Rotunde Bochum

Egal ob Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Theater, Poetry Slams oder Partys – in der Rotunde in Bochum ist immer was los! Der ehemalige Bochumer Hauptbahnhof direkt bei Bochums bekannter Kneipenmeile, dem „Bermudadreieck“, besticht mit seinem alternativen Flair. Mit unverputzten Wänden, Street-Art und stimmungsvoller Beleuchtung fühlt man sich in eine moderne und urbane Atmosphäre versetzt, gepaart mit einem gewissen historischem Charme.


[ruhr-guide] Die Rotunde, der sogenannte „Katholikentagsbahnhof“, hat schon mehr als 60 Jahre auf dem Buckel. Katholikentagsbahnhof? Was hat ein Bahnhof mit der jährlichen Glaubenskundgebung der Katholiken zu tun?

Das Nachtleben in der Rotunde Bochum Die Geschichte beginnt mit dem zweiten Weltkrieg. Auch Bochum wurde von den Bombenangriffen der Alliierten am 4. November 1944 nicht verschont. Über 80 % der Stadt wurden dem Erdboden gleichgemacht, so auch der alte Hauptbahnhof an der Stelle der heutigen Rotunde. Beim Wiederaufbau errichtete man den neue Bochumer Hauptbahnhof etwa 600 Meter weiter an einer zentraleren und günstigeren Lage – dies sollte der Hauptbahnhof werden, der auch noch heute in die Bochumer City einläutet.
Nur dauerten die Bauarbeiten an und sollten erst im Jahre 1957 beendet werden. Man brauchte schließlich eine Übergangslösung und baute im Jahr 1949 den alten Bahnhof provisorisch an der alten Stelle wieder auf. Am 31. August 1949 durchlief der Übergangsbahnhof eine Bewährungsprobe, seine Feuertaufe sozusagen. Denn an dem Tag fand in Bochum der zweite Katholikentag nach Kriegsende statt, welcher die größte katholische Glaubenskundgebung der Nachkriegszeit werden sollte. Zahlreiche Menschen reisten in die Ruhrgebietsstadt – allein eine halbe Million besuchten die Schlusskundgebung. Damit ist auch die Namensherkunft des Bahnhofsgebäudes geklärt.

Die Rettung vor dem Verfall

Als der neue Hauptbahnhof eröffnet wurde, gab es für den „Katholikentagsbahnhof“ keinen Nutzen mehr. Zwischenzeitlich wurde das Gebäude z. B. zur Bundesbahnschule umfunktioniert, worauf heute noch Reste des Schriftzuges hinweisen. 1994 wurde der Standort von der Bahn wieder aufgegeben und letztendlich dem Verfall überlassen, bis ein paar Privatinvestoren sich dessen annahmen.
Vom Katholikentagsbahnhof zur Bundesbahnschule Die “Projektgesellschaft Alter Bochumer Hauptbahnhof” nahm sich im Jahr 2008 vor, das vom Bochumer Kabarettisten Frank Goosen geplante Kleinkunst-Theater „Café Industrie“ im alten Bahnhofsgebäude zu eröffnen. Das Projekt konnte jedoch aus baulichen Gründen nie realisiert werden, sodass sich umorientiert wurde. Andreas Kellner nahm es schließlich unter seine Fittiche. Das Gebäude mit dem runden, gläsernen Dachaufsatz und den zahlreichen Nebenräumen wurde bis 2010 weitestgehend renoviert und ist seitdem als Kunst- und Kulturzentrum unter dem Namen „Rotunde“ eine wahre Bereicherung für die Bochumer Innenstadt.

Wiederbelebung zum angesagten Kulturzentrum

Bei der Instandsetzung wurde aber keine Komplett-Erneuerung des Bahnhofsgebäudes vorgenommen, sondern bewusst Zeichen des Verfalls, wie unverputzte Wände und Graffitis, beibehalten und durch Street-Art Malereien und Lichtinstallationen ergänzt. Herausgekommen ist ein wirklich alternativer Treffpunkt für verschiedene kulturelle Veranstaltung, wie es ihn auch in Berlin geben könnte. Und trotzdem passt der morbide Charme perfekt in den Pott.
Die Räumlichkeiten sind sehr variabel, je nachdem ob es sich um eine kleinere Lesung oder ein größeres Festival handelt, kann der Veranstalter Nebenräume miteinbeziehen oder sich nur auf die Eingangshalle mit dem gläsernen Rondell auf dem Dach beschränkt werden.

Theoretisch kann jeder, der eine größere Veranstaltung plant, die Location buchen. So sind dort von Zeit zu Zeit auch geschlossene Gesellschaften anzutreffen. Seit der Eröffnung hat sich die Rotunde aber vor allem als Standpunkt für viele bekannte Events etabliert.
Kunstausstellungen vor morbider Kulisse in der Rotunde in Bochum Das N.A.T.U.R.-Festivals, welches natürliche Ästhetik mit urbaner Kultur verbindet, nennt die Rotunde sein Zuhause, ebenfalls ist sie Wohnsitz des RUHRPULS-Festivals, des Rock-In Bochum oder des Musikbüro Bochums. Regelmäßig finden hier Poetry Slams statt, Feierlustige kommen bei monatlichen Ausgaben des bundesweiten Partyformats YumYum voll auf ihre Kosten oder können nebenan im „Riff“ vorbeischauen, eine Diskothek im ähnlichen Stil.
Junge Kunst wird hier ausgestellt und das Theater Freie Radikale, das „hybride Theater der Gegenwart“ tritt hier auf. Beim YARD-Designmarkt gibt es zweimal im Jahr außergewöhnliche Kunst, hippe Klamotten, einzigartige Möbel, Accessoires und Schmuck von 70 Künstlern und Designern, alles handgefertigt und unkommerziell.

Unkommerziell – das ist auch das Wort welches wie Faust aufs Auge zur Rotunde Bochum passt. Sie ist ein schönes Beispiel für die erfolgreiche Wiederbelebung eines verwahrlosten Kulturguts. Ein Besuch zu einem der vielen außergewöhnlichen Events lohnt sich, allein schon um die alternative und junge Atmosphäre zu erleben.

Rotunde – Alter Bochumer Hauptbahnhof (“Katholikentagsbahnhof”)

Konrad-Adenauer-Platz 3
44787 Bochum
Tel. 0234-9616620
Fax 0234/681495

Anfahrt mit dem Auto:
- von A 40 Abfahrt „Bochum-Zentrum“ Richtung „Zentrum“ abfahren
- von A 43 Abf „Bochum-Riemke“, dann rechts Richtung Zentrum abfahren
dann:
- auf der Herner Str. bis zum Nordring (nach dem Bergbaumuseum), dort rechts
- rechts halten, dann rechts in die Humboldt Str. (Beschilderung zur Jugendherberge folgen)
- bis zum Ende an der Jugendherberge durchfahren, beim Lidl dann wieder rechts
- und nach ca. 100m nochmals rechts, die Einfahrt zur Diskothek „Riff“/Rotunde nehmen – das erste Gebäude auf der linken Seite (mit der Glaskuppel) ist die Rotunde

(kb)

Fotos: Stadt Bochum, Presse- und Informationsamt

Empfehlungen