American Pop Art in der Ludwiggalerie

Marilyn Monroe, Campbell' Tomato-Soup Dose oder LOVE – fast jedem sind diese Motive oder zumindest der Name Andy Warhol bekannt. Jetzt kann man die Kult-Werke mal aus der Nähe betrachten, denn erstmals zeigt die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen diese und andere Pop Art Kunstwerke aus der Sammlung des Düsseldorfer Heinz Beck. Im Rahmen der AMERICAN POP ART Ausstellung können sich die Besucher auf 140 Exponate freuen, die eine breite Auswahl an Siebdrucken und Objekten aus den 1960er und 70er Jahren bereithält.


Archiv: 06.05.2016 [ruhr-guide] Kunst für alle – das ist die Devise der Pop Art, die sich in den 1960er Jahren entwickelt hat. Die Künstler nutzen die Motive des Alltags, wie Comics, Tom Wesselmann Foot 1968 © The Estate of Tom Wesselmann VG Bild-Kunst Bonn 2015Suppendosen und Fahnen, um ihren Bildern Ausdruck zu verleihen. Aber auch Idole, wie die Beatles und Marilyn Monroe finden ihren Weg auf die Leinwand. Genau das muss wohl auch den Düsseldorfer Rechtsanwalt Heinz Beck so fasziniert haben, dass er in den 60er anfing Pop Art Kunst aufzukaufen. Und dabei stellte er sich echt geschickt an, denn er schaffte es, Kunstwerke von vielen namhaften Künstler zu sammeln und zahlte nicht mehr als 3.000 DM pro Kunstwerk. Das ist natürlich trotzdem nicht sehr günstig, aber aus heutiger Sicht ist es bemerkenswert, dass eben kein millionenschwerer Unternehmer Siebdrucke von Roy Lichtenstein oder Warhol sammelte sondern eben ein Rechtsanwalt aus Düsseldorf. Inzwischen ist die komplette Sammlung im Besitz des Wilhelm-Hack-Museums in Ludwigshafen, die auch Pop Art aus weiteren Ländern beinhaltet.

Dosensuppe und Selbstportraits

Die Monroe-Siebdrucke in verschiedensten Farben dürfte die Mehrheit kennen, aber was ist mit dem Buch INDEX das Andy Warhol 1967 gestaltete? Dieses Buch ist in der kreativen Factory entstanden und darin lässt sich alles finden, womit man den exzentrischen Warhol in Verbindung bringt: seine Dosen, die Siebdrucke und die Stars. Das Werk ist ebenfalls in der Ausstellung zu American Pop Art Ausstellung in Oberhausen, Foto: Mia Trautmann sehen und wird in einer Videoinstallation von Eva Depenbrock Seite für Seite behutsam durchgeblättert. Im Buch wird die Pop Art zur Pop Up Kunst, denn auf vielen Seiten hat Warhol natürlich nicht einfach nur das Layout des Textes gestaltet, sondern es mit witzigen Objekten verziert, die sich auffalten sobald die Seite aufgeschlagen wird. So kommt es vor, dass sich vor einem auf einmal ein Schloss oder ein Doppeldecker entfaltet.

Pin Ups hinter Colaflaschen

Der amerikanische Künstler Mel Ramos beschäftigte sich Anfang der 60er zunächst mit den Comic-Helden der Zeit. Doch die Zeichnung von Batman, Wonder Woman und Superman waren ihm nicht genug. Er verschmolz Pin-ups und Konsumgüter auf einem Bild und parodiert damit die banale Glamourgestik der Werbung, die versuchte ihr Produkt über die Darstellung aufreizender weiblicher Sexualität zu verkaufen. Es entstanden diverse Motive: Eine Frau auf einem Cheeseburger, eine Frau hinter einer Ketchupflasche oder eine Frau in einem Martini-Glas liegend. Die Bilder haben immer gemeinsam, dass das Konsumobjekt fast phallusartig im Bild prangt und von dem sexy Pin-up, welches knapp bis gar nicht bekleidet ist, umspielt wird. Dabei blickt die Figur lasziv zum Betrachter mit einem leicht geöffneten Mund, sogar Nippel sind auf einigen der Werke zu sehen. Diese freizügige Darstellung war fast revolutionär im prüden Amerika der 60er Jahre.

Von Robert Rauschenberg bis Andy Warhol

In der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen wartet auf den Besucher eine bunte Ausstellung, die das Thema American Pop Art wirklich trifft, denn neben den schon berühmten Künstlern, die JedermannMel Ramos, Coke, 1972 © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 kennt, trifft man dort auch auf Künstler, für die man schon ein wenig mehr Fachwissen benötigt. Das tut aber nichts zur Sache, denn die Pop Art ist für jeden Verständlich, man muss eben kein Kunstkritiker sein um die einzelnen Werke zu verstehen und wenn es doch mal so sein sollte, das sich das Werk einem nicht direkt erschließt, dann versteht man zumindest häufig den Witz der hinter dem Kunstwerk liegen soll. Viele Künstler der amerikanischen Pop Art sind in der Sammlung vertreten, darunter: Don Eddy, Robert Indiana, Roy Lichtenstein, Mel Ramos, Robert Rauschenberg, Edward Ruscha & Andy Warhol. Wer gerne mehr über die dort ausgestellten Werke lernen möchte, kann sein Wissen bei einer der angebotenen Führungen vertiefen. Besonders interessant wird es für Kinder und Jugendliche, denn die Ludwiggalerie bietet in der nächsten Zeit viele Workshops an, bei denen man unter anderen die Technik des Siebdrucks erlernen kann.

AMERICAN POP ART

LUDWIGGALERIE Oberhausen
24. Januar bis 16. Mai 2016

Beteiligte KünstlerInnen:
Arman (Armand Fernandez), Art Workers Coalition, Richard Bernstein, Christo, Robert Cottingham, Allan D’Arcangelo, Jim Dine, Don Eddy, Richard Estes, Hans-Dietrich Froese, Ralph Goings, Robert Graham, Eila Hershon, Robert Indiana, Alain Jacquet, Jasper Johns, Howard Kanovitz, Allan Kaprow, Alex Katz, Edward Kienholz, R.B. Kitaj, Roy Lichtenstein, Liliane Lijn, Robert W. Munford, Lowel B. Nesbitt, Claes Oldenburg, Mel Ramos, Robert Rauschenberg, Larry Rivers, James Rosenquist, Edward Ruscha, George Segal, Robert Stanley, Alan Turner, Andy Warhol, Tom Wesselmann.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11:00 – 18:00 Uhr
montags geschlossen, Ostermontag geöffnet

Eintritt:
8,00 €, ermäßigt 4,00 €, Familien (zwei Erwachsene plus Kinder) 12,00 €
Kombiticket (mit dem Gasometer Oberhausen) 13,00 €

Öffentliche Führungen jeden Sonn- und Feiertag um 11:30 Uhr

Direktorinnenführungen mit Dr. Christine Vogt
Sonntag, 28. Februar 2016, 15:00 Uhr
Sonntag, 10. April 2016, 15:00 Uhr
Sonntag, 8. Mai 2016, 15:00 Uhr
Die Führungen sind kostenlos in Verbindung mit dem Museumseintritt

Als Publikation zur Ausstellung erscheint ein Booklet mit einem Beitrag von Dr. Christine Vogt zu einem Beitrag von 4,00 €.

Weitere Infos unter www.ludwiggalerie.de

Fotos: Ludwiggalerie, VG Bild-Kunst, Bonn 2015

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