Besucherbergwerk "Graf Wittekind"

Das Bergwerk „Graf Wittekind“ ist kein Besucherbergwerk der klassischen Art. Mit dem Anspruch, Bergbau hautnah zu erleben, werden die Besucher auf eine anspruchsvolle Reise unter Tage geführt. Angst vor engen Räumen oder Dreck sollte hier keiner haben. Doch genau das macht das Besucherbergwerk zu einem ganz besonderen Erlebnis.

[ruhr-guide] In dem Besucherbergwerk „Graf Wittekind“ im Dortmunder Stadtteil Syburg ist voller Körpereinsatz gefragt: Mit der richtigen Ausrüstung bewegen sich die Besucher kletternd, rutschend und auf allen Vieren durch den engen Stollen und bekommen nebenbei wertvolles Wissen über den Steinkohleabbau und das Leben der Bergleute vermittelt. In insgesamt drei Bergwerken wurde seit 1582 das Flöz Sengsbank abgebaut. Der Betrieb des letzten Bergwerks „Graf Wittekind“ wurde um 1900 eingestellt. Im Jahr 1986 begann der Arbeitskreis Dortmund mit der Aufwältigung der alten Stollen und Strecken, sodass heute im Besucherbergwerk „Graf Wittekind“ Kindern und Erwachsenen der Bergbau näher gebracht werden kann.

Der Arbeitskreis Dortmund, Foto: Herbert Schmidt, Arbeitskreis Dortmund

Bergbau erleben

Bereits vor der Abfahrt in den Stollen wird klar: Das wird keine gewöhnliche Führung durch ein ehemaliges Bergwerk. Jeder Besucher erhält zunächst einen Overall und ein Bergleder, um die Kleidung vor Schmutz und Dreck zu schützen. Ein Helm samt Bergbau-Kopflampe bringt Licht in den dunklen Stollen, in dem es keinen elektrischen Strom gibt. Da die durchschnittliche Höhe des Stollens lediglich 60 bis 80 cm beträgt, benötigen die Teilnehmer zusätzlich Knieschoner und Handschuhe. Der Großteil der nun folgenden Führung wird auf allen Vieren stattfinden. In kleinen Gruppen geht es dann mit einem der ehrenamtlichen Besucherführer des Arbeitskreises Dortmund unter Tage. Neben interessanten Informationen über die Geschichte des Bergwerks, das Leben der Bergleute vor 200 Jahren und über einzelne Bereiche des Bergwerks, ist auch die körperliche Aktivität der Führungsteilnehmer gefragt. Bei der Führung werden nicht nur die Zugangsstollen und Abbaustrecken, sondern auch die Förderberge erkundet. Über diese Förderberge klettern die Besucher auf die höhergelegenen Bereiche oder rutschen auf die tieferliegende Sohle des Bergwerks. Selbstverständlich darf jeder auch mal selbst anpacken und ausprobieren, wie schwer es ist, Stückkohle aus dem Flöz abzubauen.

Die Geschichte des Bergwerks „Graf Wittekind“

Der Bergbau des Bergwerks „Graf Wittekind“ im Dortmunder Stadtteil Syburg lässt sich bis in das Jahr 1582 zurück verfolgen. Das Flöz Sengsbank wurde zu dieser Zeit an den Stellen, an denen es bis an die Erdoberfläche reichte, freigelegt und im Tagebau abgebaut. Mit dieser Methode, bei der kleine flache Gruben angelegt wurden, konnte zunächst nur eine geringe Menge an Kohle gefördert werden. Bis mindestens 1663 bauten die Bergleute im sogenannten „Beckerschen Feld“ auf diese Weise die Steinkohle ab. Im Laufe der Zeit stieg man auf den Stollenbergbau um, sodass das Flöz nun an mehreren Stellen gleichzeitig und auf größeren Flächen abgebaut werden konnte. Mit Hilfe von Stollen, die von den Talhängen aus in den Berg führten, konnten Abbaustrecken errichtet werden. Über diese war es den Bergleuten möglich, das Flöz systematisch abzubauen. Von 1740 bis 1801 baute eine Belegschaft von sechs Mann die Steinkohle im Bergwerk „Schleifmühle“ ab. Das Flöz war durch mehrere Stollen erschlossen, sodass die Männer bis zu 164 Tonnen Kohle im Jahr fördern konnten. Die Kohle wurde hauptsächlich in Schmieden und Kalkhöfen im Raum Hagen verwendet. Erst im Jahr 1868 wurde der Betrieb in dem Bergwerk wieder aufgenommen. In dem neuen Bergwerk „Graf Wittekind“ wurden die stehengebliebenen Flözbereiche im oberen Bereich des Hanges abgebaut. Dafür nutze man teilweise die alten Stollen und Grubenbaue des Bergwerks „Schleifmühle“ und ergänzte diese durch weitere Stollen auf der südlichen Talseite. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde der Betrieb noch vor 1900 eingestellt. Während dem zweiten Weltkrieg nutzen die Syburger Bürger die alten Stollen um sich vor den Luftangriffen zu schützen. Erst in den 1970er Jahren wurden die Zugänge der Stollen zugeschüttet.

Aufwältigung der alten Stollen, Foto: Herbert Schmidt, Arbeitskreis Dortmund

Aufwältigung und Erhalt des Bergwerks

Der 1986 gegründete Arbeitskreis Dortmund begann rund 90 Jahre nach dem Ende des Kohleabbaus im Bergwerk „Graf Wittekind“ mit der Freilegung und Aufwältigung der alten Stollen. Die Grubenbaue wurden durch Holzkonstruktionen, welche dem Abstützen des Gebirges dienen, ersetzt und herabgebrochenes Gestein wurde aus dem Weg geräumt. Im Jahr 1997 wurde das ehemalige Bergwerk „Graf Wittekind“ zu einem Besucherbergwerk ernannt. Zur Würdigung der Bemühungen des Arbeitskreises Dortmund bekam das Besucherbergwerk im Jahr 2007 die „Silberne Halbkugel“, den deutschen Preis für Denkmalschutz, durch das „Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz“ verliehen.

Schnupperschicht

Das Besucherbergwerk „Graf Wittekind“ wird privat und ehrenamtlich von dem Arbeitskreis Dortmund geführt. Insgesamt 20 freiwillige Helfer arbeiten vorwiegend samstags am Erhalt des etwa 300 Jahre alten Bergwerks und bieten Besucherführungen an. Der Arbeitskreis Dortmund ist immer auf der Suche nach tatkräftiger Unterstützung. Wer Lust hat, sich ehrenamtlich zu betätigen und keine Angst davor hat, sich die Hände schmutzig zu machen, ist herzlich eingeladen, sich am Erhalt des Bergwerks zu beteiligen. Während einer Schnupperschicht können Interessierte eine Schicht mitarbeiten und so das Bergwerk, die Arbeit und das Team kennenlernen. Bergmännisches Wissen ist dafür zwar gut, aber nicht unbedingt erforderlich.

Besucherbergwerk „Graf Wittekind“

44265 Dortmund Syburg

Führungen finden nach vorheriger Anmeldung samstags um 9.30 Uhr statt
Die Führungen für das Jahr 2018 sind bereits ausgebucht

Schnupperschichten sind nach vorheriger Absprache möglich

Eintritt: kostenlos, eine Spende zum Erhalt des Besucherbergwerks ist erwünscht

Weitere Informationen unter: http://www.bergbauhistorie.ruhr/bergbau-erleben/graf-wittekind

Fotos: Herbert Schmidt, Arbeitskreis Dortmund

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