Noch ein Buch über das Ruhrgebiet? Wieder werden die Städte von A bis X vorgestellt, die Highlights der Industriekultur, Freizeitparks, Theater und Bühnen sowie ausgewählte Veranstaltungen präsentiert. "Muss das sein?" fragt sich da der engagierte Ruhrstädter, der schon mehrere Bücher desselben Inhalts sein Eigen nennt. Ja, denn das Reise-Lesebuch Ruhrgebiet wurde geschrieben für Touristen und wirft dabei auch einen Blick zurück in die spannende Geschichte des Reviers.
[ruhr-guide] Um es direkt vorweg zu schicken: Dieses Buch ist für Ruhrgebiets-Neulinge und für Touristen, die noch
immer glauben, das Revier zwischen Witten und Haltern, zwischen Wesel und Bergkamen wäre grau und langweilig, ohne jede Kultur und Natur. Die Autorin Kerstin Dopatka hatte wohl den gleichen Gedanken der uns damals antrieb, dieses Online-Magazin ins Leben zu rufen und die Region unermüdlich zu erkunden und darzustellen. Viel wurde schon geschrieben über die Route der Industriekultur mit ihrem Landschaftspark Duisburg-Nord als absolutes Highlight, das darüber hinaus neben dem Weltkulturerbe Zollverein zum meistfotografierten Motiv des Ruhrgebiets wurde. Die Zeche Hannover, die Zeche Zollern, die Kokerei Hansa, der Bergbaurundweg Muttental, die Jahrhunderthalle, die Henrichshütte, der Gasometer - sie alle dürfen in einem Reiseführer über den Pott ebenso wenig fehlen wie die Siedlungen und die Halden, die Revierparks und die Naherholungsgebiete und so finden wir die alten Bekannten in loser Reihenfolge im Buch "Tief im Westen" wieder.
Geschichte des Reviers
Was bietet das Reise-Lesebuch Ruhrgebiet also Neues? Kerstin Dopatka beginnt ihren Reiseführer mit den üblichen Infos: Wo liegt das Ruhrgebiet, wie setzt sich die Bevölkerung zusammen, wie groß ist die Fläche, wie das Klima. Über den aktuellen Stand der Dinge zum Thema "Ruhrstadt" berichtet Sabine Schreiber, erklärt die Funktion des RVR und stellt den Verein pro Ruhrgebiet vor. Nach Kapiteln zur Internationalen Bauausstellung Emscher Park, zur "University of Ruhrgebiet" und "Umweltsch(m)utz im Ruhrgebiet" wirft die Autorin "Den Blick zurück" in die Geschichte dieses Fleckens Erde. Römer und Germanen sind dort ebenso ein Thema wie "Der Hellweg" und selbstverständlich der bekannte Punkt "Kohle und Stahl". Wirklich interessant wird es in den Kapiteln "Arbeiterbewegung im Ruhrgebiet" und "Das Revier unterm Hakenkreuz". Historische Abbildungen wie Zeichnungen, Stiche und Fotografien bebildern die kurz gefassten Ausführungen der Autorinnen, Zitate von Zeitzeugen lassen Geschichte aufleben. Anschließend werden den wohl berühmtesten Dynastien des Ruhrgebiets jeweils ein Kapitel gewidmet: Krupp und Thyssen.
Arbeiten im Revier
Kein Reiseführer über das Ruhrgebiet kann die Wichtigkeit der Kohle für die Region ausklammern und so berichtet im Buch "Tief im Westen" zunächst Frank Barsch über das Grubengold, unternimmt Kerstin Dopatka eine "Reise durch die (Sozial-)Geschichte des Steinkohleabbaus und erzählt anschließend ein ehemaliger Elektrosteiger vom Arbeitstag inklusive "Seilfahrt zur 5. Sohle". Begleitet werden die spannenden Ausführungen von einem "Bergbauglossar". Was von der Blütezeit des Bergbaus übrig geblieben ist, wird im Kapitel "Bergschäden" dargelegt.
Nach dem Fußball zum Kiosk
Kerstin Dopatka
Tief im Westen. Reise-Lesebuch Ruhrgebiet
Klartext Verlag Essen 2006308 Seiten, durchgehend farbig, Broschur, 14,95 Euro, ISBN 3-89861-455-7
(sl)

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