Ruhrtriennale 2013

Vom 23. August bis 6. Oktober 2013 zeigt die Ruhrtriennale wieder künstlerische Darbietungen verschiedener Genres. Musiktheater, Tanz und zeitgenössische Kunst treffen auf Orte der Industriekultur in sechs verschiedenen Städten im Ruhrgebiet. Über 150 Veranstaltungen, darunter zahlreiche Uraufführungen, laden das Publikum ein, außergewöhnliche Kultur zu erleben. Ein Highlight ist die Zusammenarbeit von Adam Curtis mit Massive Attack, die hier ihr einziges Konzert 2013 in Deutschland spielen. Der Vorverkauf läuft.


Archiv: 21.08.2013 [ruhr-guide] Im Jahr 2002 wird die erste Ruhrtriennale Chromelodeon Delusion of the Fury by Michael Blötterunter der Leitung von Gründungsintendant Gerard Mortier inszeniert. Die Veranstaltung soll fortan immer drei Jahre unter der künstlerischen Leitung eines Intendanten stehen. Schon bei der ersten Ruhrtriennale steht das Konzept, das bis heute gilt, fest: Spartenübergreifend wird Kunst an Orten der Industriekultur im Dialog mit diesen präsentiert. So rücken stillgelegte Zechen und verlassene Hallen in den Fokus als Austragungsorte kultureller Veranstaltungen.

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Ruhrtriennale 2013

Die Ruhrtriennale vom 23. August bis 6. Oktober 2013 steht unter der künstlerischen Leitung von Heiner Goebbels. Für Uraufführungen und Neuproduktionen hält er auch in seinem zweiten Jahr an der Zusammenarbeit mit bedeutenden internationalen Künstlerinnen und Künstlern fest. Zudem baut er den Dialog mit der Bildenden Kunst aus. Das internationale Festival der Künste zeigt Musiktheater, Tanz, Konzert, Film und zeitgenössische Kunst an industriekulturellen Stätten in Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen und Gladbeck. So bringen zahlreiche Künstlerinnen und Künstler dieses Jahr über 150 Veranstaltungen, 43 Produktionen, darunter rund 20 Uraufführungen, Neuproduktionen, Europäische Erstaufführungen und Deutschlandpremieren auf die Bühnen des Ruhrgebiets.

Viele Höhepunkte in verschiedenen Genres der Kunst

Bereits die Eröffnungsproduktion „Delusion of the Fury“ von Harry Partch gilt als einer der Höhepunkte des Festivals. Der originellste amerikanische Komponist entwarf neben einem eigenen Tonsystem ein vielseitiges Instrumentarium. Die Inszenierung von Heiner Goebbels entsteht in Zusammenarbeit mit dem Ensemble musikFabrik, das hierfür die Instrumente Partchs nachbaut. „Delusion of the Fury“ (1965/66) ist nicht nur Harry Partchs (1901-1974) letztes großes Musiktheater, sondern gilt zugleich als Höhepunkt seines Schaffens.

Dirigiert von Emilio Pomàrico wird Helmut Lachenmanns „Das Mädchen mit den ChorWerk Ruhr / Ensemble Resonanz by Martin Holtappels, LWL-IndustriemuseumSchwefelhölzern“ mit dem hr-Symphonieorchester aufgeführt. Die Oper nach Texten von Hans Christian Andersen, Gudrun Ensslin und Leonardo da Vinci gilt als wegweisendes Musiktheater. Für die Ruhrtriennale werden Raum-, Bühnen- und Lichtkonzept eigens auf die Jahrhunderthalle Bochum zugeschnitten.

Ein langjähriger Partner der Ruhrtriennale ist das Ensemble ChorWerk Ruhr, das sich aus hochprofessionellen jungen Stimmen zusammensetzt. Gemeinsam mit dem Ensemble Resonanz gibt ChorWerk Ruhr ein Konzert mit John Taveners „Ikon of Light“ und Arvo Pärts „Trisaigon“ (dreimal heilig) und „Te Deum“. Kulisse für dieses klangvolle Werk ist die Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund.

Von der Magie des Tanzes werden dieses Jahr u. a. die Halde Haniel und die Jahrhunderthalle verzaubert. So verwandeln 24 Tänzer unter der Leitung von Boris Charmatz die Halde in Bottrop zu einem Open-Air-Tanzsaal, wenn sie „Levée des conflits“ (Die Aufhebung der Konflikte) darbieten. Durch den Wechsel an einen neuen ungewöhnlichen Ort erfährt das Stück eine neue Bedeutung und schwankt zwischen Skulptur, Installation, Tanz und 'Contrat social'. In Bochum hingegen arbeiten zwei belgische Ausnahme-Ensembles zusammen: Die Kompagnie ROSAS von Anne Teresa De Keersmaeker und das Ictus Ensemble, das den Fokus auf Neue Musik legt. Ihre Choreographie zu „Vortex Temporum“ (Zeitwirbel/Zeitstrudel), dem Spätwerk des französischen Komponisten Gérard Grisey, steht im Dialog mit dem Raum der Jahrhunderthalle.

Eine Besonderheit Vortex Temporum by Anne Van Aershotbei der Ruhrtriennale 2013 sind die Ciné-Concerts, in denen die beiden Medien Film und Musik eine Koexistenz miteinander eingehen. Zwei der verschiedenen Ansätze das Verhältnis von Ton und Bild zu reflektieren sind zum einen die Zusammenarbeit des politischen BBC-Dokumentaristen Adam Curtis mit Massive Attack, die gemeinsam nach Bildern für die Unsichtbarkeit politischer Machtverhältnisse suchen. Die Performance der Musik Robert Del Najas ist ein absolutes Highlight des internationalen Kunstfestivals und der einzige Auftritt, den Massive Attack 2013 in Deutschland spielen. Ein anderer Ansatz ist die neue Vertonung des Stummfilmklassikers „Metropolis“ durch ACTUAL REMIX mit einem modernen Soundtrack. Die Bilder der unterirdischen Bergarbeiter-Welt werden im derben Ambiente der eindrucksvollen Kulisse der Gießhalle des Duisburger Landschaftspark präsentiert. Das Verhältnis von Bild und Ton wird in diversen Installationen und performativen Produktionen weitergeführt.

Diese und zahlreiche weitere Produktionen ziehen das Publikum bei der Massive Attack V Adam Curtis by Massive Attack & Adam CurtisRuhrtriennale 2013 in ihren Bann. Zum Austausch über das Gesehene und Gehörte laden nach den Veranstaltungen die „freitagsküche“ und die „tumbletalks“ ein. In der „freitagsküche“ treffen sich Künstler und Publikum zum gemeinsamen Essen und Reden. Bei den sonntäglichen „tumbletalks“ im Museum Folkwang wird zwar nicht gegessen, dafür aber alles andere, was einem zur Kultur einfällt. Reden, schweigen, rumstehen, tanzen, denken: nichts ist vorgegeben – alles ist erlaubt in den „tumbletalks“ (tumble = Unordnung, Durcheinander). Die einzige Spielregel, die hier gilt, ist die älteste, die es im Theater gibt: die Aristotelische Einheit von Ort, Zeit und Handlung. Alles geschieht hier und jetzt.

Children's Choice Awards

Bereits 2012 gab es bei der Ruhrtriennale eine besondere Jury, die die Aufführungen nach ihren eigenen Kriterien beurteilte: Kinder. Zu den selbstentwickelten Kategorien gehörten u. a. „Der beste Sound“, „Die Show, in der ich am meisten gelacht habe“ oder „Die Show, aus der ich fast rausgegangen wäre“. Auch 2013 besteht die Festivaljury aus 100 Kindern aus dem Ruhrgebiet, die die Beiträge des Festivals beurteilen. Die Preisverleihung findet am 6. Oktober um 16 Uhr in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord statt.

Ob Tanz, Oper, Bildende Kunst, Konzert oder Ciné-Concert: Das Programm der Ruhrtriennale ist so vielfältig wie die Kulturwelt selbst. In sechs Städten im Ruhrgebiet erfährt das Publikum visuelle und klangliche Darbietungen im Dialog mit stillgelegten Orten der Industrie.

Ruhrtriennale 2013

23. August - 6. Oktober 2013

www.ruhrtriennale.de

(mg)

Fotos:
Chromelodeon Delusion of the Fury: © Michael Bölter, 2012
ChorWerk Ruhr / Ensemble Resonanz: © Martin Holtappels, LWL-Industriemuseum
De Keersmaeker / Grisey: Vortex Temporum: © Anne Van Aershot
Massive Attack V Adam Curtis: © Massive Attack & Adam Curtis

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