RUHR.2010: Europa bewegen

Die Europäische Union und das Ruhrgebiet sind allein schon historisch eng miteinander verbunden. Die Organisation, die uns heute das Kulturhauptstadtjahr 2010 beschert, entstand nämlich einst aus einer reinen Montanunion, der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Kohle und Stahl waren es denn auch, die dem Ruhrgebiet eine bewegte Geschichte und Erfahrungen durch 150 Jahren Immigration verschafften.

[ruhr-guide] Schüler verstehen, Foto: Ronald KurtEin Einfluss, der aus der heutigen Metropole Ruhr kaum mehr weg zu denken ist und diese vielfach belebt und geprägt hat. Im Programmbereich Europa bewegen dreht sich daher alles explizit um Migration und Identität, Kultur und Bildung. In den 4 verschiedenen Programmpunkten TWINS, MELEZ, Wissenschaft und RUHR.2030 wird der kulturelle und künstlerische Austausch zwischen Bürgern Europas verfolgt und der wissenschaftliche Diskurs gefördert. Dabei gestaltet sich das Programm durchaus so vielfältig, wie es der Titel erahnen läßt:

TWINS

Der Programmpunkt TWINS ist ein Sammelsurium aus 1700 Künstlern unterschiedlichster Stilrichtungen und Nationalitäten, die ungewöhnliche aber zukunftsweisende Projekte und Ideen präsentieren. Ob Musik, Theater, Tanz, Malerei, Literatur, Pantomime, Stadtplanung oder Kochkunst, eines ist dabei allen gemein: Vor ihrer Aufnahme in das TWINS-Programm mussten sie vor einer internationalen Jury bestehen, so dass nur eine Auswahl der besten 100 Projekte zu sehen sein wird. Zu den Gewinnner gehört auch das Projekt DESIGNKIOSK RUHR.2010, das in der Zeit vom 2. Mai bis 1. August 2010 an 30 typischen Kiosken in der Metropole Ruhr ungewöhnliche Designerware anbietet. Bei der "Kioskdesignerware" handelt es sich ausschließlich um Gebrauchsgegenstände, die zudem die Maße 11x11x11 cm nicht überschreiten und nicht mehr als 20 Euro kosten dürfen. Die 30 überzeugendsten Produkte europäischer Designer sind neben "gemischten Tüten", belegten Brötchen und dem üblichen überlebenswichtigen Kioskangebot "an der Bude um die Ecke" zu haben.

MELEZ

170 Nationen, 2.055 Religionsgemeinschaften in allen sozialen Milieus – die Metropole Ruhr war schon Einwanderungsgebiet, bevor DESIGNKIOSK RUHR.2010, Grafik: DESIGNKIOSK RUHR.2010/Silke Seibel
sie sich diesen klangvollen Namen gab. Mehreren großen Einwanderungswellen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist es zu verdanken, dass hier heute eine bunte multikulturelle Gesellschaft teils erfolgreich, teils konfliktbehaftet miteinander wohnt, lebt und arbeitet. Der Programmpunkt MELEZ widmet sich eben dieser "Kunst des Zusammenlebens". Dabei soll es durch verschiedene Projekte, Diskussionen und Veranstaltungen darum gehen, wie sich die einzelnen Mitglieder dieser durchmischten Gesellschaft gegenseitig wahrnehmen und wie sie am kulturellen Leben im Ruhrgebiet teilnehmen. Das MELEZ.Festival bringt aus diesem Grund grenz- und genreübergreifende künstlerische Produktionen und Aktionen auf die Bühne.

Wissenschaft

Wissenschaftliche Erkenntnisse wurden seit je her durch Begegnungen und Dialoge vorangetrieben. Grenzen, Nationalitäten oder Religionszugehörigkeiten spielen dabei zunehmend eher eine untergeordnete Rolle. Eben diesem grenzüberschreitenden Erkenntnisgewinn hat sich der Programmpunkt Wissenschaft des RUHR.2010 verschrieben und bietet daher Projekte wie beispielsweise die Global Young Faculty für rund 100 Nachwuchswissenschaftler des Ruhrgebiets an. In Kooperation mit renommierten Wissenschaftler aus dem In- und Ausland sollen dabei die künftigen Herausforderungen einer globalisierten Welt erarbeitet werden. Leider sind nicht alle Veranstaltungen der Wissenschaft öffentlich, einige Programmpunkte, wie beispielsweise die Wissenschaftsnacht aber, erlauben einen spannenden und anregenden Blick hinter die Kulissen von Universitäten, Instituten und Forschungszentren. Am 24.9.2010 öffnet die Universität Duisburg-Essen ihre Pforten und zeigt durch Musik, Kunst, Theater, Bibliotheksveranstaltungen und Lesungen, wie verblüffend es sein kann, Wissen zu schaffen.

RUHR.2030

Nein, das Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 wurde nicht aufgrund des großen Erfolges um schlappe 20 Jahre verlängert. Der Programmpunkt RUHR.2030 widmet sich der zukünftigen GestaltungKunst fördert Wissenschaft, Foto: M. Wohlrab, Werk: A. D. Leutner der Metropole Ruhr und entwirft dabei vielfältige Zukunftsszenarien. Das Ruhrgebiet hat bereits in der jüngsten Vergangenheit eine enorm schnelle und gewaltige Entwicklung durchgemacht, doch ein Stillstand ist noch lange nicht abzusehen. Wo wird diese Entwicklung bis zum Jahre 2030 angekommen sein? Welche Chancen ergeben sich aus dem Fortschritt und wie läßt sich Kultur weiterhin am besten vermitteln? Fragen, mit denen sich RUHR.2030 unter anderem auseinandersetzt, um eine Zukunft in der Metropole Ruhr greifbar und gestaltbar zu machen. RUHR.2030 beschäftigt sich allerdings nicht nur mit den Veränderungen innerhalb der Region, sondern beleuchtet auch zukünftige Alltagswelten des Einzelnen. Der DASA-Jugendkongress beispielsweise vermittelt den Arbeitnehmern von morgen, Jugendlichen ab 14 Jahren, einen Eindruck von ihrer zukünftigen, im Vergleich zu heute veränderten Arbeitswelt im Jahr 2030.

Die genauen Programminformationen entnehmen Sie bitte der Internetpräsenz der RUHR.2010 unter: www.ruhr2010.de

(mf)

Fotosund Design: Ronald Kurt, DESIGNKIOSK RUHR.2010/Silke Seibel, M. Wohlrab.

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