"Kinder führen Kinder"

Wer wissen will warum der Himmel über der Landschaft so dunkel ist oder Fische aussehen wie Socken, ist im Museum Folkwang bestens aufgehoben. Die Aktion "Kinder führen Kinder" wird 2009 mit neuen Themenschwerpunkten und zusätzlichen Standorten fortgeführt.


Archiv: 30.07.2009 [ruhr-guide] Bevor es in die Ausstellung geht, erklärt Moritz Perna, wie es im Museum zugeht: "Man darf nicht rumrennen und toben oder mit den Sitzkissen "Kinder führen Kinder" im Museum Folkwang Essenrumschlenkern. Sonst kommt man an die Bilder und der Alarm wird ausgelöst. Außerdem darf man die Bilder nicht anfassen." Ausgerüstet mit jeweils einem Sitzkissen macht sich die Gruppe auf in die hellen Räume des Museums. Vor einem großen dunklen Gemälde macht Moritz halt und die jungen Besucher nehmen gemütlich auf dem Boden Platz. "Da ist ja ein Toter!" ertönt es sofort aus der ersten Reihe. "Ja, und da hinten ist ein Piratenschiff!" Die Kunstfans sind Feuer und Flamme und rücken näher an das Bild heran. "Was sieht man denn noch auf dem Bild?" fragt Moritz und deutet auf zwei Personen im Vordergrund. Gemeinsam mit dem jungen Museumsführer betrachtet und analysiert die Gruppe das Gemälde.

An einem heißen Sommertag im Juni 2006 haben wir eine 11-köpfige Gruppe 7- und 8-jähriger Jungen der Essener Ardeyschule ins Museum Folkwang begleitet. Im Foyer wird die Gruppe schon von dem 13-jährigen Moritz Perna erwartet. Moritz ist einer von zwölf Schülern, die nun im Museum Führungen machen, und zwar für Kinder. Für dieses einmalige und pädagogisch wertvolle Im Museum Folkwang gibt es auch für die jungen Kunstfans eine Menge zu entdeckenProjekt wurden die Schüler von der Museumspädagogin Monika Lahme- Schlenger gründlich geschult und kennen sich nun richtig gut in den verschiedenen Kunstrichtungen aus. Zusammen mit den jungen Museums- besuchern betrachten und analysieren sie die unterschiedlichsten Werke. Und dass es den Kindern, sowohl den Museumsführern als auch den Besuchern, viel Spaß macht, erkennt man auf den ersten Blick. Denn ganz anders als viele Erwachsenengruppen wollen sie eines: mitmachen.

Moritz sagt, dass er kein Lieblingsbild in der Ausstellung habe, sondern alle Werke gut findet. Man merkt aber schnell, dass er wohl eine kleine Vorliebe für dramatische Landschaftsdarstellungen mit dunklem Himmel hat. "Die Kinder mögen viel lieber die großen, realistischen Darstellungen auf denen man alles ganz genau erkennen und analysieren kann." Und so weiß Moritz vor einem Delacroix-Gemäde: "Vielleicht bedeutet so ein dunkler Himmel ja Hass!?" und seine Gruppe nickt zustimmend.

Dann überrascht Moritz zum Abschluss seiner einstündigen Führung doch mit einem surrealistischen Bild, das den Besuchern so einige Rätsel aufgibt. "Was sind das da für Dinger?" "Ist das unter Wasser?" "Das sieht aus wie ein "Kinder führen Kinder" im Museum Folkwang EssenSeepferdchen." "Das kann man gar nicht so genau sagen", weiß Moritz. "Das da unten sieht aus wie Müllsäcke!" kommt es aus den Reihen. Kann sein!

Sehr schnell ist eine Stunde vergangen und sechs Bilder hat man nun angeschaut. Alle sind begeistert. "Die Führung hat super viel Spaß gemacht, weil der nicht so viel geredet hat wie die Erwachsenen im Museum!" wird Moritz für seine Führung gelobt.

Neue Standorte, neue Herausforderungen

Das Projekt "Kinder führen Kinder" der Stiftung Mercator wird im kommenden Jahr mit neuen Themenschwerpunkten und zusätzlichen Standorten fortgeführt. Neu ins Programm kommen die Schwerpunkte "Fotografie" im Museum Folkwang und "öffentliche Skulpturen" im Stadtgarten Essen am Aalto-Theater und an der Philharmonie.

Außerhalb des Museums Folkwang führen die Kinder außerdem Altersgenossen durch die Folkwang-Sammlung in der Villa Hügel, Essen, die Ausstellungen der Reihe "Museum Folkwang im RWE-Turm" und das Josef-Albers-Museum in Bottrop.

Infos und Anmeldung unter Telefon 02041 29716

Das Projekt "Kinder führen Kinder" wurde im Jahr 2005 von der Mercator-Stiftung initiiert. Kinder im Alter von zehn bis 13 Jahren übernehmen dabei Führungen für jüngere oder gleichaltrige Museumsbesucher. Anfang November wurde das Projekt im landesweiten Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet.

(sl)

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