Russen, Juden, Deutsche – Michael Kerstgens

Die Einwanderung russischsprachiger Juden aus der ehemaligen Sowjetunion in das wiedervereinte Deutschland ist ein bedeutender Teil der jüngeren Geschichte Deutschlands. Dennoch wurde dieser Prozess nicht oft dokumentiert. Michael Kerstgens hat dies getan – längerfristig und intensiv. Nun sind seine eindrucksvollen Fotografien in der Ausstellung „Russen Juden Deutsche“ in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen ausgestellt.


Archiv: 27.02.2013 [ruhr-guide] Die Ausstellung „Russen JudenAusstellungsplakat: Russen Juden Deutsche Deutsche“ zeigt 80 Fotografien von Michael Kerstgens, in denen er seit 1992 den Prozess der Einwanderung russischsprachiger Juden nach Deutschland intensiv und längerfristig dokumentiert hat. Das Projekt, das in der Ludwiggalerie des Schloss Oberhausen ausgestellt wird, läuft in Kooperation mit der Gedenkhalle Oberhausen und dem Jüdischen Museum Berlin. Dieses hat 2011 die gesamte Serie von 162 schwarz-weiß Bildern erstanden.

Fotografien von Michael Kerstgens seit 1992

Im Fokus der 80 ausgestellten Fotografien stehen soziale und religiöse Herausforderungen,Michael Kerstgens: Brit Millah Synagoge, Russen Juden Deutsche denen eingewanderte Juden in Deutschland gegenüber stehen. Aber auch die Situation der „Alteingesessenen“ wird in der Ausstellung „Russen Juden Deutsche“ betrachtet. Sensibel hält der Fotograf Familienfeste wie religiöse Feiern, Leben in der Gemeinde ebenso wie alltägliche Momente in Übergangswohnheimen fest. In seinen Bildern erzählt er einfühlsam von religiösen Traditionen und von der Suche nach Zugehörigkeit. Abschied, Ankunft und Neubeginn sind die eindrucksvollen Themen des Fotografen Michael Kerstgens, der seit 2007 im Fachbereich Gestaltung der Universität Darmstadt als Professor für Dokumentarfotografie tätig ist.

Speziell für die Ausstellung „Russen Juden Deutsche“ hat Michael Kerstgens erneut Portraits einiger seiner Protagonisten gemacht. In diesen aktuellen Aufnahmen ist die heutige Situation der Einwanderer dokumentiert, die in den letzten zwanzig Jahren zum Teil überraschende und erstaunliche Wege gegangen sind.

Juden in Oberhausen - Workshop

Parallel zur Ausstellung bietet die Ludwiggalerie ein begleitendes museumspädagogisches Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es ein reges kulturelles jüdisches Leben in Oberhausen. Im JahrRussen Juden Deutsche, Russendisko 1933 lebten hier bis zu 600 Juden. Dies änderte sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Nach und nach wurden Juden vom öffentlichen Leben ausgegrenzt. Mit dieser Ausgrenzung, die auf verschiedene Weise vonstatten ging, setzt sich der Workshop „Juden in Oberhausen“ auseinander. Der Workshop im Rahmen der Ausstellung „Russen Juden Deutsche“ schlägt einen Bogen von der Entstehung des kulturellen jüdischen Lebens in Oberhausen bis zur NS-Zeit. In dieser Zeit gab es Boykottaktionen, die sog. „Arisierung“ und die „Nürnberger Gesetze“, die u. a. Eheschließungen zwischen Juden und Nicht-Juden untersagten. Unvergessen ist die Reichsprogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. All dies legte den Grundstein zur Deportation und Ermordung unzähliger Juden in Deutschland – so auch in Oberhausen und im Ruhrgebiet. Schließlich setzt sich der Workshop mit Zeitzeugenberichten auseinander und beleuchtet die Situation der Juden in Oberhausen nach 1945.

Zur Ausstellung erschien das Buch „Neues Leben. Russen Juden Deutsche“ mit Texten von Hanno Loewy und Wolfgang Büscher im Kehrer Verlag, Heidelberg.

Russen Juden Deutsche – Fotografien von Michael Kerstgens seit 1992

24. Februar bis 21. April 2013

LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46
46049 Oberhausen

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 11 – 18 Uhr
Montag: geschlossen, Feiertags, Ostermontag, Pfingstmontag: geöffnet
Eintritt: frei

Führungen mit Michael Kerstgens:
Sonntag, 03. März 2013, 15 Uhr
Sonntag, 14. April 2013, 15 Uhr

Museumspädagogik:
Workshop: Juden in Oberhausen
Gedenkhalle im Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46

Eintritt: frei

Informationen und Buchung unter:
Informationszentrum Gedenkhalle/Bunkermuseum Oberhausen
Am Kaisergarten 52
46049 Oberhausen
Telefon: 0208 6070531 11
E-Mail: birgit.silbert@oberhausen.de

Fotocredit:
Plakat zur Ausstellung, gestaltet von Uwe Eichholz (Aachen), Foto: Russendisko von Vladimir Kaminer, 1995 © Michael Kerstgens/Jüdisches Museum Berlin.
Fotos: Brit Millah Synagoge/Berlin 1992 © Michael Kerstgens/Jüdisches Museum Berlin.
Russendisko von Vladimir Kaminer, 1995 © Michael Kerstgens/Jüdisches Museum Berlin.

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