Das Ruhrgebiet blickt nach Japan

Das 15. Filmfestival "Blicke aus dem Ruhrgebiet" ist zu Ende - der Mülheimer Filmemacher Rainer Komers erhält den interkulturellen "Schmelztiegel-Preis" für sein Portrait über die japanische Metropole Kobe. Der Kemnader Kreis stiftet 1.500 Euro.


[JBH]. Eine Millionenmetropole im Umbruch - Aus Mülheim nach Japan: Für seine Dokumentation über Kobe überreichte Kemnader Kreis-Mitglied Hugo Fiege (links) beim 15. "Blicke"-Festival in Bochum-Langendreer den "Schmelztiegel-Preis" für Interkulturalität an den Filmemacher Rainer Komers.mit einem filmischen Portrait der japanischen Stadt Kobe hat der Mülheimer Filmemacher Rainer Komers die Jury des 15. Filmfestivals "Blicke aus dem Ruhrgebiet" überzeugt. Im Kino des Kulturzentrums Bahnhof-Langendreer in Bochum zeichnete sie den 63-Jährigen am Sonntag, 25. November, mit dem "Schmelztiegel-Preis" für Interkulturalität aus. Stifter des mit 1.500 Euro dotierten Preises ist der Kemnader Kreis - ein Zusammenschluss von rund 50 Bochumer Unternehmern und Bürgern, die kulturelles Interesse und soziales Engagement miteinander verbinden.

"Der Film gibt wunderbare Einblicke in die japanische Kultur und in die Geschichte einer Stadt - und das ohne sich bei Klischees zu bedienen", begründet Jury-Mitglied Stefanie Görtz die Entscheidung. "Dabei kommt er vollkommen ohne Sprache aus. Alles wird über die Bilder und den Ton transportiert. Dadurch hat er fast etwas Meditatives."

Regionen im Umbruch

Die Idee zu der 45-minütigen Dokumentation: 1995 wurde Kobe durch ein Erdbeben größtenteils zerstört - heute prägen viele moderne Stadtteile das Bild. "Ich möchte Städte und Regionen zeigen, die im Umbruch sind", sagt Rainer Komers. Nach dem Geburtsort seiner japanischen Lebensgefährtin hat der Regisseur und Kameramann, der 2004 mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet wurde, nun seine Heimat im Blick: "Ich möchte das Ruhrgebiet in ähnlicher Weiser dokumentieren." Orte, Menschen und Arbeit stehen dabei stets im Fokus des 63-Jährigen.

Kulturen miteinander verbinden

Integration, multikulturelle Gesellschaft, der Blick über den eigenen Tellerrand: "Für uns sind kulturelle Projekte wie 'Blicke' wichtig, die Arbeit, Kreativität und Engagement in ihre Sache investieren. Dort wollen wir Filme würdigen, die andere Wege aufzeigen, sich miteinander zu verhalten und Kulturen miteinander zu verbinden", sagt Dr. Willi Gründer, Vorsitzender des Kemnader Kreises. Bereits zum zweiten Mal stiftete die Initiative den mit 1.500 Euro dotierten "Schmelztiegel-Preis". Blicke-Sprecherin Gabi Hinderberger: "Der Vorteil solcher Preise, die eine Richtung vorgeben, ist, dass sie bestimmte Themen aus ihren Nischen holen." So war im vergangenen Jahr, als der Schmelztiegel-Preis zum ersten Mal vergeben wurde, kaum ein Film über Integration und andere Kulturen zu sehen. "Diesmal dagegen sind sehr viele Beiträge zu diesem Thema bei uns eingegangen. Damit hat sich der Schmelztiegel-Preis als wichtiger Impulsgeber bestätigt", sagt Hinderberger.

6.300 Euro Preisgeld

Insgesamt 169 Filme aus 40 Städten wurden in diesem Jahr zur 15. Auflage des "Blicke"-Festivals eingereicht. 36 von ihnen fanden den Weg auf die Leinwand. Eine dreiköpfige Jury bewertete die Produktionen und vergab ein Preisgeld von insgesamt 6.300 Euro - vom Publikumspreis über den Geschichtskulturpreis bis hin zum "Schmelztiegel-Preis".

Bild: Bettina Engel-Albustin

Empfehlungen