die Musik sensibilisiert. Unter dem Motto "Discovery-Projekt" geht der Initiativkreis Ruhrgebiet in die Schulen: Im Unterricht können sich Kinder die Welt der Musik selbst erarbeiten.

Avantgardistische Stömungen und besondere Themenschwerpunkte

Ein besonderer Schwerpunkt des Festivals sind die „beiden Amerikas“. Seit 1996 wird dem Jazz Raum geboten, um auch avantgardistische Strömungen aufzugreifen.Jan Lisiecki, Foto: Mathias Bothor Insbesondere bildet immer wieder eine bestimmte Themenauswahl den Schwerpunkt während eines Festivals. Das können sowohl Pianisten wie Johannes Brahms und Franz Schubert sein als auch Länder wie 2002 die USA oder 2004 Österreich. So unterstützt das Klavierfestival die Nachwuchsförderung, die Bühne für Gegenwartsmusik und -musiker, zu dem sind die abwechselnden Themenschwerpunkte ein Kennzeichen des Festivals.

Drei Komponenten sichern das Klavier-Festival

Der Intendant schließt aus dem wachsenden Nelson Freire, Foto: (c)-Mat-HennekErfolg, dass insbesondere drei Komponenten gut miteinander kooperieren: die Künstler, die gerne wieder kommen, das interessierte Publikum und die Mitglieder des Initiativkreises Ruhrgebiet. Dazu gehören auch 68 Unternehmen, die als Sponsoren die Finanzierung der Veranstaltung erst möglich machen. Die Gründerväter von einst haben ihre Kontakte zu den Chefetagen genutzt. So zählen auch DAX-Unternehmen wie Commerzbank, Deutsche Telekom, Siemens oder ThyssenKrupp zu den Gönnern. Aber vorallem wird das Spezialchemie-Unternehmen Evonik das ganze Leitprojekt dieses Jahr als 10-jähriger Hauptsponsor begleiten. Mit diesem finanziellen Background und ein paar neuen Sponsoren wird die Realisierung des umfassenden und anspruchsvollen Programms hoffentlich auch in den nächsten Jahren gesichert sein, trotz Finanzkrise.

Überblick über das Programm 2017

Der besondere Programmschwerpunkt in diesem Jahr wird nach den Jahren 2002 und 2012 wieder Amerika sein. Anlass ist der 80. Geburtstags von Philip Glass am 31. Januar 2017, der Mitbegründer der Minimal Music, der auch vor Ort sein wird. Am Mittwoch, den 12. Juli wird er mit Maki Namekawa und Dennis Russell Davies im Weltkulturerbe Zeche Zollverein ein Dennis Russell Davies, Maki Namekawa und den Komponisten Philip Glass, Foto: Mark WohlrabProgramm mit eigenen Werken spielen. Der Preis des Klavier-Festivals Ruhr geht an diese drei Künstler für ihren Einsatz für zeitgenössische Klaviermusik. Der Fokus der in diesem Jahr gesetzt wird, zeigt, wie sich die verschiedenen Traditionen und Kulturen im "melting pot" Amerika in einer reichen Musikvielfalt ausdrücken. Somit werden in diesem Jahr auch 60 Werke von 31 nord- und südamerikanischen Komponisten erklinge!

Jazz und Nachwuchsförderung

Auch die Avantgarde kommt nicht zu kurz: Die "JazzLine" des Klavier-Festivals bietet dieses Jahr sogar acht exklusive Konzerte. Dazu zählt zudem "Jazz Extra" mit den Pianisten Chick Corea und Herbie Hancock. Außerdem darf sich der Zuhörer auf die internationale Pianisten-Elite freuen. Alle Konzerte bilden die Basis jenes sogenannten "Education-Programms". Das Programm besteht über das gesamte Jahr, findet aber im Festival seinen Höhepunkt.

Nähere Informationen zum diesjährigen Programm finden Sie unter: www.klavierfestival.de.

Klavier-Festival Ruhr

5. Mai - 20. Juli 2017

Bochum
Anneliese Brost Musikforum Ruhr
Jahrhunderthalle
Kunstmuseum
Zeche Holland

Bottrop
Kulturzentrum August Everding
Lokschuppen

Dortmund
Konzerthaus

Duisburg
Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium
Landschaftspark-Nord | Gebläsehalle
Lehmbruck Museum
Mercatorhalle im CityPalais

Düsseldorf
Museum Kunst Palast | Robert-Schumann-Saal

Essen
ChorForum
Grillo-Theater
Kokerei Zollverein
Museum Folkwang
Philarmonie
Zeche Zollverein

Essen-Werden
Folkwang Universität der Künste
Haus Fuhr

Gelsenkirchen
Hans-Sachs Haus
Musiktheater im Revier

Hagen
Emil Schumacher Museum | Kunstquartier Hagen

Hamm
Gustav-Lübcke-Museum Hamm

Hattingen
LWL-Industriemuseum | Henrichshütte

Herten Schloss Herten

Holzwickede
Haus Opherdicke

Hünxe
Wasserschloss Gartrop

Moers
Martinstift

Mülheim a. d. Ruhr
Stadthalle

Münster
LWL- Museum für Kunst und Kultur

Recklinghausen
Ruhrfestspielhaus

Rheda-Wiedenbrück
Fürstlich zu Bentheim-Tecklenburgische Kanzlei - Orangerie

Rheinberg
Stadthalle

Schwelm
Ibach-Haus

Wuppertal
Historische Stadthalle
Skulpturenpark


(sk)

Plakat: Klavier-Festival Ruhr
Foto 2: Mathias Bothor
Foto 3: Mat-Hennek
Foto 4: Mark Wohlrab

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