Simple Seelen halten Religionsfreiheit für das Recht, den selbstgewählten oder ererbten Glauben ohne Einschränkung ausüben zu dürfen. In Wahrheit jedoch ist Religionsfreiheit der Zustand eines Volkes, das sich vollständig von der Religion befreit hat und dementsprechend nicht mit religiösem Killefitt belästigt werden darf. Keine Kruzifixe und Kopftücher in den Schulen, also auch keine unter Fußballtrikots versteckten, verschwitzten Werbebotschaften für Gott und Sohn.
[ruhr-guide] Nun da der Papst sozusagen im Handstreich die Protestanten abschafft, steht die Fifa nicht nach und schiebt einen Riegel vor unschöne Szenen, die uns die Lucios, Lincolns, Bordons und Cacaus bieten, wenn sie mittels bedrucktem T-Shirt kundtun, wer der eigentliche Torschütze ist. Denn letztendlich hat der Allmächtige die Kugel wie ein Strich in die Maschen gebetet. Manchmal auch mit Hilfe seiner Hand, die Klops Maradona einst zum Riesen machte.
Religiöse Bekenntnisse von Fußballprofis werden also demnächst untersagt. Die deutschen Fußballoberen beeilen sich mit der Versicherung, die neue Leitlinie des Weltfußballs auch in deutschen Stadien umzusetzen. Denn die Herren sind basisnah und wissen, dass der Zuschauer keineswegs optisch genervt wird, durch grellrote Billiganbieter-Werbebotschaften auf blauen Trikots, wie sie beispielsweise der VfL Bochum vorführt. Unästhetisch empfindet der Fan Unterziehhemdchen mit dem Aufdruck "Gott ist meine Kraft". Gerade für die jungen Fußballanhänger ist es wichtiger, auf die Segnungen der freien Marktwirtschaft aufmerksam gemacht zu werden als fragwürdigen Versprechungen himmlischer Heilsbringer aufzusitzen.
Die Lenker der Fußballwelt haben mal wieder die Zeichen der Zeit erkannt, den Finger in eine schmerzende Wunde gelegt und ein brennendes Problem des modernen Fußballs gelöst. Man kann nicht scharf genug gegen diese Menetekel auf Fußballerbrust vorgehen. Jürgen Kohler Fußballgott, Roque Santa Cruz und Schiedsrichter Knut Kircher sollten sich sicherheitshalber schleunigst aus dem Staub machen.
(Lubi)

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