Ein Gesicht wie der Sommer, umspült von kühlem Nass, so blickt Sängerin Danja vom Cover des Albums "Shades of July". Am 8. September wurde das Erstlingswerk der Herner Band veröffentlicht. Wir haben Danja Atari nicht nur bei Bochum Total getroffen, wir fanden die neue CD vier Wochen vor dem Release in unserer Post und seither läuft sie ohne Unterbrechung in der Redaktion.
[ruhr-guide] Orientalische Klänge, hauchzarte Refrains, Drum'n'Base Loops, klare Gitarrenspuren und Rap,
jazzige E-Piano- und sphärische Sounds - das Debütalbum von Danja Atari passt in keine Schublade und ist erfrischend, tanzbar und chillig zugleich. Das ganze kommt mitten aus dem Ruhrgebiet, aus Herne, wo das Tengu Basement zu Hause ist. Der Name Tengu ist mittlerweile zur Revier-Tradition im Bereich Hip Hop- und Elektro-Underground geworden, Danja Atari ist das neue Projekt aus dem Basement, das mit einem ganz eigenen Style aufwartet.
Angenehm melancholisch, dabei alles andere als Lovesongs, dann wieder aufwühlend und treibend: "Shades of July" behält den Rekordmonat 2006 in
bester Erinnerung. Bands wie Portishead oder Massive Attack sind die Vorbilder der 23jährigen Sängerin. Innerhalb der Band ist sie das Küken, von ihren Musikern wird sie nach eigener Aussage "verwöhnt und geschlagen". Ein Viertel tunesisch, ein Viertel französisch, der Rest in ihr ist eine Mischung aus Berlin und Ruhrgebiet – Metropolen treffen also auf Temperament und Charme. Ihre Songtexte entstehen stets aus einer Stimmung heraus, auch die von Drummer, Laptop-Mastermind und Produzent Sebastian Maier alias Zap programmierten künstlichen Sounds kommen so ans Tageslicht: "Das Gerüst wird als Flash entwickelt, dann geht alles sehr schnell und meistens wie von selbst", weiß der Soundfrickler.
"Shades of July" beginnt mit dem Intro "Tunisia" und verweist damit direkt auf Danjas nordafrikanische Wurzeln, spielt schon zu Beginn auf ihren multikulturellen Ursprung und dessen Umsetzung in der Musik an. Abwechslungsreich weil immer wieder anders wird der Hörer dann von Trip Hop-Elementen und äußerst chilligen Stücken überrascht. Spätestens beim Stück "Too late" wird man unweigerlich zum Danja Atari-Fan. Man schließt die Augen, träumt auch im Herbst noch vom
vergangenen Sommer und fühlt noch immer den heißen Wind der Großstadthitze. "Tragic Perception" führt dieses Gefühl fort, nun wird der Zuhörer aber aufgewühlt, als suche er auf einem orientalischen Basar nach einem verlorenen Menschen. Dann wieder trifft die wunderschöne klare Stimme Danjas auf den Rap von Sulal Kool, in "Unfortunate" vermischen sich aufs Neue die musikalischen Stile. Neben dem Drum'n'Base und UK Garage MC steuerte auch Milan East aus Hamburg dem "Shades of July"-Album einen clubtauglichen Remix von "The City" bei, der als Bonus Track des Longplayers die Partymassive zum Tanzen bringen wird.
Doch all die Begeisterung für den tollen Danja Atari-Sound in Worte zu fassen ist schwierig und kein adäquater Ersatz für den eigentlichen Hörgenuss. Daher sollte man sich ein wenig Ruhe gönnen, einen Wein einschenken und die Musik für sich sprechen lassen.
Mehr Infos gibt es unter
www.danja-atari.com
www.tengu.de
(sl)

Home