KARL LAGERFELD: Parallele Gegensätze im Museum Folkwang

„Der Stoff des Künstlers ist das Leben selbst.“ sagte einst der Gründer des Museum Folkwang, Karl Heinz Osthaus. Er zählte die Gestaltung von Kleidung, Möbel, Häusern, ja sogar von Körpern und Straßen ebenso zur Kunst wie das freie Schaffen. Jetzt nimmt sich das Museum Folkwang diese Worte zu Herzen und widmet vom 15. Februar bis 11. Mai 2014 dem wohl einflussreichsten und vielseitigsten deutschen Gestalter die neue Ausstellung: Karl Lagerfeld hat seit über 50 Jahren sein Leben nicht nur dem Modedesign verschrieben, sondern ist auch als Zeichner, Fotograf, Buchgestalter, Inneneinrichter usw. international erfolgreich.


Archiv: 17.02.2014 [ruhr-guide] Weiß gepuderte Haare stets im Zopf, dunkle Sonnenbrille,KARL LAGERFELD: Parallele Gegensätze schwarzer Anzug und stets einen bissigen, aber intelligenten Kommentar auf den Lippen, so kennt man Deutschlands erfolgreichsten Modemogul, Karl Lagerfeld. Er setzt sein Alter selbst fest, lästert über übergewichtige Prominente und betreibt einen eigenen Twitter-Account für seine Katze: So kauzig, wie er auch erscheinen mag, Karl Lagerfeld ist ein echtes Multitalent. Es gibt kaum etwas aus dem gestalterischen Bereich, bei dem Lagerfeld nicht schon seine Hände im Spiel hatte. Schon seit über fünf Jahrzehnten ist er in der Modebranche tätig. Er entwarf und entwirft bis heute erfolgreiche Kollektionen für renommierte Labels, egal ob Luxus oder Modekette. Seit 1965 ist er zudem Art-Direktor bei Fendi und knapp zwanzig Jahre später übernahm er auch die Führung eines der bekanntesten Haute-Couture-Häuser, Chanel.

Leben und Kunst verbinden

Mode statt Monet im Museum Folkwang? Karl Lagerfeld Selbstportrait, 2011Eher ungewöhnlich, könnte man meinen. Auch Lagerfeld selbst hätte nicht gedacht, dass er und seine Arbeit „seriös genug für das Folkwang“ wären. Allerdings gibt es in „KARL LAGERFELD: Parallele Gegensätze“ nicht nur Modeskizzen zu betrachten. Vielmehr erhascht der Besucher einen exklusiven Blick in die Arbeitswelt des Modemachers, Verlegers, Fotografen und Sammlers.
Die Ausstellung entspricht somit ganz dem Grundsatz des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus, für den das Leben selbst Ausgangsstoff für die Kunst ist. Denn „Körper, Kleidung, Möbel, Wohnhaus, Straße sind die nächsten Gegenstände der Kunst.“ Lagerfeld selbst hat die Ausstellung mitgestaltet und ihr den ironischen Titel „Parallele Gegensätze“ gegeben. Kuratiert wird sie von Gerhard Steidl und Eric Pfrunder.

Fotografie – Buchkunst - Mode

Auf 1400 Quadratmetern Ausstellungsfläche lassen überLagerfeld: A portrait of Dorian Grey 400 Exponate den Perfektionisten und seine Arbeiten kennenlernen. Karl Lagerfeld ist Bücherliebhaber, wie man schon im ersten der 14 Räume sieht, in dem inmitten von mannshohen Bücherwänden sein Arbeitsplatz nachempfunden wurde. Einen großen Teil der Ausstellung beanspruchen Fotostrecken. Karl Lagerfeld ist bekanntlich auch leidenschaftlicher Fotograf und hat wahrscheinlich schon jede existente Technik und verschiedenste Materialien für seine Arbeiten verwendet. So kann es sein, dass er nach einem Modeshooting die Location erneut aufsucht, um hier beeindruckende Aufnahmen der Architektur zu machen.
Inspiration findet der Gestalter bei Künstlern wie Edward Hopper oder Lyonel Feiniger, aber auch in der Literatur. Nach Oscar Wildes „A Portrait of Dorian Gray“ stellt er fotografisch den Verfall von Personen dar. Auch Goethes Faust und Homers Odysseus dienten ihm als Vorlage für imposante Fotostrecken, letztere mit dem Titel „Le Voyage d'Ulysse“ zeigt ein Rollenspiel mit Freunden, Models und Mitarbeitern Lagerfelds auf einem über 16 Meter langen, 2,5 Meter hohen Fotofries.

Haute Couture hautnah

Natürlich kommt in „Parallele Gegensätze“ die Mode nicht zu kurz.Karl Lagerfeld Folkwang Museum Ein ganzer Ausstellungsraum wird dem Modehaus Chanel gewidmet. Bei „CHANEL -Then and Now“ mischt er Modezeichnungen, Fotografien und Grafiken aus eigener Hand mit den Entwürfen der Gründerin Coco Chanel. Dass Modedesign eben nicht nur das Entwerfen von Kleidern beinhaltet, zeigen die vielen Modelle der von Lagerfeld gestalteten und unglaublich aufwändigen Sets von Modeschauen. Haute Couture zum Anfassen - natürlich nicht wörtlich - gibt es natürlich auch. So stellt das Museum Folkwang funkelnde Haute Couture-Modelle aus der aktuellen Herbst/Winter-Kollektion 2013/14 aus. Ergänzt wird das Ganze von stilvollen Werbekampagnen und Modekatalogen. Passend dazu werden im Kino insgesamt fünf Filme für Chanel und Fendi gezeigt: Modeschauen, Dokumentationen, Werbung und vieles mehr.

Champagnerwerbung, Plakatsammlung und Buchhandlung

Neben Fotografie und Modehat Karl Lagerfeld diverse Produkte designt und beworben. Seinen Sinn für Ästhetik beweist er bei einem eigens entworfenen Konzertflügel und dem schicken Schmucktresor „Cassina“, Karl Lagerfeld: Chanel Then Nowein hochsicherer Spiegelschrank mit ausziehbaren Fächern für teures Geschmeide. Werbekampagnen machte er für Schwarzkopf oder Audi, oder auch für den Edel-Schaumwein Dom Pérignon.

Und wussten Sie, dass Karl Lagerfeld auch Plakate sammelt? Hier zeigt das Museum Beispiele aus der privaten Sammlung des Designers, die er zum größten Teil in einem kleinen Pariser Geschäft erwarb. Neben designen, fotografieren und Plakate sammeln hat Lagerfeld die Verlage L.S.D. und 7L gegründet, gibt Bücher heraus, verfasst Texte, zeichnet Karikaturen, auch „Karlikaturen“ genannt, für die FAZ und betreibt einen Buchhandel in Paris – kurz: der Mann ist rastlos und denkt mit seinen 80 Jahren noch lange nicht an Ruhestand.

Nein, „KARL LAGERFELD: Parallele Gegensätze“ möchte er bloß nicht als Retrospektive bezeichnen, da es zu sehr nach abgeschlossener Arbeit klingt. Man wird noch viel vom diesem ganz besonderen Modemacher hören und sehen. Zunächst kann man aber im Museum Folkwang über sein Schaffen der letzten dreißig Jahre erfahren. Der besagte Pariser Buchhandel 7L wurde übrigens am Ende der Ausstellung nachgebaut, hier kann man in einer Auswahl von Lagerfelds eigenen und Lieblingswerken stöbern und auch als Andenken mit nach Hause nehmen.

„KARL LAGERFELD: Parallele Gegensätze“

Fotografie – Buchkunst – Mode
15. Februar – 11. Mai 2014

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen

(kb)

Foto 1-3 + 5: © 2014 Karl Lagerfeld
Foto 4: Katharina Böhler

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