Oliver Polak - "Jud, süß sauer"

Da Menschen scheinbar am liebsten über sich selbst lachen, ist in der deutschen Comedy-Szene gerade nichts beliebter als Randgruppen-Vertreter, die ihrem Publikum einen großen "Political-Correctness-Spiegel" vorhalten. Wenn Zuschauer dann im Chor Prominente in "normal" und "Jude" kategorisieren, steht Oliver Polak auf der Bühne. Ein junger Emsländer, der die Reflektion seiner Vita zum Thema des Abends macht. Ein deutscher Jude, der zu berichten weiß wie es ist, nicht besonders sondern anders zu sein. Mit seiner "Jud, süß sauer"-Show ist er auch 2011 im Ruhrgebiet zu Gast.


Archiv: 11.03.2010 [ruhr-guide] Oliver Polak, Sohn einer jüdischenOliver Polak Familie aus Papenburg im Emsland, der den Judenwitz zu seinem Job gemacht hat. "Ich darf das, ich bin Jude", so der Titel seines autobiografischen Buches, welches bei Kiepenheuer und Witsch erschienen ist. Auf der dazugehörigen Lesereise wurde er vom Geheimtip zur neuen Comedy-Hoffnung. Seine Pointen sind meistens witzig, häufig selbstironisch und zum Teil nahezu grenzwertig. Er selbst begreift sich weniger als provokant, sondern eher als schwarzhumorig und möchte weder ein Maßstab für politische Korrektheit darstellen, noch die ewig jammernde Minderheit sein. Er plädiert sogar im Vorwort seines Buches für einen unverkrampfteren Umgang mit dem Nationalsozialismus, halte man davon, was man wolle. "Wie lange ist diese dumme Geschichte jetzt her? Über 60 Jahre? Treffen wir doch für die Dauer der Lektüre folgende Vereinbarung. Ich vergesse die Sache mit dem Holocaust und Sie verzeihen uns Michel Friedmann."


Jud, süß-sauer

Zur Zeit tourt Oliver Polak mit seiner Live-Show Oliver Polak"Jud, süß-sauer" auf deutschen Bühnen. Ein Versuch den jüdischen Humor zurück in die Schrankkombination der deutschen Wirklichkeit zu stellen. Was Amerikaner wie Woody Allen oder Sarah Silverman seit Jahrzehnten mit einer Beharrlichkeit durchziehen, transformiert Polak in die deutsche Comedy-Szene: Er macht Scherze über Tabus, Ressentiments und seine Erfahrungen als jüdisches Kind in deutschen Kleinstädten. Ob nun als therapheutische Maßnahme, als Befreiungsschlag oder als Bekenntnis - Oliver Polaks Humor macht Spaß und ist gesund. Und auch dessen Grenzen kennt der 32 jährige. "Jud süß-sauer", sagt Polak, ist ein prima Titel für das Programm. "Ein Jude gibt Vollgas!" wäre völlig daneben.

Oliver Polak - "Jud, süß sauer"



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