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LWL-Römermuseum Haltern am See

Das LWL-Römermuseum in Haltern am See zeigt die Ergebnisse von über 100 Jahren archäologischer Forschung. Vor genau 111 Jahren begannen dort die ersten Ausgrabungen römisch-militärischer Standorte. Das Museum präsentiert die Geschichte der Römerlager an der Lippe und speziell die des Halterner Lagers in einem modernen Museum "zum Anfassen". Im neuen Römerpark Aliso werden zukünftige römische Militäranlagen rekonstruiert.


[ruhr-guide] In Haltern am See, einem ehemaligen LegionslagerAussenansicht des LWL-Römermuseum in Haltern am See an der Lippe, zeigt das LWL-Römermuseum die Ergebnisse von fast 100 Jahren archäologischer Forschung. Die Lippe war der ideale Nachschubweg für die römischen Legionen, da das Umland mit seinen Sümpfen und dichten Wäldern nur schwer passierbar war. So entstanden entlang des Flusses römische Lager, die den Nachschub sichern sollten: Holsterhausen, Haltern, Oberaden, Beckinghausen und Anreppen. Haltern selbst gilt heutzutage als einer der am besten erforschten und bis jetzt größten militärischen Ausgrabungsstätten des gesamten Römischen Reiches. Als Militärstützpunkt, vermuten die Wissenschaftler, war Haltern eine der Schaltstellen, um die Eroberung Germaniens voran zu treiben.

Nicht nur ein Militärlager

Doch schon damals war Haltern nachweislich mehr als nur ein einfaches militärisches Legionslager. Die Archäologen sind sich sicher, dass hier ein zentraler Verwaltungsstandort eingerichtet werden sollte. So sind durch Gräberfunde die Anwesenheit von Zivilisten und Handwerkern nachgewiesen. Ebenso wurde hier Eisen verarbeitet und besondere Keramik, die Terra Sigillata, produziert und exportiert. Ausgräber fanden auch ein Hauptlager, mehrere Marsch- und Feldlager, eine Töpferei und ein Gräberfeld nördlich der Lippe sowie eine Marinebasis am Ufer.

Schon 1838 machte der preußische Major Friedrich Wilhelm Schmidt Töpferofen im LWL-Römermuseum in Haltern am Seeam Annaberg eine militärische Siedlung der Römer ausfindig. Noch bis heute finden mit kleineren Unterbrechungen größere und kleinere Ausgrabungsaktionen in Haltern und der Umgebung statt. Obwohl 1987 das Gebiet unter Denkmalschutz gestellt wurde, dürfen durch Baumaßnahmen oder Zerstörung bedrohte Teilgebiete von Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe untersucht werden. Somit wurde schon ein Viertel des Hauptlagers erfasst und historische Funde datiert. Der "Haltern-Horizont", welcher als der zeitliche Ausgangspunkt aller Funde Europas, Nordafrikas und Vorderasiens gilt, und seine Bedeutung sind unter den Wissenschaftlern aus aller Welt bekannt. Auch der Durchbruch der modernen Ausgrabungstechnik lässt sich auf Haltern zurückführen, denn hier erforschte man erstmals den sandigen Boden nach Verfärbungen und versuchte sie zu interpretieren. So entstanden ganze Grundrisse von Häusern und Befestigungsgräben aus der damaligen Zeit.

Geschichte zum Anfassen im Römermuseum

Vor genau 111 Jahren fanden die ersten Ausgrabungen statt, doch zunächst konnte nur ein provisorisches Museum in einer alten Rektoratsschule eingerichtet werden. Es folgten ein Neubau, das "Römisch-Germanische Museum", sowie dessen Zerstörung 1945 bei einem Bombenangriff. Erst 1985 fand man eine dauerhafte Lösung und eröffnete somit 1993 das LWL-Römermuseum in Haltern am See. Es wurde entlang der ehemaligen Befestigungsanlagen errichtet und die spitzen Oberlichter auf dem begrünten Dach erinnern an die Zelte der Legionäre. Im LWL-Römermuseum wird die 28-jährige Geschichte der Römerlager an der Lippe in einem modernen Museum präsentiert. Anhand vielfältiger Exponate wird die römisch- germanische Geschichte lebendig erzählt. Anfassen und mitmachen wird dabei im LWL-Römermuseum in Haltern groß geschrieben: Der Besucher kann hier mit dem Griffel Worte in das Wachs einer Schreibtafel ritzen oder die Strapazen der Legionären in Form des schweren Marschgepäcks auf dem Rücken nachvollziehen.

Vielfältige Sonderveranstaltungen

Neben frei ausgestellten Großexponaten, wie z. B. einem Legionärszelt, rundenVitrine mit Getreide im LWL-Römermuseum in Haltern am See Vitrinen, Ton- und Videodokumente das lehrreiche Angebot ab. Dass auch Geschichte spannend und aktuell sein kann, zeigt die "Tagesschau" aus dem Jahr 4 n. Chr. und die lateinischen Begriffe fordern hier keinesfalls das Studium der toten Sprache, denn alle Originalschriftzüge sind übersetzt. Insgesamt ergibt sich aus der Gesamtkomposition ein interessantes Bild der Römerzeit in Germanien. Museumspädagogik wird im LWL-Römermuseum ein hoher Stellenwert eingeräumt. Vielfältige Sonderveranstaltungen wie Filmvorführungen, Brot und Spiele, Sonderführungen und Workshops runden das Angebot ab. Das LWL-Römermuseum in Haltern am See ist sowohl für Erwachsene als auch für Kinder ein spannendes Erlebnis und unbedingt zu empfehlen!

Römerpark Aliso

Im April 2012 begannen die Arbeiten am neuen 4,8 Hektar großen "Römerpark Aliso". Nach einer Phase der Voruntersuchung beginnen die Archäologen mit den Grabungen und wollen den wichtigsten Militärkomplex der Römer rechts des Rheins nicht nur ausgraben, sondern anschließend auch zum Teil rekonstruieren. Ab dem Jahr 2014 werden dann voraussichtlich erste Militärgebäude um das Westtor neu errichtet. Man darf gespannt sein!

Tipp: Wenn Sie nach Haltern am See kommen, sollten Sie nicht den Stausee, die Stever oder die Westruper Heide verpassen. Wenn Sie sich für die römisch-germanische Geschichte interessieren, sollten Sie unbedingt auch den Archäologischen Park Xanten besuchen!

LWL Römermuseum Haltern

Weseler Str. 100
45721 Haltern am See
Tel: 02364 / 93760
Fax: 02364 / 937630

Öffnungszeiten:
Di bis Fr 9 - 17 Uhr
Sa, So und Feiertage 10 - 18 Uhr
Montags, am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar geschlossen

Eintrittspreise:
Erwachsene: 4 Euro
Gruppen ab 16 Personen je Personen: 3,50 Euro
Schüler (6-17 J.): 1,50 Euro
1,10 Euro Schülerinnen und Schüler bei Teilnahme an Führung oder Programm im Rahmen einer Lehrveranstaltung (2 Begleiter frei)
Ermäßigte: 2,00 Euro
Familientageskarte: 9 Euro

(Stand: Juli 2014, Angaben ohne Gewähr)

Anfahrt:
A 43, Abf. Haltern am See, bzw. B 58 nach Haltern am See, von dort circa 1,5 km Richtung Innenstadt


Fotos: Jochen Hähnel

(pj)