Tun – Leiden – Lernen

Mit einer antiken Tragödie startete das Grillo Theater in Essen in die neue Spielzeit. Jungregisseur Roger Vontobel wagte sich an Aischylos "Orestie" und überzeugte mit seiner Interpretation der griechischen Tragödie.


Archiv: 24.09.2008 [ruhr-guide] Vontobel, Jahrgang 1977,
 Vor dem hohen Gericht: Orest und Elektra. Foto: Schauspiel Essen/Carola Hölting
Vor dem hohen Gericht: Orest und Elektra. Foto: Schauspiel Essen/Carola Hölting
stellt die "jungen Wilden" in den Mittelpunkt der Essener "Orestie". Matthias Eberle gibt in der Rolle des Orest sofort einen glanzvollen Einstand auf der Grillo-Bühne und die wunderbare Barbara Hirt, mit antiken Stoffen seit ihrer überzeugenden Darstellung der Ismene in David Böschs Frühjahrsproduktion "Antigone" bestens vertraut, überzeugt auch hier in der Rolle Elektras. Hirt spielt leidenschaftlich und verleiht Elektra neben jugendlichem Trotz vor allem viel Gefühl. Neben ihr glänzen Nadja Robiné (Kassandra) und Judith van der Werff (Klytaimestra). Werner Strenger zeigt einen liebevollen König Argamemnon, der nach dem Sieg über Troja nach Argos zurückkehrt und nicht ahnt, welche mörderischen Pläne seine Gattin und ihr Liebhaber Aigisth (Jonas Gruber) haben.

Vontobel führt die Zuschauer langsam in die Familiengeschichte ein und lässt bereits in den ersten Szenen das göttliche Gesetz "Tun – Leiden – Lernen" verkünden. Orest hat vor der Pause nicht viel zu tun, will er doch den Vatermord rächen. Vontobel lässt den Helden in der ersten Publikumsreihe Platz nehmen und das Geschehen verfolgen. Die einfach gestaltete Bühne (Claudia Rohner) wird in der Mitte von einer großen Papierwand eingenommen, hinter der Klytaimestra schließlich ihre Bluttat begeht.

Vontobel spart hier nicht mit Blut und später mit Schlamm, denn nach der Pause regnet es in Essens Stadttheater und die Schauspieler haben mit dem rutschigen Matsch auf der Bühne zu kämpfen. Orest kehrt in seine Heimatstadt zurück und rächt den toten Vater durch weitere Morde. Seine Mutter und Aigisth sind die Opfer seines Rachefeldzugs. Hilft ihm zuvor noch seine Schwester Elektra, ist er nach der Tat völlig allein mit seinen Schuldgefühlen. Ihm offenbaren sich die Erinnyen (nackt und blutverschmiert) – doch Orest kommt vor diesem Gericht nicht zu Wort. Der ewige Kreis aus Blutschuld und –rache wird hier nicht geschlossen, Orest ist auch in der Schlussszene – wie schon zu Beginn – auf der Flucht. Eine tolle Regie- und Schauspielleistung, die zu Recht mit tosendem Premierenapplaus belohnt wurde.

Die nächsten Termine:

27. November

Karten kosten je nach Platzkategorie zwischen 8 und 21 Euro und können online unter www.schauspiel-essen.de, telefonisch unter 0201 8122200 reserviert oder vor Ort im TicketCenter, I.Hagen 26, 45127 Essen, gekauft werden.

(ms)

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