Ein Sommer in New York – The Visitor

Der Winter ist derzeit bei uns in vollem Gange. Warum also nicht der Kälte für ein paar Stunden entfliehen und im gemütlichen Kinosaal "Ein Sommer in New York" erleben? Die einfühlsame Geschichte des alleinstehenden und innerlich abgeschotteten Universitätsprofessor Walter Vale (Richard Jenkins), der durch die Freundschaft zu einem illegal eingewanderten Pärchen verloren geglaubte Menschlichkeit und Lebensfreude in sich entdeckt, ist ein Highlight des noch jungen Kinojahres 2010. Seit Donnerstag, den 14. Januar, läuft der Film in unseren Kinos.


Archiv: 15.01.2010 [ruhr-guide] Regisseur Tom McCarthy The Visitor("Station Agent") schöpft auch in seinem neuen Film "Ein Sommer in New York – The Visitor" aus seinem bevorzugten Themenbereich "Individuum und Gesellschaft" und erzählt eine wunderbare Geschichte aus dem sommerlichen Big Apple. Dort muss Universitätsprofessor Walter Vale (Richard Jenkins, "Burn After Reading") einen wissenschaftlichen Vortrag halten, was ihn alles andere als erfreut. So macht sich der in sich zurückgezogene und menschenscheue Walter widerwillig auf den Weg nach New York. Seit dem Tod seiner Frau hat er die Stadt und seine dortige Eigentumswohnung gemieden und stellt nun fest, dass sein Apartment in der Zwischenzeit von einem kriminellen Makler an ein Einwandererpärchen vermietet wurde.

Vollkommen überrascht wollen Tarek (Haaz Sleiman, "Highlanund seine Freundin Zainab (Danai Gurira, "Ghost Town") die Wohnung verlassen, doch Walter hält sie in einem Anflug von Menschlichkeit davon ab und schlägt ihnen vor, so lange in der Wohnung zu bleiben, bis sie eine neue Bleibe gefunden haben. Das Pärchen willigt ein und nach wenigen Tagen freunden sich Walter und Tarek an. Der junge Syrer bringt dem sich langsam öffnenden Walter das Djembé-Trommeln bei, womit er sein Geld verdient. So kommt es, dass aus dem verschlossnen und in einer selbstgewählten Isolation lebenden Universitätsprofessor ein freundlicher und mitfühlender Zeitgenosse wird, der sich bald mit Tarek und Zainab anfreundet. Diese Annäherung kommt hier ohne Kitsch oder gefühlsduselige Arrangements aus undd Park") The Visitor stets stehen die Figuren im Fokus. Walters langsames Erblühen aus der Isolation durch die temperamentvollen Menschen, die so überraschend in sein Leben getreten sind sowie die Freude seitens Tarek und Zainabs, von Walter Unterstützung beim Zurechtfinden in der fremden Umgebung zu bekommen, ist absolut glaubwürdig umgesetzt.

Das der Film funktioniert, liegt vor allem an den drei Hauptdarstellern. Richard Jenkins wurde für seine Leistung zurecht mit einer Oscar-Nominierung belohnt. Neben ihm überzeugt Danai Gurira in der Rolle der Zainab. Ihr anfängliches Misstrauen Walter gegenüber und die sich erst langsam legenden Ängste setzt Gurira in beeindruckendem Maß um. Gerade diese Sorgen und Zukunftsängste Zainabs erwecken großes Mitgefühl beim Zuschauer. Und dieser wird hart getroffen, als sich die Lage für alle zum Guten zu wenden scheint, aber etwas Schreckliches passiert. In einer U-Bahn-Station wird Tarek in Walters Beisein von der Polizei verhaftet. Er hält sich illegal in den USA auf und wird inhaftiert. Walter ist schwer getroffen und hadert mit dem Schicksal.

Neben dem Handlungsstrang der Figurenentwicklung The Visitorkommt an dieser Stelle eine politisch gesellschaftliche Thematik in McCarthys Film zum Vorschein. Die unterschwellige, aber immer vorhandene Angst der USA seit 9/11 vor allem Unkontrollierbaren sowie die gängige Praxis der Behörden trifft Tarek mit voller Wucht. Das nun folgende Prozedere bewegt die Figuren im Film sowie den Zuschauer gleichermaßen.

"Ein Sommer in New York – The Visitor" ist ein kleiner, sehenswerter Film, der seine bewegende Geschichte ohne Kitsch, aber mit viel Gefühl für die Charaktere erzählt. Die hochklassigen Darsteller und ein Regisseur mit dem Gespür für das Wesentliche, bringen einen zum Nachdenken und Diskutieren anregenden Film auf die Kinoleinwand, der den Zuschauer nach wenigen Minuten in seinen Bann zieht.

(mo)

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