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Glosse: Verhöhn(er)ung der Treuen

Kommentator eines Fußballspiels zu sein, ist ungefähr ein so dankbarer Job wie Bundestrainer. Denn eigentlich kann jeder einzelne von uns es besser. Allerdings hat mancher Kommentator offenbar ein besonderes Händchen dafür, uns für blöd zu verkaufen.


[ruhr-guide] Etwa wie der Glosse: Pflaumenlose Zeitfreundliche Herr vom DSF. Während seines Kommentars zum Spitzenspiel der 2. Liga am letzten Montag, als der MSV Duisburg in seiner schmucken Arena den Karlsruher SC empfing, ließ der Mann allzu oft seiner Enttäuschung über die geringe Zuschauerzahl freien Lauf. Nicht mal 20.000 Menschen wollten den vom Experten herbei geredeten "Knaller" live bestaunen. Also, liebe Leute, jetzt kommt aber mal hinter euren Öfen hervor!

Es mag unverschämt sein, den DSF-Mann darauf hinzuweisen, dass dies möglicherweise an dem unsäglichen Montagstermin liegt, von dem sein Sender kräftig profitiert. Abgesehen von Anhängern des MSV, die am nächsten Morgen früh rausmüssen, deshalb eine längere Anreise zum Spiel scheuen und lieber das Angebot der Live-Übertragung in der heimischen Glotze nutzen, ist es vor allem der Auswärtsfan, dem der Montag Abend im DSF Knüppel zwischen die Beine wirft. Den 1.000 Karlsruhern, die trotzdem die Fahrt nicht gescheut haben, gebührt höchster Respekt. Das sind diejenigen, die die anschließende Nacht in unbehaglichen Zügen oder auf wenig gastlichen Autobahnen verbringen, während der Kommentator sich nach anstrengender Arbeit im VIP-Raum des MSV stärkt und danach in sein Hotelbett kuschelt.

Wenn man nicht genau wüsste, dass ein DSF-Kommentator die Fakten selbstverständlich kennt, könnte man noch darauf hinweisen, dass in den hochgelobten Arenen die leidlich erschwinglichen Stehplätze auf ein Minimum reduziert sind und man für die alternativen Sitzschalen meist mehr als 20 Euro berappen muss. Wir wollen dem gutinformierten Journalisten keinesfalls Hintergrundwissen absprechen, und deshalb auch nur leise auf die Arbeitslosenquote des Ruhrgebiets hinweisen, die durchschnittlich bei 15% liegt. Nicht zu vergessen, die Menschen, die zwar in Lohn und Brot stehen, aber trotzdem oft nur noch letzteres mühsam finanzieren können und allein aus diesem Grund das natürlich karitative Angebot des DSF nutzen.

Es ist ebenso völlig klar, dass Fußballkommentatoren wissen, dass im Ruhrgebiet auf einer Ost-West-Strecke von ca. 50 km drei Erstligisten und zwei Zweitligaclubs zu finden sind. Das schafft nicht mal die große Hauptstadt der heiligen Berliner Republik deutscher Nation. Für weltgewandte Fernsehleute mag es verständlicherweise provinziell erscheinen, dass man im verschnarchten Ruhrgebiet Lokalkolorit wahrt und nicht am Samstag die Schalker gegen Berlin in der dortigen Arena bewundert, am Sonntag die Bochumer wegen abgezockter Nürnberger bedauert und am Montag den MSV zum Aufstieg schreit. Es ist aber bei uns nun mal so: Fußballfans, die diese Provinzialität abgelegt haben und sich zudem den Spaß auch noch leisten können, kann man an einer Hand abzählen.

Der Dank gilt deshalb dieses eine Mal nicht dem gewieften Mann am Mikrofon für den sachkundigen Kommentar, sondern den 17.000 Rot-Weißen an der Hafenstraße, die trotzdem immer wieder kommen, den 18.000 Bochumern, die sich nicht unterkriegen lassen und den 20.000 Duisburgern, die sich den Aufstieg verdient haben.

(Lubi)





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