Erst kürzlich attestierten feuilletonistische Sportseiten dem VfL Bochum, der einzige deutsche Verein mit einer Philosophie zu sein. Nämlich mit Existenzphilosophie. Der Klub selbst ist stets bemüht, das Image des kleinen gallischen Dorfs zu pflegen. Die Wahrheit ist, dass der VfL zum erlesenen Kreis der Perspektivlosen zählt.
[ruhr-guide] Denn wieder einmal muss die sportliche Führung im Rahmen des Spatz-Hand-Taube-Dach-Credos
das derzeitige sportliche Aushängeschild für Pillengeld ziehen lassen. Der dürftigen Anhängerschar bleibt nur die Hoffnung, dass sich der VfL zumindest in die Annalen der Ligastatistik eintragen kann, sollte es Fanis Gekas schaffen, nach Stefan Kuntz und Thomas Christiansen der dritte Bundesliga-Torschützenkönig in der Vereinsgeschichte zu werden. Immerhin damit hofft man sich zu trösten, ebenso wie mit dem sicheren Wissen, dass das vierfache Gehalt der Leverkusener nicht dazu führt, viermal so viele Tore zu schießen. Bochumer Insider lachen sich sogar ins Fäustchen. Ihrer Prognose zu Folge wird der Grieche nächste Saison nicht mal ein Viertel seiner bisherigen Bochumer Buden zu machen.
Die Bestürzung über den Ausverkauf hält sich an der Castroper Straße also in Grenzen, was auch daran liegen mag, dass der nervenkostende Abstiegskampf das Publikum in Atem hält. Heute Elfter, morgen Siebzehnter. Blutdruck rauf, Blutdruck runter. Von manischer Depression übergangslos in buddhistische Kontemplation. Diese seelische Berg- und Talfahrt der Fans nutzt Bochums Hauptsponsor, um Mitgliedern und Dauerkarteninhabern nun ein Riesterrentenmodell anzubieten. Vermutlich in der festen Annahme, dass nur wenige diesem Stress gewachsen sind und das Rentenalter auch tatsächlich erleben werden.
Da regt es wirklich nicht auf, dass am kommenden Freitag mit dem FC Schalke der mögliche Deutsche Meister ins Revierkraft-Stadion kommt. Auch der Gelsenkirchener Verein legt viel Wert auf seine Außendarstellung. Allerdings fällt es immer schwerer, den Leuten zu verkaufen, dass dort unten 11 Bergleute im Flöz Meisterschaft malochen. Um diese Imageschwäche zu kompensieren, steht zu erwarten, dass zum Titelgewinn Szepan, Kuzorra und Libuda exhumiert und die Gebeine auf vergoldeten Gasherden in die Arena gefahren werden, wozu die Eurofighter Michael Jacksons Thriller-Video nachstellen.
Am kommenden Freitag wird noch nicht entschieden, wer am 19. Mai die Totengräber bestellen kann. Doch der Tag rückt näher, an dem der Schalker Vitrine oder dem Bochumer Existenzialismus ein weiteres Stück hinzugefügt werden wird.

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