New York, I love you

Am 1. Juli 2010 erschien mit "New York, I love you" ein beindruckender Episodenfilm über die Menschen im Big Apple auf dem deutschen Heimkinomarkt. Der Film ist als Gemeinschaftsprojekt weltweit anerkannter Regisseure und Schauspieler konzipiert und verfolgt das Hauptthema der Liebe in all ihren differenzierten Ausprägungen. Was sich zunächst kitschig anhört ist ein feinfühliges Projekt geworden, das mit viel Fingerspitzengefühl und dem Sinn für den speziellen Augenblick viel Ausdruckskraft gewinnt und ganz nebenbei die Stadt am Hudson River als Melting Pot der Gefühle entlarvt. Hervorragende Filmemacher vor und hinter der Kamera, gefühlvolle, witzige aber auch nachdenklich stimmende Storys zeichnen das moderne Bild einer Multikultigesellschaft und deren Heimat, der Megametropole New York City.

[ruhr-guide] Bereits 2006 hatte der Franzose Emmanuel Benbihy die ausgefallene Idee, seiner Heimatstadt Paris ein New York I love You Bildquelle: Concorde Home Entertainmentfilmisches Denkmal zu setzen. Er war sich im Klaren das dieses anders aussehen musste als gewöhnliche Tourismusclips und so überlegte er sich das Konzept, Episodenfilme zu den übergeordneten Themenbereichen Liebe, Menschen, Stadt zu einem großen Ganzen zusammenzubringen. Viele namhafte Regisseure waren von Benbihys Plan angetan und so entstand schließlich "Paris, je t’aime", der über die Gesamtlänge von 120 Minuten 18 kurze Episoden kombiniert. Diese Filmschnipsel entstanden unter der Regie von Gus Van Sant, Ethan und Joel Coen, Isabel Coixet oder Alexander Payne sowie anderen und lebten von der regen Teilnahme internationaler Schauspielstars wie Marianne Faithfull, Steve Buscemi, Willem Dafoe, Elijah Wood oder Natalie Portman. Was "Paris, je t’aime" für die französische Hauptstadt war, nämlich ein spitzfindiges, gefühlvolles Filmportrait von Menschen, ihren Gefühlen, dem gesellschaftlichem Zusammenleben in einer Stadt unter unzähligen kulturellen, religiösen und ethnischen Einflüssen, ist Emmanuel Benbihy nun ein weiteres Mal mit der amerikanischen Megametropole gelungen. Das Konzept seines Vorgängerfilms hat er einfach übertragen, es funktioniert auch hier perfekt. Regisseure und Schauspieler waren schnell gefunden und so ist auch "New York, I love you" ein Mischmasch von Ideen und Einflüssen, das absolut gelungen ist.

Die einzelnen Episoden sind durch und durch stilisiert, erscheinen im Zusammenspiel mit dem Jazz/BluesMusik New York I love You Bildquelle: Concorde Home Entertainment Soundtrack quasi komponiert. Die Kameraarbeit ist immer detailliert, nah, fängt sowohl die Stadt als auch deren Bewohner toll ein. Ähnlich wie "Paris, je t’aime" hat man das Gefühl, hier prallen unendlich viele Einflüsse aufeinander. Jenseits kitschiger Reiseführer-Impressionen des Big Apples fangen die verschiedenen Episoden ein intimes Bild, eine durch und durch persönliche Blickrichtung der Autoren auf NYC ein. Nicht die fast dusselig fotografierte Skyline ist visuelles Thema des Films sondern eigentümliche Straßenecken, Kreuzungen, Hinterhöfe. Wohnungen und Shops, Delis und Bars in denen das tägliche Leben stattfindet sind die Orte des Geschehens. Zu jeder Zeit stehen die Figuren im stimmigen Wechselspiel mit den urbanen Impressionen. Die Menschen finden statt und finden sich, sie definieren was in der Stadt vor sich geht - aber zeigen auch ihr Inneres. New York I love You Bildquelle: Concorde Home EntertainmentEine ganz wichtige Wechselwirkung. Ohne das jeweils andere wäre keines der beiden Elemente wichtig, gar stimmig. Die New Yorker, ihre Beziehungen zueinander, zu den Straßen der Megametropole zum Leben und vor allem zu den Gefühlen zeigt der Film erneut ohne kitschig oder flach zu sein. Liebe, Ärger, Streit und Harmonie. All dies findet in den Häusern, auf den Plätzen in den Straßen, Bussen und B-Bahnen des Big Apples statt - ein Kunstwerk, dies so vielschichtig in nur wenige Minuten lange Fragmente zu verpacken.

Regisseuren wie Fatih Akin, Mira Nair, Brett Ratner oder Natalie Portman gelingt ihre Arbeit hervorragend. Auch den Darstellern wie New York I love You Bildquelle: Concorde Home EntertainmentOrlando Bloom, Christina Ricci, Eli Wallach, John Hurt, Julie Christie oder Maggie Q - um nur ein paar der Akteure zu nennen - merkt man ihre persönliche Beziehung zu NYC sowie diesem ambitionierten Projekt an. Ihre Leistungen sind durchweg überzeugend, einfach stimmig. Das Gesamtwerk ist so überzeugend geraten, dass mit dieser Reihe noch lange nicht Schluss ist. Emmanuel Benbihy wird sich in den nächsten Jahren Rio, Shanghai und Jerusalem zuwenden, während andere kreative Filmemacher das hochinteressante Konzept für sich entdeckt haben und eigene Variationen auf die Beine stellen. So wird auch bald ein Filmprojekt über die deutsche Hauptstadt entstehen, "Love Berlin" soll der Titel lauten. Nach "New York, I love you" warten wir gespannt auf alles Kommende!

Die DVD überzeugt aus technischer Sichtweise in allen Belangen. Sowohl das kontrastreiche Bild, welches kaum Unschärfen New York I love You Bildquelle: Concorde Home Entertainmentoder Fehler aufweist, als auch die Tonspuren sind bestens umgesetzt. Der Zuschauer hat die Wahl zwischen der deutschen Fassung im Dolby Digital 5.1 oder DTS-Format und dem englischen Original (DD 5.1). Die Originalfassung sei an der Stelle aufgrund der enormen Authentizität empfohlen (wobei die deutsche Synchronisation zu den Guten gehört), als Unterstützung bringt die DVD deutsche, optional einblendbare Untertitel mit. Durch die Kapiteleinteilung sind die einzelnen Episoden einfach und schnell anzuwählen, eine schöne Sache wenn eine spezielle Episode erneut gesichtet werden soll. Auch in der Extra-Sektion wartet die DVD mit einer guten Ausstattung auf: Zwei im fertigen Film nicht enthaltene Episoden (Eine davon hat Multitalent Scarlett Johansson inszeniert) können so zusätzlich gesehen werden. Dazu rundet der Trailer auf deutsch und englisch diese DVD ab, deren Kauf für alle Fans von Episodenfilmen pure Pflicht ist. Doch auch alle anderen Cineasten sollten diesem tollen gefühlvollen Projekt einen Blick gönnen, es lohnt sich in vielen Belangen!

(mo)
Bildquelle: Concorde Home Entertainment

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