Kunstausstellung been out

Transformationsprozesse unserer Großstädte sind allgegenwärtig. Die Abwanderung der Schwerindustrie in andere Länder hinterlässt Lücken und arbeitsuchende Menschen, während der öffentliche Raum eine Erweiterung durch neue Technologien sowohl in der virtuellen als auch in der physischen Welt erlebt. Neue Medien, die die Grenzen des privaten Lebens überschreiten, sind schon längst fester Bestandteil unseres Alltags. Die Kunstausstellung been out – organisiert durch die Kulturinitiative Bohème Précaire – zeigt vom 3. bis 10. Dezember 2011 internationale Positionen zeitgenössischer Kunst in Dortmund.

Archiv: 01.12.2011 [ruhr-guide] Argentinien, Brasilien, Deutschland, Estland, Kolumbien und Blanco und Bellofattos Kunstprojekt Some impotant people and freindsSüdafrika – aus diesen Ländern stammen die 6 Künstlerinnen und Künstler, die die Jury mit ihren Arbeiten überzeugt und sich somit gegen 200 Mitbewerber durchgesetzt haben. Nun präsentieren sie ihre Werke zum Thema Krise des urbanen Raumes in der Ausstellung "been out" in der Ständigen Vertretung in Dortmund und halten mit ihrer zeitgenössischen Kunst dem Moment den Spiegel vor. Es geht dabei um eine Wiederaneignung eines öffentlichen Raumes durch künstlerische Strategien, wie zum Beispiel Fotografien, Performances oder Zeichnungen. Die Künstlerinnen und Künstler ziehen als Pioniere los und erschließen dysfunktionale urbane Umgebungen als kommunikative Räume neu – jeder auf seine kreative Art.

Andrea Acosta's Kunstprojekt führte sie durch die Straßen, Wohngebiete und Fabrikgelände von Paris, wo sie sich unsichtbare Dinge, dessen scheinbare Deplatziertheit skulpturale Züge aufweist, und die in der urbanen Ordnung aus dem Rahmen fallen, durch künstlerische Strategien zu Eigen macht. Wie sind diese Skulpturen entstanden? Die Antworten auf diese Frage bringt Acosta auf künstlerisch poetische Weise zu Papier, und eine passende Überschrift liefert den Bedeutungszusammenhang. So wird, ohne irgendetwas zu verändern, lediglich unsere Wahrnehmung beeinflusst und der Blick auf die Dinge gelenkt, die der Alltag uns sonst verheimlicht.

Zweidimensionale Identitäten kennen lernen

Natalia Blanco und Betiana Bellofatto aus Argentinien stellen dem Betrachter Natalia Blancos und Betiana Bellofattos Kunstprojektihrer Street-Art-Ausstellung "Some important people and friends" eine ganz unterschwellige Frage: Kennst du diese Person? Es handelt sich um 14 Schwarzweißportraits auf Plakatwänden mit jeweils einer Kurzbeschreibung, in der man Alter, Geburtsort, Beruf und Hobbys, besondere Erlebnisse, Angewohnheiten und Vorlieben über die Person erfährt. Anhand von Bild und Beschreibung lernt der zufällige Betrachter einen neuen Menschen kennen oder fühlt sich sogar an einen Freund oder Verwandten erinnert. Das namenlose Gesicht wird zur zweidimensionalen Identität.

Der große Bruder "hört" dich

Andrus Lauringson aus Estland braucht für sein Projekt keinen Ausstellungsraum, sondern ein Richtmikrofon, Tonaufnahme-Software, einen großen Lautsprecher und ein Zimmer im ersten Stock an einer belebten Straße. Dort sitzt er und zeichnet die Stimmen der Vorbeigehenden auf, um sie gelegentlich mit kurzer zeitlicher Verzögerung und erhöhter Lautstärke auf die Straße zurückzuspielen. Die überrumpelten Passanten stehen dann vor der Wahl: Kampf oder Flucht. Diese spannende Mischung aus Öffentlichkeit und Privatsphäre und der Konfrontation mit der eigenen Stimme an einem unerwarteten Ort ist sehr irritierend. Am Ende bleibt der Spaß über das spontane Erlebnis – und das Gefühl begrenzter Intimität.

Drei weitere ebenso spannende und ungewöhnliche Kunstprojekte warten in der Ausstellung "been out" auf Interessierte, die für ein paar Stunden aus der passiven Rolle jener schlüpfen wollen, die täglich wie Maschinen den Alltag bewältigen, ohne auf die kleinen Geschenke der Umgebung zu achten. Hier können Besucher vor allem zeitgenössische Kunstpraktiken bestaunen und kennen lernen. Eine Momentaufnahme des heutigen Künstler-Ichs, mit vielen stummen Botschaften – außer im Fall von Andrus Lauringson.

been out

3. bis 10. Dezember 2011
Ständige Vertretung in Dortmund

(nm)
Fotocredit: Blanco/Bellofatto

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