Concrete Poetry – Die Sammlung des BRIDGES Fotoprojekt Emscher Zukunft

Seit sieben Jahren sammelt das Fotoprojekt „BRIDGES Emscher Zukunft Fotografien“ rund um den Umbau des Emscher-Systems. Durch Renaturierung des Flusses verändern sich nicht nur der Lebensraum von Flora und Fauna, sondern auch der von Millionen von Menschen, die das Emscher-Gebiet bewohnen. Im Bochumer Kunstmuseum wird vom 18. August bis zum 27. Oktober 2013 erstmals die komplette Sammlung zum Wandel gezeigt. Entdecken Sie die vielen Facetten des Emscher-Gebietes!


Archiv: 20.08.2013 [ruhr-guide] Die Emscher entspringt in Holzwickede, schlängelt sich mitten durchs Ruhrgebiet, bis sie schließlich bei Dinslaken in den Rhein mündet.Brigitte Kraemer für das BRIDGES Emscher Zukunft Fotoprofekt Der ursprünglich stark mäandernde Fluss wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr kanalisiert und begradigt. Die durch die Industrialisierung immer größer werdende Bevölkerungszahl im Ruhrgebiet benötigte somit auch immer mehr Trinkwasser. Dies bezog die Bevölkerung von der Ruhr und der Lippe, in die Emscher wurden letztendlich die Abwässer und das Grubenwasser der Bergwerke eingeleitet: Sie verkam zu einer stinkenden „Köttelbecke“, wie man im Pott so schön sagte. Um der zunehmenden Verseuchung des Flusses entgegenzuwirken, wurde 1899 die Emschergenossenschaft gegründet, die sich von da an unter anderem dem Hochwasserschutz und der Reinigung des Abwassers der Emscher widmete.
Als der Bergbau in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr aus dem Ruhrgebiet verschwand, musste immer weniger verschmutztes Wasser in den Fluss geleitet werden und so wurde der Weg zur Renaturierung frei gemacht. Die Emscher und ihre Umgebung befindet sich nun seit Jahrzehnten ständig im Wandel.

Alltägliche Szenen aus ungewöhnlichen Perspektiven

Für das BRIDGES Fotoprojekt präsentieren die Fotografen Nico Schmitz für das BRIDGES Emscher Zukunft Fotoprofektdiese sich transformierende Umgebung aus ihrem eigenen Blickwinkel. Sie dokumentieren das Leben der Menschen, die mit diesem Wandel leben, vor allem die Lebensumstände von Migranten und Jugendlichen werden besonders fokussiert. Sie zeigen deren Alltag in mehr oder weniger ungewöhnlichen Perspektiven. Oder sie lichten die Emscher und ihren Umschwung ab, befassen sich mit Landschaften verschiedenster Art, ob grün und wuchernd, schneebedeckt und kalt oder betoniert und trist. Andere abstrahieren ihr Umfeld zu einzigartigen Kunstwerken.

Poesie in Betonlandschaften

Die ca. 300 Bilder, Projektionen und Installationen sind auf zwei Flure im Kunstmuseum aufgeteilt:Im Erdgeschoss gibt es die handfesteren Arbeiten unter dem Thema „concrete“ (= konkret bzw. Beton), wobei hier auf die Doppeldeutigkeit des englischen Begriffs angespielt wird. Einerseits zeigen die Bilder ko nkrete und eindrucksvolle Motive aus einer beobachtenden Position, andererseits befassen sie sich häufig mit schnöden, unschönen Betonlandschaften, welche schließlich häufig im Emscher-Gebiet zu finden sind. In der ersten Etage herrscht das Thema – na? - richtig, „poetry“ vor. Die Werke hier sind verklärter und vom Künstler stärker interpretiert. Die Fotografien sollen beim Besucher eigene Assoziationen wecken.

Benito Barajas für das BRIDGES Fotoprojekt Emscher Zukunft Passend zum Thema Emscher hat das Kunstmuseum Bochum einen künstlichen Fluss angelegt, der munter durch die Ausstellungsräume fließt. Die Machart der Ausstellung ist ebenfalls sehr bunt, jeder Künstler durften selber die Wahl zur Ausstellungsweise seiner Werke treffen. So findet man manche der 68 Fotoserien von insgesamt 54 Künstlerinnen und Künstlern in hochglänzenden Großformaten, gerahmt in Reih' und Glied oder ganz individuell angeordnet. Wieder andere gibt als Projektion zu sehen oder liegen in Urlaubsfoto-Größe verteilt und wild kombiniert auf kleinen Tischen.

Vertraute Motive aus dem Emscher-Gebiet

In dieser Ausstellung lässt sich wirklich viel entdecken und über originelle Blickwinkel staunen. Manch einem Besucher aus dem Ruhrgebiet werden Szenen aus dem Schrebergarten, dem Flussufer oder auch den tristen Sozialbauten vertraut sein, denn man findet sie quasi vor der Haustür. Aber mag ein Bildmotiv auch noch so unattraktiv sein, es zeigt gewissermaßen den rauen Charme dieses sich ständig wandelnden Gebietes rund um die ehemalige „Köttelbecke“. Mehr soll dazu nicht verraten werden, entdecken Sie in dieser ungewöhnlichen Ausstellung die Emscher für sich!

„Concrete Poetry – Die Sammlung des BRIDGES Fotoprojekt Emscher Zukunft“

Kunstmuseum Bochum
Kortumstr. 147

Öffnungszeiten: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr

Weitere Informationen: www.bridges-projects.com


Foto 1: ©Brigitte Kraemer/BRIDGES Fotoprojekt Emscher Zukunft
Foto 2: ©Nico Schmitz/BRIDGES Fotoprojekt Emscher Zukunft
Foto 3: ©Benito Barajas/BRIDGES Fotoprojekt Emscher Zukunft

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