Musikzentrum Bochum

Diesen Herbst soll es endlich soweit sein: Bochums neues Kulturzentrum öffnet voraussichtlich drei Monate später als geplant seine Türen. Das "Musikzentrum" soll in Zukunft nicht nur zum neuen Zuhause der Bochumer Symphoniker werden, sondern auch Anlaufpunkt für alle Musik-Begeisterten und Kreativen. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren, damit die Bochumer ihr neues „Haus der Musik“ so bald wie möglich in Empfang nehmen können. In zukunftsweisender Manier soll es hier bald kulturellen Austausch, musikalische Bildung und Angebote für jeden Geschmack geben. Bei Bürgern und Politikern seit jeher umstritten, muss sich das Projekt immer wieder neuen Herausforderungen stellen.


[ruhr-guide] Modern, kreativ und vor allem offen - so soll es im neuen Musikforum der Stadt Bochum bald zugehen. Im Konzerthaus Ansicht, Foto: Bochumer SymphonikerHerzen der Innenstadt entsteht momentan ein neuer kultureller Anlaufpunkt für die Bewohner der Ruhrstadt. Unmittelbar in der Nähe der beliebten Ausgeh-Meile „Bermudadreieck“ und dem Schauspielhaus finden die Bochumer Symphoniker unter Steven Sloan einen neuen Ort des Schaffens. Darüber hinaus werden von der Musikschule regelmäßige Veranstaltungen für alle Altersgruppen geplant. So sollen nicht nur eingeschworene Musikfans auf ihre Kosten kommen, sondern auch Neulinge oder Besucher, die einfach mal musikalische Luft schnuppern wollen. Auch die Jugend wird hier nicht zu kurz kommen: Die Musikschule Bochum plant eine umfassende Jugendförderung, zum Beispiel bei der Durchführung des jährlichen Europäischen Jugend-Orchesters oder des Projekts „Jugend Musiziert“. Im Musikzentrum soll allerdings nicht nur die musikalische Elite ein und aus gehen, sondern jeder, der Interesse an Musik zeigt und sich beispielsweise bei Workshops ausprobieren oder weiterbilden möchte.

Kritische Stimmen am Bau des Musikzentrums

Die Bochumer stehen dem Bau des Musikforums mit gemischten Gefühlen entgegen. Viele freuen sich auf die neue kulturelle Hochburg, wie die privaten Spenden in Höhe von etwa 14,6 Millionen Euro beweisen, doch andere sind mit Blick auf die Kosten eher skeptisch. Die Kritiker fragen sich, ob die Stadt neben dem Schauspielhaus in der Innenstadt ein weiteres Kulturzentrum braucht und wie die Haushaltskasse das millionenschwere Projekt stemmen kann. Auf fast 40 Millionen Euro sind die Kosten des Projekts nun gestiegen, dessen Kosten bisher ursprünglich auf knapp über 30 Millionen Euro geschätzt waren. Im Jahr 2012 gab es sogar eine Bürgerinitiative zu dem Thema. Fast 15.000 Bürger sprachen sich damals für eine Volksabstimmung über das Schicksal des Musikzentrums aus. Der Antrag wurde allerdings abgelehnt und auch die spätere Klage seitens des Bürgerbegehrens konnte nichts ausrichten. Seither befindet sich das umstrittene Projekt in der Bauphase.

Eröffnungstermin im Herbst 2016

Auch der Zeitplan des Projektes geriet in den letzten Monaten ins wanken. Ursprünglich war die Eröffnung des Forums schon für den 31. März Innenansicht Musikzentrum, Foto: Thorsten Schnorrbusch2016 geplant. Diese Prognose stellte sich jedoch als zu optimistisch heraus, da die verantwortlichen erneut einigen Problemen gegenüberstanden. Schuld an der Verzögerung des Baus um rund drei Monate ist unter anderem die Heizungsbaufirma, welche Anfang September mitsamt ihrem Material von der Bildfläche verschwand und seitdem auf keinerlei Kontaktversuche reagiert. Ein Skandal für viele Bochumer. Auch die für den Bau notwendigen EU-Fördergelder sind durch die Verzögerung in Gefahr. Kritiker glauben, das Projekt könne sich somit allzu negativ auf die Haushaltskasse der Stadt Bochum auswirken. Trotz allem soll der Bau nun Ende August fertiggestellt sein, sodass einer Eröffnung im Herbst 2016 nichts mehr im Wege stehen sollte.

Schon jetzt stellt der markante Anbau an die Marienkirche eine Landmarke im VictoriaQuartier dar. In den letzten Monaten wurden die letzten Gerüste um das Musikforum abgebaut, sodass die Arbeiten endlich Form annehmen. Zu den Räumlichkeiten zählen ein großer Saal mit Bühne und etwa 1.000 Sitzplätzen, ein großer „Open Space“, welcher für für Lesungen oder kleinere Konzerte gedacht ist, sowie diverse Workshop- und Präsentationsräume. Zum klangvollen Highlight wird die Verbindung des neuen Aufführungssaals mit dem kleineren Musiksaal in der Marienkirche. Der Saal wird flexibel nutzbar sein und Platz für weitere 200-400 Besucher bieten.

Neues, kreatives Zentrum

Dem VictoriaQuartier kreatives Leben einhauchen - so lautet der Plan. Angeschlossen an die ehemalige St. Marien Kirche im Bochumer Luftaufnahme des Musikzentrums, Foto: Bochumer SymphonikerZentrum soll der Musiktempel für frischen Wind in der kreativen Branche sorgen. Ein reger Austausch zwischen musikalischer „Hochkultur“ und freier musikalischer Szene sorgt für eine breite Spanne an Angeboten. In Kooperation mit den Hochschulen der Stadt kann hier ein neues Wissenschaftszentrum entstehen, bei dem vom Schnupperkurs bis hin zum wissenschaftlichen Kongress alles vertreten ist.

Selbstverständlich werden die Bochumer Symphoniker einen Großteil des Programms liefern. Seit Jahren gehören sie zu den erfolgreichsten Orchestern des Landes. Mit der neuen Spielstätte erhalten die Symphoniker endlich eine feste und angemessene Spielstätte. In Zukunft dürfen sich alle Fans der „Bosys“ also auf mehr Vorstellungen und Konzerte freuen. Unter Generalmusikdirektor Steven Sloane begeistern sie schon seit langem Besucher aus der gesamten Region. Der Dirigent machte in der Vergangenheit durch Großereignisse wie „iSing“ in der Arena auf Schalke oder das „Hans Werner Henze-Projekt“ auf sich aufmerksam. Bei seinen Projekten vereint er musikalische Hochkultur mit volksnahen Aspekten und setzt sich darüber hinaus für die Nachwuchsförderung ein. In Zukunft sind auch verschiedene Events wie öffentliche Proben oder die Open Air-Bespielung des Marienplatzes geplant.

Ein Haus der Musik für Bochum

Das Projekt „Musikzentrum Bochum“ ist umstritten – keine Frage. Trotz Allem entsteht inmitten der Bochumer Innenstadt nun ein weiterer kultureller Mittelpunkt der Region. Mit einem der besten Orchester des Landes, der fortschrittlichen Musikschule und diversen kulturellen Einrichtungen ist das Musikforum auf bestem Wege, schon bald Anziehungspunkt für Besucher aus Bochum und Umgebung zu werden. Ein „offenes Haus der Musik“ für alle Musikinteressierten und die Vermittlung zwischen verschiedenen Genres und Kulturen – so planen es die Verantwortlichen. Wenn von nun an alles glatt läuft, dann dürfen die Bochumer ihr neues Musikzentrum Ende 2016 endlich in Empfang nehmen.

Musikzentrum Bochum

An der Victoriastraße, angebaut an die Marienkirche; VictoriaQuartier Bochum

Weitere Infos:

www.musikzentrum.bochum.de

www.bochumer-symphoniker.de

Fotos: Luftaufnahme und Modell-Foto: Stadt Bochum, Baustellen Innenansichten: Thorsten Schnorrbusch

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