Fotoausstellung zeigt Verlorene Paradiese im Vest

Eine Ausstellung im Vestischen Museum in Recklinghausen zeigt noch bis zum 4. November 75 Fotos des Heimatforschers Joseph Schäfer (1867-1938). Anfang des 20. Jahrhunderts dokumentierte der preußische Beamte unbekannte oder heute verschwundene architektonische und landschaftliche Schönheiten im Vest.


Recklinghausen (lwl) Stille Landstriche und verträumte Direktor Dr. Schäfer bei der Lektüre eines Buches im Garten. Foto: LWLOrtschaften unmittelbar vor ihrer Verwandlung in eine von Kohle und Stahl geprägte Industrielandschaft: Der im thüringischen Eichsfeld geborene Dr. Joseph Schäfer war ein widersprüchlicher Charakter: einerseits der gestrenge preußische Beamte, der kaisertreu und von unbedingter Pflichterfüllung geleitet sein Amt als Direktor der städtischen Oberrealschule in Recklinghausen wahrnahm.

Daneben aber gab es den anderen Schäfer, einen leidenschaftlichen Heimatforscher, der in romantisch verklärten Hymnen die landschaftlichen Schönheiten seiner unmittelbaren Heimat, des Vestes Recklinghausen, besang.

Als treuer Anhänger der zu Beginn des 20. Jahrhunderts populären Heimatschutzbewegung durchstreifte er mit seiner Plattenkamera zwischen 1910 und 1922 immer wieder die Orte und Landschaften zwischen Emscher und Lippe, Schloss Herten, Bibliothekssaal des Grafen von Nesselrode. Foto: LWLum die melancholische Schönheit und Fragilität der Schlösser und Burgen, der Dörfer und Weiler im Bild festzuhalten.

Es entstand ein Fotoarchiv von hohem dokumentarischem Wert, das nach dem Tode Schäfers 1938 Jahrzehnte lang vergessen auf dem Dachboden seines Alterssitzes in Münster lag.

Ein Zufall ermöglichte dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) im Jahre 1996 den Ankauf dieser in Vergessenheit geratenen Bildsammlung, die durch Kriegs- und Nachkriegsfolgen bereits einige Verluste aufwies. Eine erste Bestandaufnahme durch das Bild-, Film- und Tonarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen ergab, dass rund 1.300 der ursprünglich vorhandenen 2.000 Bildmotive auf Negativplatten und Abzügen erhalten geblieben waren.

An der Lippe, Nähe Ahsen. Foto: LWLLWL und das Vestische Museum in Recklinghausen haben für die Fotoausstellung 74 großformatige schwarz-weiß- Aufnahmen sowie ein Colorbild ausgewählt.

Schäfers fotografisches Werk, das jetzt wiederentdeckt werden kann, will im letzten Moment diesen vergänglichen historischen Moment festhalten und zeigen wie es jetzt noch ist und wie es bald nicht mehr sein wird.

Die Ausstellung "Verlorene Paradiese. Der Fotograf Joseph Schäfer und das Vest Recklinghausen zu Beginn des 20. Jahrhunderts" im Vestischen Museum in der Hohenzollernstr. 12 in Recklinghausen ist noch bis zum 4. November geöffnet. Sie ist begleitet von einem 100-seitigen Bildband, der die Lebenswelten dieses lange vergessenen Fotografen in zwei Beiträgen nachzeichnet. Der Katalog (ISBN 978-3-9811911-1-0) ist zum Preis von 13,80 Euro im Museum sowie im Buchhandel erhältlich.

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