NEW INDUSTRIES FESTIVAL

Moderne Ruinen und bankrotte Banken: Die Industrie hat Menschen, Kultur und Landschaft im Laufe der Jahrzehnte beeinflusst – und das nicht nur im Ruhrgebiet. Welche Industrien haben unsere Umgebung und Kultur geprägt und wie? Dieser und anderen Fragen geht der Hartware Medien Kunstverein (HMKV) beim NEW INDUSTRIES FESTIVAL im Dortmunder U nach. Verschiedene Ausstellungen, Installationen, Performances, Filme und Workshops setzen sich mit der Vergangenheit und Zukunft der Industrie auseinander.


Archiv: 30.09.2013 [ruhr-guide] Die Industrie hat das Leben der Menschen innerhalbNew Industries Festival im Dortmunder U 2013 von ein paar Jahrzehnten stark gewandelt, Stichwort Industrialisierung. Auch mit dem Strukturwandel begann im letzten Jahrhundert für viele Nationen eine neue industrielle Ära. So ist z.B. auch das Ruhrgebiet schon lange keine Industriegesellschaft mehr, sondern entwickelte sich zur Dienstleistungsgesellschaft – Zechen und Fabriken schließen, der typische Fabrikarbeiter verschwindet und die Gebäude verbleiben als Andenken. Immer wieder erschüttern Krisen nicht nur den Finanzmarkt, sondern prägen auch das Lebensumfeld vieler Menschen.

Mit Ausstellungen, Installationen, Konferenzen, Workshops, Filmen oder Live-Performances beschäftigt sich der HMKV beim NEW INDUSTRIES FESTIVAL mit der Vergangenheit und der Zukunft der Industrie. Das Dortmunder U erweist sich als ehemaliges Brauereigebäude und Industriedenkmal als adäquater Schauplatz. Wir stellen hier drei vom HMVK organisierte Ausstellungen des Festivals vor.

Industrial Research

Das Hauptthema der Ausstellung lässt sich ganz einfach mit einer Frage zusammenfassen: Was ist mit der Industrie passiert?
Der Strukturwandel hat in den letzten Jahrzehnten nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch in anderen Teilen Europas und Nordamerikas zum stetigen Abbau der Industrie geführt. Doch was für Einflüsse hat dieser Prozess auf die Menschen, Landschaft, Kunst und Kultur?

Industrial Research zeigt kein einziges Kunstwerk an sich, sondern veranschaulicht vielmehr anhand von Lektüren, Bildern, Ton- und Videodokumenten den Recherchevorgang, der einer Ausstellung vorangeht. An einem großen Tisch hoch oben in der 6. Ebene des Dortmunder Us, auf dem zahlreiche Bücher, Schallplatten, Videos etc. chronologisch präsentiert werden, wird der Besucher eingeladen seine eigenen Recherchen zur Industrie in der Gesellschaft vorzunehmen. Man kann stundenlang in dieser Fundgrube stöbern, mit Industrial-Musik (z. B. von Kraftwerk) auf den Ohren durch Bildbände von Industrieruinen blättern, historische Kurzfilme anschauen und der Geschichte der Pop- und Subkultur während des Strukturwandels nachgehen. Und wenn man seine Entdeckungen mit nach Hause nehmen möchte, steht ein Kopierer zur Vervielfältigung des Bild- und Textmaterials bereit.

Requiem für eine Bank

Wie schon der Name verrät, wird sich hier der Finanzwirtschaft gewidmet. Die Spanne der künstlerischen Arbeiten reicht von  New Industries Festival im Dortmunder U,Eroeffnungsabend, 2013-1014, © Andrea Eichardt
historischem und aktuellem Videomaterial über Installationen, Fotografien und Performances bis hin zur Architektur.
Die Werke beschäftigen sich mit dem ungeheuren Wachstum der Finanzmärkte und ihrer Einflussnahme in der Gesellschaft seit den 70er Jahren. Aufschwünge werden erlebt genauso wie Krisen durchstanden. Banken werden ruiniert, ihre Gebäude verfallen zu modernen Ruinen. Geld wird digitaler, die Spekulationen an der Börse spielen sich heutzutage nur noch im virtuellen Raum ab. Die Zukunft der Finanzwirtschaft ist ebenso ungewiss wie spannend ...

Axel Brauns Installation

Der junge Künstler Axel Braun geht mit seiner Installation „Zugunsten einer Gesellschaft von morgen, für die wir heute schon bauen“ auf die Geschichte der Westdeutschen Landesbank ein, vor allem in architektonischer Hinsicht auf den ehemaligen Standort in Dortmund. Das futuristisch anmutende Bauwerk des Architekten Harald Deilmann ist nicht mehr aus dem Dortmunder Stadtbild wegzudenken und sticht sofort ins Auge.
Nicht nur der Titel von Axel Brauns Werk ist sperrig, sondern auch die Installation selbst. Auf originalen Glasfronten des Gebäudes dokumentieren unzählige Zitate den Werdegang der Bank, die 2012 aufgrund der Bankenkrise zerschlagen wurde.

Moving Types - Lettern in Bewegung

Weniger mit der Industrie, sondern mehr mit unserer medienorientierten Kultur hat die Ausstellung "Moving Types" zu tun. Sie beschäftigt sich mit über 100 Jahren Typografie in den Medien. Während sich die Industrienationen zu Dienstleistungsgesellschaften entwickelten, nahemn Medien einen immer größer werdenden Stellenwert im Leben der Menschen ein. Schriftzüge erscheinen überall, ob in Film, Fernsehen, gedruckt oder im World Wide Web. Gezeigt werden mehrere Filmausschnitte, wie z. B. von „Winnie the Pooh“, oder dem Kurzfilm „Logorama“. In der "Medienlounge" kann man durch etliche QR-Codes weietre Exponate entdecken.

Wie hat also die Industrie die Menschen beeinflusst? Wie geht es in einem Zeitalter der Bankenkrisen mit der Finanzwirtschaft weiter? Was wird aus der typischen Fabrikarbeit? Wie geht die Gesellschaft mit den Reliquien vergangener und gescheiterter Industrien um? Gehen Sie diesen Fragen beim NEW IDUSTRIES FESTIVAL im Dortmunder U nach und gewinnen Sie neue Erkenntnisse zu unserer heutigen Pop- und Subkultur.

NEW INDUSTRIES FESTIVAL

14. September 2013 – 26. Januar 2014

im Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund

INDUSTRIAL (Research) Forschungsabteilung

Requiem für eine Bank Ausstellung

Axel Braun – Zugunsten einer Gesellschaft von morgen, für die wir heute schon bauen
Installation

Weitere Veranstaltungen:

Moving Types – Lettern in Bewegung
Ausstellung, 28. September 2013 – 02. März 2014

Ruhrban / Zwischenorte
Ausstellung, 09. Oktober – 17. November 2013

machina eX - Hedge Knights
Live-Adventure-Game, 03. – 05. Oktober 2013

Jens Heitjohann – I promise, I am the future
Performativer Rundgang, 13., 20., 27. Oktober, 03., 10. und 17. November 2013

NEW INDUSTRIES KONFERENZ: Geld und Schulden in der postindustriellen Welt
Konferenz, 16. – 19. Januar 2014

(kb)

Foto 1: © www.laborb.de
Foto 2: © Andrea Eichardt

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