DVD-Rezension "Toy Story 3"

Jeder Film ein Volltreffer! So scheint es jedenfalls bei Disney/Pixar zu sein. Seitdem die altehrwürdige Walt Disney Company in Zusammenarbeit mit den Pixar Animation Studios im Jahr 1995 mit "Toy Story" den weltweit ersten computeranimierten Trickfilm in Spielfilmlänge schuf, jagt ein Kino-Hit den nächsten: "Das grosse Krabbeln", "Die Monster AG", "Findet Nemo" oder "Oben" sind nur einige der bahnbrechenden Animationsabenteuer, die Zuschauer jeden Alters weltweit zu Scharen in die Lichtspielhäuser locken.


[ruhr-guide] Nachdem 1999 bereits der zweite Teil um Cowboy Woody, Spaceranger Buzz Lightyear und all die anderen knuffigen Toy Story 3 Bildquelle: Disney/PixarSpielzeuge in Andys Kinderzimmer bewies, dass Fortsetzungen nicht zwingend unnütz sind und ihrem Original sogar viele neue Facetten abgewinnen können, folgt jetzt mit "Toy Story 3" die unumstössliche Erkenntnis: Disney/Pixar ist in seinem Element und hat ein mehr als das berühmte glückliches Händchen mit seinen (Film-)Stoffen. "Toy Story 3" ist seit dem 2. Dezember auf DVD und Blu-ray für zu Hause erhältlich und dürfte einer der Weihnachtshits des Jahres werden. Als vor mittlerweile 15 Jahren das erste Spielzeug-Abenteuer erschien, schrieben die Macher Filmgeschichte. Niemals zuvor hat es einen computeranimierten abendfüllenden Spielfilm gegeben. Derartiges war im Kurzfilmbereich zu finden, wo sich die Pixar Studios verdient gemacht haben (youtube-Tip: "Luxo Jr.") und den Grundstein ihres späteren Erfolgs legten. "Toy Story" wurde zum Megaerfolg an den Kinokassen und sorgte fast ganz nebenbei für die Ablösung des klassischen Zeichentrickfilms. Eine neue Ära schien eingeläutet. Mit weiteren Hits aus dem Rechner untermauerten Disney und Pixar in den Folgejahren ihre Ambitionen, weiter als Vorreiter auf dem Trickfilmmarkt zu agieren, was beide Studios nur in Gemeinsamkeit erreichen konnten - ihre starke Partnerschaft gilt als Schlüssel des Erfolgs, beidseitige Beteiligung am Kreativ-Prozess ist dafür ein Garant. Bekanntlich schläft die Konkurrenz nicht und Andere zogen nach, so dass bald der grüne Oger "Shrek" (2001) oder das wilde Quartett aus "Madagaskar" (2005) auf den Schirm trat und viele weitere sehenswerte Ideen zur immensen Freude eines steig wachsenden Publikums umgesetzt wurden. Mit der Weiterentwicklung der Computertechnologie schritten auch die Möglichkeiten für alle Animationsfilmer voran, so dass bald grafische Leckerbissen die Luft raubten und ein immer toller werdender Look die sowieso Toy Story 3 Bildquelle: Disney/Pixarschon begeisternden Ergebnisse um ein Vielfaches verbesserte. Diese Etablierung des neuen Formats zog schnell vielseitige Konsequenzen nach sich. Mittlerweile gibt es eine eigene Oscar-Kategorie für Animationsstreifen und nahezu alle Studios drängeln sich in die Kinos um entsprechende Produktionen an den Zuschauer zu bringen. Das Disney und Pixar immer noch die Spitzenposition behaupten, ist den Kreativ-Köpfen um John Lasseter zu verdanken, der Pixar in Gemeinschaft mit einem festen Team begründete und eine unschlagbare Firmenphilosophie als Erfolgsgarant etablierte. Im Sommer diesen Jahres konnte bereits das dritte "Toy Story"-Abenteuer - erstmalig in 3D - bewundert werden. Kurz vor Weihnachten erscheint der mit einem Budget von ca. 200 Millionen Dollar produzierte "Toy Story 3" auf DVD und Blu-ray. Mit Spannung darf beobachtet werden, wie sich das Weihnachtsgeschäft auf die Einnahmen auswirkt, die bereits nach der phänomenalen Kinoauswertung mit einem weltweiten Einspielergebnis von mehr als einer Milliarde Dollar in bombastische Sphären schossen...

Spielzeug mit Seele

Das 15 Jahre alte Grundprinzip hat nach wie vor Bestand: Alles dreht sich um die Spielzeugschar im Kinderzimmer des jungen Toy Story 3 Bildquelle: Disney/PixarAndy. Lieblingsspielzeug Cowboy Woody und seine vielen Kumpanen erwachen zum Leben, sobald kein Mensch im Raum ist. War es in Teil 1 der abgefahrene Spaceranger Buzz Lightyear, der als neustes Spielzeug den launigen Haufen aufwirbelte, wurde Woody im zweiten Film fast von seiner Gruppe getrennt. Durch bravouröses Teamwork und grossen Mut konnten es die Spielzeug-Protagonisten allerdings immer vermeiden, von ihrem geliebten Andy getrennt zu werden. Nun ist jedoch die Zeit gekommen, dass Andys Kindertage vorbei sind und Woody und Co. nicht mehr der Lebensinhalt des Teenagers sind, der bald von zu Hause fortgehen und seine Zeit am College beginnen wird. Unter den Spielsachen macht sich große Panik breit. Sollte es soweit kommen, dass die ehemals gefragten Helden der Kindertage ausgedient haben und sich auf der städtischen Mülldeponie wieder finden? Woody ist scheinbar der einzige, der nicht an ein derart fatales Schicksal glaube. Das alles anders kommt, als man denkt, muss schließlich auch der ulkige Cowboy erfahren: Durch eine harsche Verwechslung steht der Großteil der Spielzeuge tatsächlich im schwarzen Müllsack am Straßenrand.

Kurzerhand befreit man sich und entscheidet, sich lieber in die Spendenkiste an die Sunnyside-Kita zu begeben, als dem undankbaren Andy weiter hinterher zu trauern. Aller Protest seitens Woody hilft nichts und so findet sich der bunte Haufen bald in den Wänden des Kinderhorts wieder. Herzlich willkommen geheissen von den bereits dort lebendem Spielsachen, ist es bald nur noch Woody, der sich an sein früheres zu Hause und "seinen" Andy erinnert. Doch bald schon ist es an der Zeit, dass die scheinbar freundlichen Kita-Einwohner ihre wahre grantige Natur offenbaren und so muss Woody dafür sorgen, seine alten Kumpels aus den Fängen der Kita-Spielzeuge zu befreien und zurück zu Andy zu bringen. Doch nicht nur Plüschbär Lotso, der in bester Gangster-Manier als Chef im Kita das Ruder in der Hand hält, will das eingeschworene Team von der Flucht in die Freiheit abbringen...

Toy Story = Story mit Köpfchen

Was sich hier wie eine spannende Abenteuergeschichte anliest, ist wahrhaftig eine Erfolgsformel. Jung und alt waren bereits von Toy Story 3 Bildquelle: Disney/Pixarden ersten beiden Streifen fasziniert und werden auch diesmal wieder pure Begeisterung spüren, wenn sie Woody und Co. zusehen. Die facettenreiche Story mit vielen kleinen Zeichen und Anspielungen hält sowohl Erwachsene bei der Sache, wie auch Kinder. Die Kleinen bekommen im Gegensatz zum 08/15-Fernsehprogramm hier neben guter Unterhaltung auch ein Bewusstsein für Werte und die korrekte Behandlung anderer mit auf den Weg gegeben. Auch dafür steht das Label Disney. Hinzu kommen wunderbare Verweise auf die Filmgeschichte, auch ein typisches Markenzeichen der Trick-Giganten. Wenn sich die Spielzeuge durch mehrere Missgeschicke in der Kita Sunnyville wiedergefunden haben und dem Oberchef Lotso, einem rosafarbenen Plüschbären gegenüberstehen, hat dieser unverkennbare Wesenszüge von Brandos Paten. Derartiges bleibt kein Einzelfall und so wird die Hauptstory um viele kleine Elemente erweitert (erstmals trifft Barbie auf Ken...), die das i-Tüpfelchen ausmachen. Darüber hinaus bleibt festzuhalten, dass die moderne Computertechnologie eine Leistung bringt, die dem Zuschauer feuchte Augen beschert. Selten waren Bilder so plastisch, umfangreich und detailliert gestaltet. Liebevoll und mit großem Engagement haben die Macher ihre Visionen umgesetzt und wahrlich Erstaunliches erreicht. Jede Faser im Plüschfell des Bären ist erkennbar und auch bei rasanten Szenen bleibt jede Einzelheit erhalten. Erstaunlich, zu was die Technik in den richtigen Händen führen kann.

Formatvielfalt gepaart mit hohem Niveau

Wie bei Produkten aus dem Hause Disney üblich, kommt auch "Toy Story 3" in verschiedenen Varianten in die Regale des Handels. Auf Toy Story 3 Bildquelle: Disney/PixarDVD wird der Film als Singledisc im edlen Pappschuber erscheinen, während die Blu-ray gleich auf zwei Discs den Filmspass und viele zusätzliche Specials mitbringt. Das Top-Produkt ist allerdings ein Kombinationspaket aus der Doppel-BD und DVD sowie einer digitalen Kopie des Films. So kann "Toy Story 3" auch auf mobilen Endgeräten wie Handys oder iPods gesichtet werden, während zu Hause die hochauflösende Blu-ray im Wohnzimmer wartet bzw. die DVD im Kinderzimmer-Player ihre Kreise zieht. Die diesem Text zugrunde liegende DVD präsentiert ihr Programm qualitativ hochwertig. Sowohl Bild als auch Ton (Sprachfassungen auf englisch, deutsch, türkisch, alle Dolby Digital 5.1) machen einen hervorragenden Eindruck. Bildschärfe, Kontraste und Dialogverständlichkeit sowie Soundeffekte bzw. der Klang im Allgemeinen sind top. Englische, deutsche und türkische Untertitel sowie eine Untertitelspur für Hörbehinderte auf englisch können optional hinzugeschaltet werden. Im Extramenü finden sich reichhaltige Inhalte, wie z.B. den Kurzfilm "Day & Night" oder die Möglichkeit, den Hauptfilm mit einem Audiokommentar der Filmemacher zu sehen. Weitere Videoclips zum Film, seiner Geschichte und dem Studio sind ebenso zu finden wie Hintergrundinformationen, die dem Zuschauer einen kleinen Eindruck vom Entstehungsprozess verschaffen. Sehr unterhaltsam ist das Feature zu den Synchonisationsarbeiten ausgefallen. Für Kenner der englischen Sprache empfiehlt sich darüber hinaus die Auswahl der originalen englischsprachigen Fassung, die durch Sprecher wie Tom Hanks, Tim Allen oder Michael Keaton eine ganz besondere Erfahrung ausmacht.

Zukunftsmusik

Wer jetzt ganz wild auf Pixars nächsten Geniestreich ist, wird sich bis Mitte nächsten Jahres gedulden müssen. Im Juni geht in den USA "Cars 2" an den Start, bevor 2012 eine Fortsetzung des Monster-Spektakels "Die Monster AG" ansteht. Das es für den Kassenhit "Findet Nemo" noch keine Meldungen gibt, liegt laut Disney/Pixar am Fehlen einer originellen Idee. Diese Philosophie, erst dann einen Film anzugehen, wenn man vollkommen von dessen potential überzeugt ist, gilt als weiterer Erfolgsgarant des Studios. Aus Zuschauersicht zeigt die Erfahrung, dass es sich ehr lohnt zu warten als von Schnellschüssen anderer enttäuscht zu werden. 15 Jahre "Toy Story"-Geschichte sind ein eindrucksvoller Beweis dafür.

(mo)

Bildquelle: Disney/Pixar

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