Das Dortmunder U

Von der Kellerei zum Leuchtturmprojekt der Kulturhauptstadt – eine bemerkenswerte Wandlung. Der heute markante und selbstverständliche Begriff "Dortmunder U" entstand allerdings erst 1968, als das ursprünglich gar nicht vorhandene goldene U auf dem Dach angebracht wurde. Im Dezember 2010 fand im Rahmen des Finales von RUHR.2010 die Gesamteröffnung des Zentrums für Kunst und Kreativität statt. Neben dem Museum Ostwall bietet auch der HMKV ganzjährig eine Reihe interessanter, internationaler Medienausstellungen!


[ruhr-guide] Ehemals ein Symbol Dortmunder U Abendsonne Foto: Sarah Bauerfür Industrie und Arbeit und jahrelang Deutschlands größte Brauerei, eröffnete das denkmalgeschützte Dortmunder U am 28. Mai 2010 im Rahmen von RUHR.2010 als bedeutendes Kunst – und Kulturzentrum für die gesamte Region und weit darüber hinaus seine Pforten. Der 18. Dezember, Tag der Abschlussveranstaltungen zu RUHR.2010, war sozusagen die "dritte Eröffnung" und lockte trotz der widrigen Wetterverhältnisse zahlreiche Besucher im annähernd fünfstelligen Bereich an. Auch Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert und RUHR.2010-Geschäftsführer Dr. Fritz Pleitgen waren anwesend.

Das Museum Ostwall zog ein

Das Gebäude, welches immer noch Teile des alten Flairs bewahrt hat, präsentiert sich seinen Besuchern mit hochkarätigen Partnern. Noch im Juni 2009 schloss das Museum Ostwall und zog in das Dortmunder U ein. Die Ausstellung für moderne und zeitgenössische Kunst zeigt Werke vom Expressionismus hin bis zur Moderne. Dabei sind auch Arbeiten aus dem Fluxus integriert. In der vierten Etage liegt der Hauptaspekt auf jene Kunstrichtung aus den 60ern, bei der allein die schöpferische Vorstellung eine Rolle spielte. Eine Menge Kleiderbügel, ineinander verhakt, hängt von der Decke herab und eine Styroporwand bewegt sich auf kaum sichtbare und mysteriöse Weise. Ein Stockwerk darüber findet man dann Kunst und komplexe Werke von Joseph Beuys oder Dieter Roth aus den vergangenen noch jungen 40 Jahren. Ein Raum mit Stacheldrahtzäunen, dessen Boden vollkommen mit Besteck übersät ist, weckt das Interesse ebenso wie jene Kunstwerke, die früher einmal essbar waren: Verschimmelte Sauermilch und ranzige Wurst hinter Glas haben während ihres Verwesungsprozesses kunstvolle Muster gebildet. Neben dieser festen Ausstellung zeigt das Museum Ostwall allerdings im sechsten Geschoss auch eine Wechselausstellung mit sich ändernden Themen. Um die Verbindung zum Publikum nicht abreißen zu lassen, vermitteln moderne Video – und Medienstationen Hintergrundwissen zu den ausgestellten Artefakten. Durch die Einrichtung von Kunstwerkstätten und Laboratorien im Museum Ostwall wird ebenfalls eine direkte Begegnung mit der Kunst ermöglicht.

Weitere Partner im Dortmunder U

Als weitere Attraktion hat sich der Hartware MedienKunstVerein im Orange FH Dortmund Foto: Sarah BauerU angesiedelt. Seit seiner Gründung im Jahr 1996 versucht der international weit vernetzte Verein, der bereits für den Preis der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (ADKV) und der ART COLOGNE nominiert war, zeitgenössischer und moderner Kunst eine Plattform zu bieten. Der HMKV präsentierte bereits zahlreiche Programme und Ausstellungen wie etwa "History Will Repeat Itself" aus dem Jahr 2007 oder eine Auseinandersetzung mit Anna Kournikova. Mehrmals im Jahr wechseln die Ausstellungen des HMKV.

Studis im U

Auch aus studentischer Richtung erhält das Dortmunder U Unterstützung. Die TU Dortmund wird mit öffentlichen Vorträgen und Events auf der ersten Etage vorstellig, wobei der Fokus auf dem Miteinander verschiedener Wissenschaftskulturen und deren Austausch untereinander liegt. Auch die Ausstellungen der TU wechseln mehrmals im Jahr und bieten dem Besucher somit immer wieder neue Inspirationen.

Winkelmanns Vertikale

Der Professor brachte bereits leuchtende Winkelmanns Vertikale Foto: Sarah BauerBewegung in die Dachkrone der ehemaligen Dortmunder Union-Brauerei. Durch seine Filminstallationen füllte sich die Fläche um das gelbe U herum beispielsweise schon mit einer Unterwasserwelt, Bier oder Tauben. Auch die Ruhrpanoramen im Foyer gehen auf Winkelmanns Konto. Betritt man den großen Raum hinter der Kasse, ist man sogleich rundum von Videoleinwänden umgeben. Die stehenden Bilder geraten immer schneller in Bewegung, lassen Industrielandschaften, Konstrukte und Aussichten um den Besucher herumschwirren und sind zum Teil mit Klängen unterlegt. Am Ende gelingt es einem kaum noch, einzelne Bilder wahrzunehmen und mit leichtem Schwindelgefühl geht es schließlich zurück zum Stillstand. Auch Winkelmanns Vertikale auf der weißen Wand im Rolltreppenhaus beeindruckt. Auf neun quadratischen Projektionsflächen zeigen sich täglich über die gesamte meterhohe Wand wechselnde Kurzfilme. Unter anderem erscheinen Fenster von Wohnungen, in denen man ganz ungeniert Menschen beim Blumengießen und Herumlaufen im Wohnzimmer beobachten kann. Auch ein Orchester hat sich ab und an in der Vertikale niedergelassen. In diesen Moment erscheinen in den plastisch wirkenden Quadraten sitzende Musiker mit Posaune, Gitarre und Trompete und nutzen den Schall im Dortmunder U für ein skurril anmutendes Stück.

Kino, Freizeitzentrum und kulinarische Köstlichkeiten

In der untersten Etage befinden sich weitere Räumlichkeiten, Panoramablick über die Dortmunder City von der Dachterrasse des Dortmunder U Foto: Hans Jürgen Landes Fotografiedie Möglichkeiten zu Kinoinszenierungen und kleinen Aufführungen bieten. Filmemacher und Medienkünstler können hier mit digitaler und analoger Technik, mit der das Dortmunder U gut ausstaffiert ist, ihre Projekte umsetzen und dem Publikum zugänglich machen.
Die Wandlung vom Industriestandort zum Kulturgut ist dem U gelungen. Ebenso wandlerisch zeigt sich das "VIEW". Die 60 Meter hoch gelegene Gastronomie ist einzigartig in Deutschland. Am Nachmittag ist auf der Fläche ein Café vorzufinden. Gegen Abend verändert es sich jedoch in ein modernes sowie gemütliches Restaurant mit interkulturellem euroasiatischem Speiseplan. Später in der Nacht und am Wochenende finden gar Konzerte, Lesungen und kulturelle Veranstaltungen für jeden Geschmack dort statt. Das architektonisch aufwendige Ambiente wird von einer 200 Quadratmeter großen Außenterrasse ergänzt, die einen hoch in den Wolken Dortmunds mit einer erstklassigen Aussicht schweben lässt. Mit dem RUBY lädt ein weiteres Bistro zum Genießen ein, das neben Snacks auch stilvolle Cocktails und Weine anbietet.
Ein weiteres Highlight direkt am U ist das FZW. Der bundesweite Treffpunkt für Popkultur und Jugend bietet jungen Menschen je nach musikalischer Szene und Subkultur über 250 Veranstaltungen und Konzerte im Jahr und erfreut sich großer Bekanntheit.

Anfahrt und Besichtigung

Vom Hauptbahnhof aus ist das Dortmunder U in wenigerBier-U-Turm Foto: Adolf Winkelmann Produktion 2010 als 5 Minuten zu Fuß erreichbar. Für Anreisende mit dem Pkw ist zu empfehlen, im Navigationssystem die Adresse Brinkhoffstraße 4 einzugeben, da die offizielle Adresse Leonie-Reygers-Terrasse noch nicht in allen Systemen eingetragen ist. Auch für Rollstuhlfahrer ist ein Besuch im U dank Aufzügen und ebenen Zugängen kein Problem.
Generell steht das Dortmunder U allen kostenfrei offen. Die Ausstellungen des HMKV, des Museum Ostwall und bestimmte Führungen sind jedoch kostenpflichtig. Auch lassen sich Teile des Gebäudes als Gastroflächen für Veranstaltungen mieten.
Somit präsentiert sich das Dortmunder U als interessantes und modernes Zentrum für Kunst und Kreativität, das Veranstalter und Besucher gleichermaßen in den Bann zieht. Das leuchtende U über den Dächern Dortmunds strahlt aus, wie Strukturwandel auch ohne Verfall verlaufen kann. Im Gegenteil – das U steht heute und vor allem nach RUHR.2010 international für einen bedeutenden Anlaufpunkt in Sachen Kunst und Kultur.

Das Dortmunder U + Museum Ostwall

Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund
Telefon: +49(0)231.50-24723

Öffnungszeiten:

Di + Mi 11:00 — 18:00 Uhr
Do + Fr 11:00 — 20:00 Uhr
Sa + So 11:00 — 18:00 Uhr
Mo geschlossen
Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag, Silvester und Neujahr geschlossen.
An Feiertagen immer von 11:00 - 18:00 Uhr geöffnet.

VIEW: Di – So: 11 – 18 Uhr
Restaurant: Di – Sa: 18 – 23 Uhr
CLUB: Sa + Events: 23 – 6 Uhr
Geschlossen: Neujahr, Heiligabend, 1. Weihnachtstag, Silvester Geöffnet: 2. Weihnachtstag

Eintrittspreise:

Der Zugang zum Dortmunder U ist kostenfrei.
Die Ausstellungen des Hartware MedienKunstVerein (HMKV) und des Museum Ostwall sind kostenpflichtig, ebenso wie Wechselausstellungen in der 6. Etage sowie Gastveranstaltungen.

Mehr Infos und Preise unter: www.dortmunder-u.de

(Stand: Januar 2014, Angaben ohne Gewähr)

(sb)

Bildquelle:
Sarah Bauer (1-3)
Hans Jürgen Landes Fotografie
Adolf Winkelmann Produktion 2010

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