"leicht und weit" – Brücken im Ruhrgebiet

Denkt man an die berühmten Brücken dieser Welt kommen einem vielleicht Städte wie Paris, Prag, Venedig oder San Francisco in den Sinn. Doch dass das Ruhrgebiet eine einzigartige Brückenlandschaft darstellt, wurde vom 15. Oktober 2005 bis zum 29. Januar 2006 durch eine Fotoausstellung in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen gezeigt.


Archiv: 07.10.2005 [ruhr-guide] Eisenbahnbrücken, Autobahnbrücken, Fußgängerbrücken, Erzbahnschwinge, Bochum-Westpark, 2003, Entwurf: Schlaich, Bergermann und PartnerEnergieleitungsbrücken – Fast 10.000 Brücken bilden im Ruhrgebiet ein dichtes Netz aus Schienen, Leitungen, Straßen und Wasserläufen. In der Ausstellung "leicht und weit – Brücken im Neuen Emschertal" wurden 90 monumentale Fotografien und Filme von Thomas Wolf gezeigt. Hierbei standen die Aufnahmen bedeutender historischer Brücken in spannungsreichem Gegensatz zu den neuen Brückenbauten bedeutender Architekten. So wurde deutlich, wie sie allesamt das Gesicht der Emscherregion prägen, entwickelte sich doch im Ruhrgebiet das wohl gewaltigste Brückennetz, das die Landschaft horizontal und vertikal durchdringt.

Die einzelnen Orte und Grünzüge des Emscher Landschaftsparks sind schon heute für Besucher und Bewohner der Region Orte der Kultur- und Freizeitgestaltung. Die zentrale Herausforderung bis ins Jahr 2010 ist es nun, einen einheitlichen Landschaftskörper zu formen, die Fördertürme, Hochöfen, Gasometer und Halden durch ein Netz von Wander- und Fahrradwegen miteinander zu verbinden. Vor allem die Brücken tragen bei dieser Gestaltung des "Neuen Emschertals" eine Ehemaliges Stahlwerk Phönix, Abbruch der Güterbahntrasse, Dortmundherausragende Bedeutung. Als Wegmarken werden sie zum Symbol der angestrebten Vereinigung. Schon heute prägen vor allem die Fußgängerbrücken das Gesicht des "Neuen Emschertals" und somit stehen diese auch im Mittelpunkt der Ausstellung "leicht und weit".

Wie ein riesiges Stahlmonster schwebt die von Jörg Schlaich entworfene Erzbahnschwinge über den Bochumer Westpark. Ebenso frisst sich die Fußgängerbrücke des gleichen Architekten über den Rhein-Herne-Kanal bei Oberhausen durch die Landschaft. Thomas Wolf zeigte in der Ausstellung nicht ihre Funktion, es sind nicht die Menschen zu sehen, die auf ihr verweilen oder sie zum überqueren nutzen. Der Fotograf lenkte den Blick des Betrachters unter die Brücke, auf die atemberaubende Stahlkonstruktion, die ingenieurtechnische Leistung, und damit auf ihre ungeachtete Schönheit. Ein dagegen beinahe menschenverachtender Fußgängerbrücke über Rhein-Herne-Kanal Oberhausen, Ripshorst, 1997, Entwurf: Schlaich, Bergemann und PartnerOrt wurde mit der Aufnahme vom Abbruch der Güterbahntrasse auf dem Phönix-Gelände in Dortmund ausgestellt. Ein Relikt aus der industriellen Vergangenheit des Ruhrgebiets auf einem Areal, das in der Zukunft Großes plant und derzeit im Mittelpunkt des so genannten Strukturwandels steht.

Mit "leicht und weit - Brücken im Neuen Emschertal" setzte die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen ihre Ausstellungsreihe zum Wandel der Industrielandschaft Ruhrgebiet fort. Wie bei den Ausstellungen "Kunst setzt Zeichen", "Lichtzeichen und Landmarken", "Skulptur Emscherpark", "Emscher – Faszination eines ungeliebten Flusses" und "Park-Stadt Oberhausen" kam dabei der Fotografie besondere Bedeutung zu. Auch im Katalog wird sichtbar, dass – ähnlich wie bei den Landmarken – für diese Brückenbauten international bedeutende Architekten gewonnen werden konnten: Frei Otto, Foster, Schlaich, Polonyi, Hegger, Wörzberger, Pahl und Weber u.a.

"leicht und weit – Brücken im Neuen Emschertal"

15. Oktober 2005 – 29. Januar 2006

Ludwig Galerie Schloss Oberhausen

Konrad-Adenauer-Allee 46
46042 Oberhausen

Katalog:

"leicht und weit - Brücken im Neuen Emschertal" Hardcoverband, 144 S. mit Fotografien von Thomas Wolf und einem Essay von Roland Günter, Hrsg. Bernhard Mensch, Peter Pachnicke, 24,50 Euro.

(sl)

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