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Der Weg in die Tiefe

"Der Verstand schwindet einem und der Geldbeutel schreit weh!" So brachte der Wittener Unternehmer Carl Ludwig Berger 1832 das Risiko auf den Punkt, senkrechte Schächte zu graben, um an Kohle zu kommen. "Der Weg in die Tiefe" war schwer - davon erzählt die gleichnamige Dauerausstellung, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) auf der Zeche Nachtigall in Witten zeigt.


Witten (lwl). "Damit füllen wir ein wichtiges Museumsdirektor Dirk Zache (r.) und Dr. Olaf Schmidt Rutsch vom LWL-Industriemuseum in der Ausstellung Der Weg in die Tiefe. Foto: LWL/HudemannKapitel Bergbaugeschichte mit neuem Leben. Denn der Schritt vom Stollen- zum Tiefbau markiert den eigentlichen Übergang vom ländlichen Raum zum Industrierevier", erklärte Museumsdirektor Dirk Zache am Donnerstag (14.06.) bei der Vorstellung der Ausstellung in Witten.

"Die neue Ausstellung führt zurück in die Anfänge des Ruhrbergbaus. 1839 begann man auf der Zeche 'Nachtigall' mit dem Bau des Schachts 'Hercules', um die unter dem Ruhrwasserspiegel liegenden Kohlenvorkommen abzubauen. Dieser Schacht bildet nun den Mittelpunkt der Ausstellung. Er ermöglicht es heute den Besuchern, die damaligen Bergleute auf ihrem Vorstoß in das Innere der Erde zu 'begleiten'. Hier geht es nicht um die Präsentation technischer Errungenschaften. Vielmehr steht, dem Auftrag des LWL-Industriemuseums entsprechend, der arbeitende Mensch im Mittelpunkt", so LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch.

Rund um den freigelegten Schacht Hercules - einem der ersten Tiefbauschächte des Reviers - hat das LWL-Industriemuseum Hindernisse und Probleme aus der Pionierzeit des Tiefbaus in Szene gesetzt. Bergleute brauchten Licht und Luft, um Ihrer Arbeit in der Grube nachgehen zu können. Und nicht nur Kohle wurde aus dem Schacht gefördert, auch Wasser musste fortlaufend aus der Grube gepumpt werden. Diese und andere Themen werden an einem ungewöhnlichen Ausstellungsort behandelt: Unter dem Gewölbe des Ziegelringofens, mit dem der Schacht nach Stilllegung der Zeche im Jahr 1892 überbaut wurde.

Mit der neuen Dauerausstellung kommtDiese Grafik aus dem Jahr 1873 zeigt den idealen Schnitt durch eine Steinkohlengrube. Repro: LWL der Schacht als wesentliches Relikt der Zechenzeit zu neuem Ruhm: 1839 als zweiter Tiefbauschacht der Zeche Nachtigall abgeteuft, nach der Stilllegung verfüllt und seit den 1990er Jahren im oberen Bereich wieder freigelegt, fristete "Hercules" bislang ein eher verborgenes Dasein. Früher stiegen die Bergleute hier noch auf Leitern in die Grube herab, erst mit dem immer weiteren Vordringen durften sie in die Förderkörbe einsteigen. "Insgesamt 37 Jahre dauerte es, bis der Schacht seine endgültige Tiefe von 450 Metern erreicht hatte", erläutert Dr. Olaf Schmidt-Rutsch vom LWL-Industriemuseum, der die Ausstellung konzipiert hat. Da die historischen Zechenanlagen beim Bau des Ringofens abgerissen wurden, setzt das LWL-Industriemuseum bei der Inszenierung auch auf digitale Technik. Eine digitale Rekonstruktion des Schachthauses veranschaulicht, wie Kohleförderung und Wasserhaltung funktionierten. Letztere entpuppte sich als eines der größten Probleme des frühen Tiefbaus überhaupt: Mehrfach mussten im Laufe der Betriebszeit Sohlen aufgegeben werden, weil sie vollgelaufen waren.

Durch eine "Dunkelzone" gelangen Besucher in die unbekannte Untertagewelt. Modelle machen hier zum Beispiel deutlich, wie das verzweigte System der Frischluftzufuhr funktionierte und wie die "ideale Anlage" einer Zeche unter Tage aussah. Dem vielbesungenen "Licht in der Nacht" ist ein eigener Bereich gewidmet. Aber nicht nur Technik, auch sozialgeschichtliche Aspekte setzt das LWL-Museum in Szene. Besucher treffen zum Beispiel auf den Steiger Heinrich Peter Best, der sich zunächst als Vermessungssteiger auszeichnete, später abgeschoben wurde, weil er nicht genug Kohle förderte und mit 57 Jahren als zu alt für seinen Beruf galt. "Am Beispiel einzelner Schicksale und biografischer Skizzen machen wir damalige typische Arbeitsbedingungen deutlich", erläutert der Historiker.

Unter dem Ringofen, mit dem die Zechenanlagen später überbaut wurden, beginnt Der Weg in die Tiefe. Foto: LWL/HudemannEröffnet wurde die Ausstellung am Sonntag, 17. Juni, um 11 Uhr im Rahmen des 3. Knappentages auf Zeche Nachtigall. Den ganzen Tag über erwarteten die Besucher Führungen durch die neue Ausstellung und durch das Besucherbergwerk Nachtigallstollen, Vorführungen der Dampffördermaschine, Schmieden am Kohlefeuer und der Einsatz einer historischen Dampflokomobile und einer Straßendampfwalze. Kinder konnten Schachthüte basteln und mit Clown Zimbo eine "Knappenprüfung" bestehen.

Fotos: LWL/Hudemann





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