Die Tage werden länger, der Sommerurlaub nimmt Formen an und die Rückrunde läuft. Die Winterdepression hat Schwierigkeiten, sich im Innern festzukrallen. Die Körpertemperatur steigt um einige Zehntelgrade, es geht um die Wurst. Meisterschaft, Europapokal und Abstieg sind zentrale Steuergrößen für das Wohlbefinden. Doch geht es wirklich noch mit rechten Dingen zu, in diesen Rückrunden?
[ruhr-guide] Denn
in den letzten Jahren ist es zur Gewohnheit geworden, dass nach Beginn der Rückrunde das große Outing stattfindet. Einige Trainer und viele Spieler geben bekannt, wer ab kommenden Sommer das nicht unbeträchtliche Salär übernimmt. Die Dunkelziffer derjenigen, die es schon längst wissen, jedoch nicht preisgeben, wird beachtlich sein. Vor den Augen der Fans, da wo's wichtig ist, auffem Platz, laufen also Spieler in Blau herum, die schön längst in roter Bettwäsche schlafen. Oder nicht?Nein, natürlich nicht! Die Einstellung der Großverdiener ist professionell, die Restlaufzeit des Vertrages wird mit höchstem Einsatz erfüllt. Doch unsere Jungs sind auch nur Menschen. Wenn es ab der 80. Minute schon mal richtig weh tut, mit Steinen in den Schuhen und Reißnägeln in der Lunge, macht man da den letzten Schritt? Die letzte Grätsche, die den baldigen Ex-Club vor dem Abstieg rettet, in den UEFA-Pokal bringt? Riskiert man, noch mal ordentlich auf die Stelzen zu kriegen? Ist man da Held ... oder einfach nur ... Mensch?
Diese Frage stellt sich demnächst auch jemandem, den viele Zuschauer seit jeher in Verdacht haben, sich für seinen Arbeitgeber nicht zu zerreißen: Zvjezdan Misimovic vom VfL Bochum, genannt Zwetschge, ab Sommer 2007 in Nürnberg tätig. Seit Zwetschge in Bochum wirkt, ist die Zahl der HB-Männchen auf den Tribünen des ehemaligen Ruhrstadions sprunghaft gestiegen. Misimovic gehört zu den Fußballern, die Menschen massenweise auf die Palme treiben können.
Das liegt an seinem offenbar angeborenen, der Leblosigkeit ähnlichem Bewegungsablauf, der viele Leute an einen anästhesierten Teddybär erinnert. Ein Sprint Misimovics provoziert auf den Rängen oft wüste Gewaltbereitschaft. Zwetschge ist nie richtig auf den Rängen in Bochum angekommen, trotz seiner unbestritten vorhandenen fußballerischen Vorzüge. Welcher VfL-Fan vergisst schon DAS Tor im März 2006, als Zwetschge schätzungsweise 28 Paderborner zwischen Mittellinie und Fünfmeterraum austanzt, dann noch den Torhüter umkurvt und mit sagenhafter Coolness zum 1:3 einnetzt?
Jetzt ist es bald vorbei. Aufgrund Misimovic' Stellenwert beim Bochumer Publikum werden die ausstehenden Spiele für den VfL Bochum vermutlich keine Ehrenrunde des bosnischen Nationalspielers. Obwohl der Rekordwiederaufsteiger zweifellos einen seiner wichtigsten Spieler verliert. Die Frage ist nur, wann er ihn verliert. Sollte das schon in den kommenden Spielen passieren, bekommt der VfL mit Sicherheit eine weitere Chance, seine Wiederaufstiegsliste zu verlängern.
(Lubi)

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