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Angelabenteuer im Ruhrgebiet

Der Angelsport hat im Ruhrgebiet von je her eine große Tradition. Waren es bis vor einigen Jahren vornehmlich ältere Angler, die nach Feierabend an der Ruhr oder am Kanal ihrer Passion nachgingen, so zählt angeln heute zu den beliebtesten Outdoorsportarten gestresster Stadtmenschen.


[ruhr-guide] Aus den Barbe. Foto Markus Bötefürgeruhsamen Wurmbadern von einst sind aktive Sportfischer geworden, die ständig neues Gerät entwickeln und neue Methoden austüfteln, um den Fischen auf die Schuppen zu rücken. Der Fischfang ist dabei längst keine Männerdomäne mehr; die Zahl der Anglerinnen nimmt von Jahr zu Jahr beständig zu. Modernes Sportfischen hat nichts mit gemütlichem Aussitzen der Fische zu tun.

Gute Wasserqualität

Ein Angelausflug an Rhein und Ruhr bedarf sorgfältiger und akribischer Vorbereitung, Planung und Durchführung, denn bedingt durch die verbesserte Wasserqualität ist auch die Beute der Ruhrgebietsanglern äußerst attraktiv geworben. So leben im Rhein heute rund 40 Fischarten, von denen einige - wie der Lachs - sehr hohe Anforderungen an die Sauberkeit ihres nassen Elements stellen, und die bis Anfang der 80er Jahr hier als ausgestorben galten. Seit gut 15 Jahren macht das Angeln im Rhein und in der Ruhr wieder richtig Spaß und der Angler kann seine dort gefangenen Fische ohne Bedenken essen. Es sind aber nicht allein diese erfreulichen Merkmale, die das Fischen im Revier spannend und überaus erfolgreich machen, sondern kurioserweise auch die Beschaffenheit der von Menschenhand begradigten Gewässersysteme. Denn an Rhein und Ruhr finden sich sowohl natürliche als auch künstliche Verhältnisse und Strukturen, die das Angeln nie langweilig werden lassen und den Petrijünger vor immer neue und interessante Aufgaben stellen. Zander. Foto Markus BötefürUnd so kann ein Angeltag im Duisburger Hafen genauso spannend werden wie ein Trip zu den naturbelassenen Altrheinarmen.

Angelreviere erster Güte

Das Ruhrgebiet hat aber nicht allein zwei gute Flüsse zu bieten, sondern auch interessante Seen und Baggerseen. Der Üttelsheimer See in Duisburg-Homberg zählt unter Experten zu den Top-Karpfengewässern in Deutschland, die Wedauer Regattabahn ist eine hervorragende Raubfischstrecke, der Essener Baldeneysee beherbergt einen sehr guten Hechtbestand und die Ruhrstaustufen Hengstey- und Harkortsee in der Nähe von Dortmund sind ebenfalls Angelreviere erster Güte. Neben diesen großen Gewässern gibt es am Rande des Kohlenpottes noch zahlreiche Baggerseen und Altrheinarme, an denen es sich lohnt, die Angel auszuwerfen.

Mit Google Earth auf Hechte und Zander

Die Beute ist mehr als verlockend: Karpfen von mehr als 20 Kg gibt es in fast allen Gewässern der Region, große Hechte, Zander, Welse von über 40 Kg und wehrhafte Rapfen lassen die Herzen der Ruhrgebietsangler höher schlagen. Um solche Brocken an den Haken zu bekommen, werden auch die Errungenschaften modernster Technik genutzt; mit Google Earth erkundet so mancher Petrijünger erfolgversprechende Angelstellen am Rhein oder an den Ruhrstauseen.

Neben hervorragenden Fischbeständen bieten die Wasserstraßen und Seen des Ruhrgebiets dem Angler noch allerhand mehr. So kosten die Angelkarten wenig Geld und die Gewässer lassen genügend Platz für alle. Und, dies ist wohl ihr entscheidendster Vorteil, sie sind täglich gut für kleinere und größere Überraschungen: Sei es der Fang einer Flunder im Rhein oder die Begegnung mit einem Mamorkarpfen beim Spinnfischen im Rhein-Herne-Kanal.

Karpfenangeln

Karpfen. Foto Markus BötefürImmer beliebter wird das gezielte Fischen auf Großkarpfen im Ruhrgebiet. Die Karpfen werden mit proteinhaltigen Spezialködern sog. Boilies beangelt. Bei dieser Ködervariante handelt es sich um steinhart gekochte Teigkügelchen, die - mit Duftstoffen versehen - nur von Karpfen gefressen werden können, die sie mit ihren Schlundzähnen knacken. In nächtelangen Ansitzen, bei denen die Geduld der Karpfenangler auf eine harte Probe gestellt wird, fangen die Meister dieser Angelmethode Moosrücken von mehr als 25 Kg. Der schwerste in den letzten Jahren erbeutete Spiegelkarpfen wurde im Ruhrorter Hafen gefangen und brachte 26 Kg auf die Waage. Aber auch in der Saarner Ruhr, am Rhein-Herne-Kanal und an der Sechs-Seen-Platte kann man die Zelte der Karpfenjäger erspähen, die mit immer neuen Aromastoffen experimentieren und ihre Fische mal mit fruchtigen Düften wie Kirsche und Vanille oder mit herben Stinkern wie Hering oder Muschelextrakt verführen.

Spinn- und Fliegenfischen

Mit Fliegenfischer. Foto Markus Bötefürkünstlichen Ködern geht es auf Raubfischfang an Rhein und Ruhr. Spinn- und Fliegenfischen zählen zu den aktiven Formen des Angelns und bezeichnen das Fischen mit Blinkern, Spinnern, Gummifischen oder eben künstlichen Fliegen, wobei der Angler sich vom Ufer oder Boot aus auf die Suche nach seiner Beute begibt. Diese Form des Fischens hat den Vorteil, dass man große Wasserflächen absuchen kann, denn häufig tummeln sich die Fische in einer ganz bestimmten Ecke des Gewässers. Eine Faustregel besagt, dass 80% der Wasserfläche fischleer ist. Die fischträchtigen 20% aufzufinden und erfolgreich zu beangeln ist somit die eigentliche Kunst des Sportfischens.

Wohl keine andere Angelmethode hat in den letzten zwei Jahrzehnten mehr Neuerungen erfahren als das Spinnangeln. Dies gilt für Ruten, Rollen und Schnüre, besonders aber für Spinnköder. Fliegenfischen und Spinnangeln gelten als die hohe Kunst der Angelfischerei. Spezialisierte Guides und Angellehrer führen den Anfänger in diese Techniken ein und zeigen, dass modernes Sportfischen keineswegs eine geruhsame Beschäftigung ist. Sie lehren den richtigen Umgang mit dem Gerät, zeigen die besten Angelplätze und schulen den Blick, um die Gewässer zu lesen. Denn ob man im Winter oder im Sommer, bei Regen oder Sonnenschein zum Angeln geht, stets findet man andere Bedingungen vor, auf die es sich einzustellen gilt. Wer dann seinen ersten Hecht, Zander, Rapfen oder die erste Barbe mit Gummifischen oder selbstgebundenen Fliegen gefangen hat, wird meist selbst zur Beute dieses faszinierenden Hobbys.

(Markus Bötefür )

Angeln im RuhrgebietDer Historiker Dr. Markus Bötefür ist Angelsportjournalist, Buchautor und Raubfischexperte: Lesen Sie hier unsere Rezension zu "Angeln im Ruhrgebiet".

Weitere Informationen zum Angeln im Ruhrgebiet und am Niederrhein finden Sie auch unter:
www.raubfischguide.de
www.fliegenfischerschule-niederrhein.de
www.flyfisher-niederrhein.de






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