Neue Mondpalast-Komödie: Die Indianer vom Revier

So lustig war das Kumpelleben - mit Schlabberkappes und einmal täglich Grubenunglück! Der neue Mondpalast-Spaß "Die Indianer vom Revier" geht dem Metropolen-Fimmel der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 mit Hammer und Spitzhacke an den Kragen. Kaum ein Pott-Klischee, das Erfolgsautor Sigi Domke und Regisseur Thomas Rech nicht aufs Korn nehmen – ironisch, vergnüglich und mit staubtrockener Ruhrie-Chuzpe, die die Mondpalast-Fans so lieben. Premiere war im Oktober 2010. Schnell Tickets sichern!


[JBH] Bergmann Willi Küppers, gespielt von Axel Schönnenberg („Wat ’ne herrliche Welt“), quält im Traum eine grausameAxel Schönnenberg, Thomas Rech, Christian stratmann Bildquelle: Quickels-Foto Zukunftsvision. Das Ruhrgebiet der 1950er Jahre, wie er es kennt, gibt es nicht mehr. Die Zechen sind dicht, die Bergleute arbeitslos. Jobs finden sie nur im neuen „Infotainment-Parc Ruhr“, der Touristen aus aller Welt anlockt. Damit es dort auch richtig spannend zugeht, braucht man Willi, den langen Schlaks, seine Familie und Nachbarn. So müssen sich die „Eingeborenen“ über Schlabberkappes in der Bergmannsküche freuen, bevor ein Grubenunglück das inszenierte Idyll durchschüttelt. Irgendwann fühlt sich Willi wie ein Indianer beim Regentanz im Reservat und probt den Aufstand.


Steilvorlagen für das Ensemble

Das neue Stück von Sigi Domke nimmt mit satirischem Witz gigantische Metropolen-Projekte wie die Ruhr.2010 aufs Korn. In ihrer überdrehten Gedankenwelt  – so sehen es Domke und Rech – bleibt dem echten Ruhri nur noch eine Statistenrolle auf der Museumsbühne. Für das spielfreudige Mondpalast-Ensemble bietet diese Story viele Steilvorlagen; Martin Zaik gibt den US-Manager McCarson mit Dollarzeichen in den Augen, Maewa Ferstl die frustrierte Ösi-Assistentin Jasmin, die mit Küppers-Sohn Andi (Dirk Emmerich) ins Esoterische abdriftet. Annette Weitzmann ist Ilse-Fatima Przybulski, die im Freizeitpark als „italienische Gastarbeiterin“ besetzt wird. Richtig deftig wird der Plot durch Willis Ehefrau Gertrud (Ute Schütgens), die mit dem abgehalfterten Drehbuchschreiber del Castro (Thorsten Brunow) ein Krösken anfängt, und die tüddelige Oma Herta (Silke Volkner).

Kleine Komödie – ganz groß

Die Indianer vom Revier ist ein großer Spaß. Wem nun der Titel der Komödie bekannt vorkommt, liegt Die Indianer vom Revier Bildquelle: Quickels-Fotodurchaus richtig. Inspiriert durch die hochfliegenden Projektideen der Ruhr.2010 verpasste Dramaturg Sigi Domke einer kleinen Komödie aus dem Jahr 1999 ein umfassendes Update mit neuen Szenen und neuen Charakteren, angepasst auf die spielerischen und technischen Möglichkeiten der großen Mondpalast-Bühne. Domke: „Ich halte ‚Die Indianer vom Revier’ für eins meiner witzigsten Stücke. Durch die Überarbeitung hat es richtig gewonnen. Ich freue mich sehr, es wieder auf der Bühne zu sehen.“

Drehbühne für Untertage

Apropos Bühne – auch Bühnenbildner Matthias Handrick ließ sich vom „Größenwahn“ der Großkultur anstecken. Er entwarf eine Drehbühne, um die Untertage-Szenen der Komödie optimal darstellen zu können. Wo die „Flurwoche“ in zwei verschiedenen Stockwerken spielt, da stehen den Schauspielern in der neuen Produktion zwei voneinander getrennte Räume zur Verfügung, die innerhalb einer Szene gedreht werden können. Regisseur Thomas Rech: „Nicht nur schauspielerisch, auch beim Bühnenbild bieten wir unseren Gästen immer wieder etwas Neues. Mit der sehr aufwändigen Drehbühne ist uns ein echter Coup gelungen.“

Bildquelle: Quickels-Foto

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